Die Zu­kunft wird grün

90 JAH­RE BÖR­SE Lu­xem­burg ist Markt­füh­rer bei nach­hal­ti­gen An­la­gen

Tageblatt (Luxembourg) - - Finanzplatz - Je­an-Phil­ip­pe Sch­mit

Ges­tern wur­de im Eu­ro­pean Con­ven­ti­on Cen­ter das 90-jäh­ri­ge Ju­bi­lä­um der Lu­xem­bur­ger Bör­se (Lu­xSE) ge­fei­ert. Aus ei­ner klei­nen Bör­se für lo­ka­le Un­ter­neh­men wur­de der Welt­markt­füh­rer für in­ter­na­tio­na­le Kre­di­te. Die Er­folgs­ge­schich­te be­gann mit der Grün­dung der Bör­se im Jahr 1928 und dem ers­ten Han­dels­tag, im dar­auf­fol­gen­den Jahr. Der Durch­bruch ließ je­doch ei­ni­ge Zeit auf sich war­ten. Zu­erst galt es, den Bör­sen­crash des Jah­res 1929 zu über­ste­hen.

Den ers­ten Boom er­leb­te die Lu­xSE erst nach dem Zwei­ten Welt­krieg, zu ei­ner Zeit, als noch nie­mand über Frei­zü­gig­keit für Per­so­nen, Gü­ter und Ka­pi­tal in Eu­ro­pa sprach. In den eu­ro­päi­schen Ban­ken la­gen Dol­lars, die über den Mar­shall-Plan nach Eu­ro­pa flos­sen.

Mar­shall-Plan

In den 1950ern ent­stand die Idee, die­se Dol­lars zu re­cy­celn. Eu­ro­päi­sche Fir­men brauch­ten USDe­vi­sen, um Gü­ter im Aus­land kau­fen zu kön­nen. Der staat­li­che Au­to­bahn­bau­er Ita­li­ens woll­te zu der Zeit ein Dar­le­hen in Dol­lar auf­neh­men. In Lon­don ver­hin­der­ten le­ga­le und steu­er­li­che Hin­der­nis­se die Quo­tie­rung die­ser An­lei­he. Schluss­end­lich wur­de sie in Lu­xem­burg quo­tiert. Hier gab es kei­ne Qu­el­len­steu­er und auch kei­ne „Stamp du­ty“.

Die­se No­tie­rung war der Start­schuss für den Er­folg der klei­nen Lu­xem­bur­ger Bör­se im welt­wei­ten An­lei­he­markt. Im Jahr 1963 wur­de in den USA ei­ne neue Steu­er auf An­lei­hen aus­län­di­scher Kre­dit­neh­mer ein­ge­führt, die ver­hin­dern soll­te, dass zu vie­le Dol­lars ins Aus­land flie­ßen. Das Re­sul­tat war, dass sich das ge­sam­te Kre­dit­ge­schäft ins Aus­land ver­la­ger­te.

In den 1980ern ka­men wei­te­re, kom­ple­xer struk­tu­rier­te Pro­duk­te hin­zu. Im Jahr 2002 war die Lu­xSE die ers­te eu­ro­päi­sche Bör­se, die ei­nen „Su­kuk“(is­la­mi­sche An­lei­he) quo­tier­te, neun Jah­re spä­ter fei­er­te der „Dim Sum Bond“in Lu­xem­burg Eu­ro­pa­pre­mie­re.

Dim Sum und Su­kuk

Ne­ben dem Ge­schäft mit An­lei­hen ent­wi­ckel­te sich schon im Jahr 1962, mit der Schaf­fung der Si­cav, der lu­xem­bur­gi­sche Fonds­platz. Heu­te ist Lu­xem­burg mit ei­nem ver­wal­te­ten Ver­mö­gen von über 4.000 Mil­li­ar­den Eu­ro der zweit­größ­te Fonds­platz der Welt.

Oh­ne das tra­di­tio­nel­le Ge­schäft zu ver­nach­läs­si­gen, setzt die Lu­xSE heu­te den Schwer­punkt auf Nach­hal­tig­keit, grü­ne Fi­nan­zen, Chi­na und FinTechs. Was die Zu­kunft brin­gen wird, zeich­net sich auch schon ab. „Big Da­ta, au­to­no­me Fahr­zeu­ge, der Kli­ma­wan­del, Kryp­towäh­run­gen und Smart Grids wer­den im­mer mehr zum All­tag“, so Frank Wa­ge­ner, der Prä­si­dent des Ver­wal­tungs­ra­tes.

Es sei ein My­thos, dass mit grü­nen Pro­jek­ten kein Geld ver­dient wer­den kann. Der Er­folg gibt der Bör­se recht. Der­zeit sind über die Hälf­te al­ler Gre­en Bonds in Lu­xem­burg no­tiert.

„Mit un­se­rer Pio­nier-Men­ta­li­tät hat­ten wir bis­her enor­me Aus­wir­kun­gen auf die Ka­pi­tal­märk­te“, so Ro­bert Schar­fe, der CEO der Bör­se. „Dies trotz der ge­rin­gen Grö­ße un­se­res lo­ka­len Mark­tes.“Die Lu­xSe sol­le sich nicht auf ih­ren Lor­bee­ren aus­ru­hen, da­mit auch das 100-jäh­ri­ge Ju­bi­lä­um ge­büh­rend ge­fei­ert wer­den kann.

Aus ei­ner klei­nen Bör­se wur­de der Welt­markt­füh­rer für in­ter­na­tio­na­le Kre­di­te

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