Ei­gen­wil­li­ge Amts­ein­füh­rung

Ka­ta­lo­ni­ens neu­er Re­gio­nal­prä­si­dent im Porträt

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Ralph Schul­ze, Ma­drid

Oh­ne spa­ni­sche Fah­ne, oh­ne Eid auf die Ver­fas­sung und oh­ne Fe­li­pe VI., den kö­nig­li­chen Staats­chef Spa­ni­ens, zu er­wäh­nen: So leg­te der neue ka­ta­la­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Quim Tor­ra ges­tern in sei­nem Re­gie­rungs­pa­last in Bar­ce­lo­na sei­nen Amts­eid ab. Es war die wohl ku­rio­ses­te und kür­zes­te Amts­ein­füh­rung der spa­ni­schen Ge­schich­te: Sie dau­er­te nur drei Mi­nu­ten. Ver­tre­ter der pro-spa­ni­schen Op­po­si­ti­on in Ka­ta­lo­ni­en, die die spa­ni­en­freund­li­che Be­völ­ke­rungs­hälf­te in Ka­ta­lo­ni­en re­prä­sen­tiert, wa­ren nicht ein­ge­la­den.

In der Mi­ni­ze­re­mo­nie, an der nur Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge und ei­ni­ge Ver­tre­ter der ka­ta­la­ni­schen Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gung teil­nah­men, schwor Tor­ra aus­schließ­lich „Treue ge­gen­über dem ka­ta­la­ni­schen Volk“– aber nicht ge­gen­über den staat­li­chen In­sti­tu­tio­nen Spa­ni­ens.

Zei­chen ste­hen wei­ter auf Kon­fron­ta­ti­on

Im Hin­ter­grund des Saa­les, in dem der Akt statt­fand, weh­te nur die ka­ta­la­ni­sche Flag­ge, die aus fünf gel­ben und vier ro­ten Strei­fen be­steht. Re­prä­sen­tan­ten der spa­ni­schen Re­gie­rung ver­zich­te­ten un­ter die­sen Um­stän­den auf ei­ne Teil­nah­me an der be­schei­de­nen Ze­re­mo­nie.

So mach­te der 55-jäh­ri­ge Tor­ra gleich mit sei­ner Amts­ein­füh­rung klar, dass die Zei­chen in Ka­ta­lo­ni­en wei­ter­hin auf Kon­fron­ta­ti­on ste­hen. Tor­ra gilt als se­pa­ra­tis­ti­scher Hard­li­ner und war in sei­ner Ver­gan­gen­heit durch Hass­ti­ra­den ge­gen­über dem spa­ni­en­freund­li­chen Be­völ­ke­rungs­teil in Ka­ta­lo­ni­en auf­ge­fal­len. So hat­te Tor­ra, der sich auch als Schrift­stel­ler und Ver­le­ger be­tä­tigt, die Spa­nisch spre­chen­den Ka­ta­la­nen als „Bes­ti­en in mensch­li­cher Form“be­zeich­net. In der Re­gi­on sind Ka­ta­la­nisch und Spa­nisch gleich­be­rech­tig­te Amts­spra­chen.

Tor­ra, der als Ver­trau­ter des Se­pa­ra­tis­ten­chefs Carles Pu­ig­de­mont gilt, hat­te in den letz­ten Ta­gen an­ge­kün­digt, dass er die kom­pro­miss­lo­se Un­ab­hän­gig­keits­po­li­tik sei­nes Vor­gän­gers Carles Pu­ig­de­mont fort­set­zen wol­le. Pu­ig­de­mont war im Herbst von der spa­ni­schen Staats­re­gie­rung ab­ge­setzt wor­den, nach­dem er ge­gen Spa­ni­ens Ver­fas­sung und mit il­le­ga­len Be­schlüs­sen ver­sucht hat­te, die Un­ab­hän­gig­keit der spa­ni­schen Re­gi­on zu er­zwin­gen.

Seit­dem wird ge­gen Pu­ig­de­mont, der sich der­zeit in Ber­lin auf­hält, we­gen Re­bel­li­on und wei­te­rer mut­maß­li­cher De­lik­te er­mit­telt. Spa­ni­en be­an­trag­te von Deutsch­land die Aus­lie­fe­rung, um dem Se­pa­ra­tis­ten­füh­rer den Pro­zess zu ma­chen.

Mit der Amts­ein­füh­rung Tor­ras en­det zu­gleich die pro­vi­so­ri­sche Ver­wal­tung die­ser spa­ni­schen Kon­flikt­re­gi­on durch die Staats­re­gie­rung. Ma­drid hat­te nach der vom spa­ni­schen Se­nat be­schlos­se­nen Ent­mach­tung Pu­ig­de­monts vor­über­ge­hend die po­li­ti­sche Kon­trol­le in Ka­ta­lo­ni­en über­nom­men. Spa­ni­ens kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung und die Op­po­si­ti­on aus So­zia­lis­ten und Li­be­ra­len warn­ten den neu­en Ka­ta­lo­ni­en-Prä­si­den­ten nun vor ei­nem neu­en Ver­fas­sungs­bruch. Ma­drid, so hieß es ein­stim­mig und un­miss­ver­ständ­lich, wer­de Ge­set­zes­brü­chen der neu­en ka­ta­la­ni­schen Se­pa­ra­tis­ten­re­gie­rung nicht ta­ten­los zu­se­hen.

Ges­tern leg­te der neue ka­ta­la­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Quim Tor­ra sei­nen Amts­eid in Bar­ce­lo­na ab

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