Is­ra­el bom­bar­diert Ha­mas-Zie­le

NAH­OST Ara­bi­sche Li­ga be­rät über Re­ak­ti­on auf „is­rae­li­sche Ag­gres­si­on“

Tageblatt (Luxembourg) - - Internet - Adel Za­anoun, Ga­za

Die is­rae­li­sche Luft­waf­fe hat in der Nacht zum gest­ri­gen Don­ners­tag Zie­le der ra­di­kal­is­la­mi­schen Pa­läs­ti­nen­ser­or­ga­ni­sa­ti­on Ha­mas im nörd­li­chen Ga­za­strei­fen bom­bar­diert. Es han­de­le sich um ei­nen Ver­gel­tungs­an­griff für den Be­schuss is­rae­li­scher Sol­da­ten und der Stadt Sde­rot vom Vor­tag, er­klär­te das Mi­li­tär. Beim Son­der­tref­fen der Ara­bi­schen Li­ga in Kai­ro stand ab dem Nach­mit­tag die Ant­wort des Staa­ten­bun­des auf die „il­le­ga­le“Ver­le­gung der US-Bot­schaft nach Je­ru­sa­lem so­wie auf die „is­rae­li­sche Ag­gres­si­on“auf dem Pro­gramm.

Die is­rae­li­sche Ar­mee griff nach ei­ge­nen An­ga­ben sie­ben Zie­le der Ha­mas im Ga­za­strei­fen an, dar­un­ter „ter­ro­ris­ti­sche In­fra­struk­tur und Ein­rich­tun­gen zur Her­stel­lung von Waf­fen“. Aus pa­läs­ti­nen­si­schen Si­cher­heits­krei­sen hieß es, das Ziel sei ein Ha­mas-Stütz­punkt ge­we­sen. Be­rich­te über Ver­letz­te lä­gen nicht vor.

Is­rae­li­sche Sol­da­ten hat­ten am Mon­tag an der Gren­ze zum Ga­za­strei­fen 60 Pa­läs­ti­nen­ser ge­tö­tet, die sich an ge­walt­tä­ti­gen Pro­tes­ten un­ter an­de­rem ge­gen die Er­öff­nung der US-Bot­schaft in Je­ru­sa­lem am sel­ben Tag be­tei­lig­ten. Der Ha­mas-Ver­tre­ter Sa­lah Bar­da­wil sag­te am Mitt­woch im pa­läs­ti­nen­si­schen Fernsehen, 50 der ge­tö­te­ten Pa­läs­ti­nen­ser sei­en Mit­glie­der sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on ge­we­sen. Is­ra­el wer­te­te auch dies als Be­leg da­für, dass die Pro­tes­te ag­gres­siv ge­we­sen sei­en.

Der Ha­mas-Spre­cher Fau­si Bar­hum be­stä­tig­te die An­ga­ben nicht. Er sag­te le­dig­lich, die Ha­mas be­zah­le die Be­gräb­nis­se der 50, un­ab­hän­gig von ih­rer Be­zie­hung zur Ha­mas. Ein wei­te­rer rang­ho­her Ha­mas-Ver­tre­ter, Bas­sem Naim, sag­te, sei­ne Be­we­gung ver­fü­ge über gro­ßen Rück­halt in der Be­völ­ke­rung. Na­tur­ge­mäß näh­men vie­le Ha­mas-An­hän­ger an den Pro­tes­ten teil. Die Ge­tö­te­ten hät­ten „fried­lich“pro­tes­tiert. Die seit mehr als sechs Wo­chen je­weils am Frei­tag statt­fin­den­den Pa­läs­ti­nen­ser­pro­tes­te am Über­gang zu Is­ra­el soll­ten ur­sprüng­lich am Di­ens­tag en­den.

Am 15. Mai ge­dach­ten die Pa­läs­ti­nen­ser des 70. Jah­res­ta­ges der Nak­ba (Ka­ta­stro­phe) – der Ver­trei­bung und Flucht von mehr als 700.000 Lands­leu­ten nach der Staats­grün­dung Is­ra­els. Mitt­ler­wei­le spra­chen sich Ha­mas-Ver­tre­ter für ei­ne Fort­set­zung der Pro­tes­te aus. Die Au­ßen­mi­nis­ter der Ara­bi­schen Li­ga woll­ten in Kai­ro auf An­trag Sau­di-Ara­bi­ens ei­ne Re­ak­ti­on auf die „il­le­ga­le“Ver­le­gung der US-Bot­schaft nach Je­ru­sa­lem und die „is­rae­li­sche Ag­gres­si­on ge­gen das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk“be­schlie­ßen. Be­reits am Di­ens­tag hat­te die Ara­bi­sche Li­ga den In­ter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof (IStGH) auf­ge­for­dert, Er­mitt­lun­gen zu den „Ver­bre­chen der is­rae­li­schen Be­sat­zer“ein­zu­lei­ten.

Un­ab­hän­gi­ge Un­ter­su­chung

Der ägyp­ti­sche Prä­si­dent Ab­del Fat­tah al-Si­si sag­te am Mitt­woch­abend im Staats­fern­se­hen, sein Land sei mit bei­den Sei­ten in Ge­sprä­chen, „da­mit die­ses Blut­ver­gie­ßen auf­hört“. Die Pa­läs­ti­nen­ser soll­ten kei­ne wei­te­ren „Maß­nah­men“er­grei­fen, die zu zu­sätz­li­chen Op­fern füh­ren könn­ten. Is­ra­el for­der­te der Staats­chef auf, „größ­te Vor­sicht“beim Um­gang mit dem Le­ben von Pa­läs­ti­nen­sern wal­ten zu las­sen. Der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin rief in ei­nem Te­le­fo­nat mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan eben­falls zu ei­nem En­de der Ge­walt auf. Er­do­gan be­klag­te spä­ter in An­ka­ra das „Schwei­gen“der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft zur Ge­walt im Ga­za­strei­fen.

Der rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row nann­te es „got­tes­läs­ter­lich“von Is­ra­el, die zu Dut­zen­den bei den Pro­tes­ten ge­tö­te­ten „fried­li­chen De­mons­tran­ten“, dar­un­ter auch Kin­der und Säug­lin­ge, als „Ter­ro­ris­ten“ab­zu­stem­peln.

Der ka­na­di­sche Pre­mier­mi­nis­ter Jus­tin Tru­deau sprach sich da­für aus, die Er­eig­nis­se vom Mon­tag un­ab­hän­gig un­ter­su­chen zu las­sen. Zu­vor hat­ten be­reits EUStaa­ten, dar­un­ter Lu­xem­burg, ei­ne sol­che For­de­rung un­ter­stützt. Die EU-Kom­mis­si­on kün­dig­te ges­tern zu­sätz­li­che hu­ma­ni­tä­re Hil­fe für drin­gend be­dürf­ti­ge Zi­vi­lis­ten im Ga­za­strei­fen in Hö­he von drei Mil­lio­nen Eu­ro an. Es ge­he um Un­ter­stüt­zung bei der Ge­sund­heits-, Was­ser- und Sa­ni­tär­ver­sor­gung, er­klär­te der für hu­ma­ni­tä­re Hil­fe zu­stän­di­ge EUKom­mis­sar, Chris­tos Sty­lia­ni­des.

(AFP)

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