Für Gleich­heit im Netz

INITIA­TI­VE US-Se­nat will Re­geln für Netz­neu­tra­li­tät wie­der ein­füh­ren

Tageblatt (Luxembourg) - - Internet - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten John Dy­er, Bos­ton

Im In­ter­net sol­len die Nut­zer auch wei­ter­hin gleich schnell vor­an­kom­men. Der US-Se­nat will Re­geln für die so­ge­nann­te Netz­neu­tra­li­tät wie­der ein­füh­ren, die von der Auf­sichts­be­hör­de FCC ab­ge­schafft wor­den wa­ren. Doch zu­min­dest kurz­fris­tig wer­den die Se­na­to­ren kei­nen Er­folg ha­ben. De­mo­kra­ti­sche US-Kon­gress­mit­glie­der ha­ben ei­ne über­par­tei­li­che Initia­ti­ve ge­star­tet. Da­mit sol­len die Vor­schrif­ten zu­guns­ten der so­ge­nann­ten Netz­neu­tra­li­tät wie­der­her­ge­stellt wer­den. Am Mitt­woch ver­ab­schie­de­te der Se­nat ei­ne Re­so­lu­ti­on, um die Ent­schei­dung der US Fe­deral Com­mu­ni­ca­ti­ons Com­mis­si­on (FCC) vom De­zem­ber auf­zu­he­ben. Die­se hat­te ih­rer­seits die vom da­ma­li­gen Prä­si­den­ten Ba­rack Oba­ma vor drei Jah­ren er­las­se­nen Vor­schrif­ten auf­ge­ho­ben.

Die Ab­stim­mung en­de­te mit 52 zu 47 Stim­men zu­guns­ten der Netz­neu­tra­li­tät. Al­le De­mo­kra­ten und drei Re­pu­bli­ka­ner sind für die Re­so­lu­ti­on, die kein Ge­setz, son­dern Aus­druck des Wil­lens der Ge­setz­ge­ber ist.

Netz­neu­tra­li­tät nur noch we­ni­ge Wo­chen

„Die Wie­der­her­stel­lung der Netz­neu­tra­li­täts­re­geln bei der FCC wird si­cher­stel­len, dass das In­ter­net of­fen bleibt und wei­ter­hin ei­ne mäch­ti­ge und trans­for­ma­ti­ve Platt­form für In­no­va­ti­on und wirt­schaft­li­che Mög­lich­kei­ten dar­stellt“, sagt Se­na­to­rin Su­san Col­lins, ei­ne Re­pu­bli­ka­ne­rin aus dem Bun­des­staat Mai­ne, in ei­ner Er­klä­rung. Netz­neu­tra­li­tät be­sagt, dass Breit­ban­d­an­bie­ter wie Com­cast, Ve­ri­zon und an­de­re den Kun­den die glei­che In­ter­net­ge­schwin­dig­keit für al­le In­hal­te im Netz ge­wäh­ren. Die Auf­he­bung durch die FCC soll­te ei­gent­lich am 11. Ju­ni in Kraft tre­ten. Dann hät­ten die­se An­bie­ter die Mög­lich­keit, Ver­bin­dun­gen zu be­schleu­ni­gen, zu ver­lang­sa­men oder zu blo­ckie­ren, je nach­dem, ob die In­ter­net­sei­ten­be­sit­zer zu­sätz­li­che Ge­büh­ren be­zah­len.

Kri­ti­ker be­fürch­ten, dass An­bie­ter den In­ter­net­sei­ten ih­rer Un­ter­neh­men den Vor­zug ge­ben wer­den. Ve­ri­zon bei­spiels­wei­se be­sitzt AOL und Yahoo. Geg­ner der Netz­neu­tra­li­tät sa­gen, dass das In­ter­net nach ame­ri­ka­ni­schem Recht nicht als öf­fent­li­ches Gut wie das Te­le­fon­fest­netz ein­ge­stuft wird, das für al­le in glei­cher Wei­se funk­tio­nie­ren muss. Wenn Un­ter­neh­men für ei­nen bes­se­ren Zu­gang Rech­nun­gen stel­len kön­nen, wür­den sie Ein­nah­men ge­ne­rie­ren, wel­che die In­no­va­ti­on vor­an­trei­ben, so ihr Ar­gu­ment. Se­na­tor John Thu­ne, ein Re­pu­bli­ka­ner aus South Da­ko­ta, sagt, dass die meis­ten In­ter­net­nut­zer kei­nen Un­ter­schied beim Her­un­ter­la­den, Strea­m­ing oder all­ge­mein dem Sur­fen im In­ter­net be­mer­ken wür­den.

Kei­ne kurz­fris­ti­gen Än­de­run­gen

Die Tech­no­lo­gie­fir­men sind wei­test­ge­hend an­de­rer Mei­nung. Im Ja­nu­ar schrieb Net­flix in sei­nem Jah­res­be­richt, dass die Auf­he­bung der Netz­neu­tra­li­tät zu „dis­kri­mi­nie­ren­den oder wett­be­werbs­wid­ri­gen Prak­ti­ken füh­ren könn­te, die un­ser Wachs­tum be­hin­dern, uns zu­sätz­li­che Kos­ten ver­ur­sa­chen oder un­ser Ge­schäft an­der­wei­tig ne­ga­tiv be­ein­flus­sen könn­ten“. Die Be­mü­hun­gen der Se­na­to­ren wer­den kurz­fris­tig aber wahr­schein­lich nur we­nig ver­än­dern. Die Re­pu­bli­ka­ner ha­ben die Mehr­heit im Re­prä­sen­tan­ten­haus, in dem die Re­so­lu­ti­on wahr­schein­lich zu­rück­ge­wie­sen wird. Ent­spre­chend fällt auch die Re­ak­ti­on des von Prä­si­dent Do­nald Trump no­mi­nier­ten FCC-Chefs Ajit Pai aus, wel­cher für die Ab­schaf­fung der Netz­neu­tra­li­tät ver­ant­wort­lich ist. „Das In­ter­net war vor 2015 frei und of­fen, bis sich die vor­he­ri­ge FCC dem po­li­ti­schen Druck des Wei­ßen Hau­ses beug­te und dem In­ter­net ei­ne Re­gu­lie­rung nach Art ei­nes Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens auf­er­leg­te“, so Pai in ei­ner Er­klä­rung. „Und es wird wei­ter­hin frei und of­fen sein, so­bald die Wie­der­her­stel­lung der In­ter­net-Frei­heit am 11. Ju­ni in Kraft tritt.“

Trotz­dem war die Ab­stim­mung über die Re­so­lu­ti­on für die De­mo­kra­ten wich­tig. Sie hof­fen, bei den Kon­gress­wah­len im No­vem­ber die Mehr­heit in min­des­tens ei­ner der Kam­mern zu über­neh­men. Netz­neu­tra­li­tät könn­te aus ih­rer Sicht ein Wahl­kampf­the­ma wer­den.

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