Wo die Mu­sik spielt

SEE­HO­FER UND DER BAMF-SKAN­DAL

Tageblatt (Luxembourg) - - Deutschland - Ha­gen Strauß, Ber­lin

Die Af­fä­re im Bre­mer Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge zeigt auch, wie chao­tisch und plan­los die Be­hör­de in der Flücht­lings­kri­se auf­ge­stellt war. Das ent­schul­digt das Fehl­ver­hal­ten ein­zel­ner Mit­ar­bei­ter selbst­ver­ständ­lich nicht. Man kann wie die FDP jetzt die Ein­set­zung ei­nes Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses des Bun­des­tags for­dern. Aber viel wich­ti­ger ist die in­ner­be­hörd­li­che Au­f­ar­bei­tung des Skan­dals in Bre­men. Dort spielt die Mu­sik. Und dann erst wird die Fra­ge der po­li­ti­schen Ver­ant­wor­tung in­ter­es­sant. Die wie­der­um kann man dem neu­en CSU-In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer nur be­dingt stel­len, da er ge­ra­de mal zwei Mo­na­te im Amt ist und sich die Din­ge da­vor er­eig­net ha­ben. Wann See­ho­fer al­so vom Skan­dal er­fah­ren hat, ist et­was für po­li­ti­sche Büch­sen­span­ner, die dar­aus Ka­pi­tal schla­gen wol­len.

Der Sa­che dient das ver­mut­lich we­ni­ger. Wenn man schon nach Ver­ant­wor­tung fragt, dann müss­ten sich die Bli­cke vor al­lem auf CDUVor­gän­ger Tho­mas de Mai­ziè­re rich­ten. Doch wo­zu soll das gut sein?

Hier geht es jetzt vor­dring­lich um die Kon­se­quen­zen, die beim BAMF ins­ge­samt ge­zo­gen wer­den müs­sen. Die hat See­ho­fer al­ler­dings zu eru­ie­ren und dann um­zu­set­zen. Er be­teu­ert, dies zu tun. Man kann nur hof­fen, dass er tat­säch­lich mit ge­nau­so gro­ßem Elan den Chef­auf­klä­rer gibt wie auf der an­de­ren Sei­te den har­ten Hund in der Zu­wan­de­rungs­po­li­tik. Denn der Rechts­staat kann es nicht hin­neh­men, in der Form von den ei­ge­nen Be­am­ten ad ab­sur­dum ge­führt zu wer­den. Das Bre­mer Amt hat das Ver­trau­en der Bür­ger dar­in er­schüt­tert, dass bei den Asyl-Ent­schei­dun­gen tat­säch­lich al­les nach Recht und Ge­setz zu­geht und nur die Men­schen Schutz be­kom­men, die auch Schutz be­nö­ti­gen. Dar­um geht es. Des­we­gen darf sich ein sol­cher Skan­dal kei­nes­falls wie­der­ho­len.

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg

© PressReader. All rights reserved.