Mehr Selbst­kri­tik wa­gen

KOM­MEN­TAR Wie die CSV die Wah­len ge­winnt

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion - Pol Schock pschock@ta­ge­blatt.lu

2013 mar­kiert ei­ne Zä­sur. Weil es das En­de der Ägi­de Junckers war. Weil es der Über­gang in ei­ne po­li­ti­sche Rea­li­tät jen­seits der CSV war. Und weil es den Weg in ei­ne par­la­men­ta­ri­sche Nor­ma­li­tät eb­ne­te.

Die CSV tat sich da­bei lan­ge schwer mit den po­li­ti­schen Er­eig­nis­sen von 2013. Sie woll­te par­tout nicht ak­zep­tie­ren, dass sie sich selbst ins Ab­seits ma­nö­vriert hat­te. Und sie woll­te auch nicht ak­zep­tie­ren, dass sie de fac­to Wahl­ver­lie­rer war.

Sie war zwar stärks­te Par­tei, ei­ne Mehr­heit konn­te sie je­doch nicht auf­wei­sen. Und an­statt zu be­grei­fen, war­um nie­mand mit ihr ar­bei­ten woll­te, er­zähl­te sie die Mär vom Dolch­stoß, vom Va­ter­mord ge­gen Je­an-Clau­de Juncker und der Miss­ach­tung des Wäh­ler­wil­lens. Ei­ne von lan­ger Hand ge­plan­te Ver­schwö­rung, die ein­zig und al­lein ei­nem Zweck die­nen soll­te: der Ent­mach­tung der CSV.

Und so wur­de spä­tes­tens in der Nie­der­la­ge deut­lich, wes­halb nie­mand mehr mit den Christ­li­chSo­zia­len ko­alie­ren woll­te: Ar­ro­ganz und Hy­bris.

Fünf Jah­re spä­ter scheint all dies weit weg. Fast ver­ges­sen wirkt, dass der Rechts­staat ins Wan­ken ge­riet auf­grund ei­ner At­ti­tü­de des in­for­mel­len Lais­ser­fai­re so­wie der Über­macht ei­ner Par­tei, die im Zwei­fel im ei­ge­nen In­ter­es­se han­del­te. Frei nach dem Mot­to: Erst die Par­tei, dann das Land.

Da­bei kann man die stärks­te Par­tei des Lan­des nur da­zu er­mu­ti­gen, sich kri­tisch mit der Ge­schich­te und den ei­ge­nen Feh­lern der Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der­zu­set­zen. Ja, man könn­te so­gar wet­ten: Ei­ne Pri­se Selbst­kri­tik – dann klappt es auch mit An­ru­fen am Wahl­abend. Ver­spro­chen.

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