Ti­red of Ame­ri­ca

KON­ZERT Ka­na­di­scher Sän­ger und Kom­po­nist Ru­fus Wain­w­right im haupt­städ­ti­schen Con­ser­va­toire

Tageblatt (Luxembourg) - - Kultur - Gil Max

„Ich glau­be, dass die gro­ße ame­ri­ka­ni­sche Kunst­form das Song­wri­ting ist. Das ist die klas­si­sche Mu­sik der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Und wir kön­nen uns glück­lich schät­zen, dass es so vie­le Ver­zwei­gun­gen und An­sät­ze gibt, ob man’s an­geht wie Co­le Por­ter oder aber wie Bob Dy­lan.“So äu­ßer­te sich der Sohn des Sin­ger-Song­wri­ters Loudon Wain­w­right III und der Folk­sän­ge­rin Kate McGar­rig­le vor Jah­ren ge­gen­über dem Fach­ma­ga­zin Mu­sik­ex­press.

Als Te­enager, so der teils in den Staa­ten, teils in Mon­tre­al auf­ge­wach­se­ne Mu­si­ker wei­ter, ha­be er erst ein­mal ge­gen die „Folksi­ness“der El­tern re­bel­liert. „Woo­die Gu­thrie, Pe­te See­ger, Ban­jo­mu­sik – man muss­te zu­min­dest hal­ber Far­mer sein, um das mit Ge­nuss zu hö­ren.“Wain­w­right wand­te sich be­reits als Te­enager lie­ber der Opern­mu­sik und den Pop-Kom­po­nis­ten der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts zu. Als 14-Jäh­ri­ger sang er in dem ka­na­di­schen Ju­gend­film „Tom­my Tri­cker and the Stamp Tra­vel­ler“sei­nen ers­ten selbst ge­schrie­be­nen Song „I’m A Run­nin‘“.

Be­reits zu die­sem Zeit­punkt be­kann­te sich Wain­w­right zu sei­ner Ho­mo­se­xua­li­tät, die sich bis heu­te in sei­ner Mu­sik wi­der­spie­gelt. Er in­ter­es­siert sich für schwu­le Kul­tur­tra­di­ti­on in al­len künst­le­ri­schen Be­rei­chen, an die er an­knüp­fen möch­te. Da­bei be­zieht er sich auf Os­car Wil­de, Je­an Coc­teau, Ger­tru­de St­ein und vie­le mehr. Sein gro­ßes, über­ge­ord­ne­tes per­sön­li­ches The­ma könn­te man als das des gla­mou­rös schwu­len Ex-Dro­gen­ab­hän­gi­gen be­zeich­nen, der sei­nem kon­ser­va­ti­ven bäu­er­li­chen Mi­lieu ent­flie­hen möch­te.

Ju­dy! Ju­dy! Ju­dy!

Er­schüt­tert durch die Ter­ror­an­schlä­ge des 11. Sep­tem­ber und zu­neh­mend an­ge­wi­dert von den po­li­ti­schen Zu­stän­den in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, schreibt er sei­nen wohl schöns­ten Song „Go­ing To A Town“mit der mar­kan­ten Text­zei­le „I’m so ti­red of you, Ame­ri­ca“, in dem er an­kün­digt, sei­ner Hei­mat den Rü­cken zu­zu­keh­ren und nach Berlin, „a town that has al­re­a­dy be­en burnt down“, zu zie­hen.

Auch das Kon­zept sei­ner Ju­dyGar­land-Shows fin­det hier sei­nen Ur­sprung. Am 14. und 15. Ju­ni 2006 spielt Wain­w­right Ju­dy Gar­lands le­gen­dä­res Kon­zert vom 23. April 1961 in der New Yor­ker Car­ne­gie Hall 1:1 nach. Mit ei­nem 36-köp­fi­gen Or­ches­ter und zahl­rei­chen Gäs­ten – dar­un­ter sei­ne Mut­ter, die ihn bei „Over the Rain­bow“am Ak­kor­de­on be­glei­tet, sei­ne Schwes­ter Mar­tha Wain­w­right so­wie Ju­dy Gar­lands Toch­ter Lor­na Luft als Gast­sän­ge­rin­nen – setzt der Ka­na­di­er der ame­ri­ka­ni­schen Sän­ge­rin und Iko­ne der Schwu­len­be­we­gung mit der ori­gi­nal­ge­treu­en Re­plik des Events ein ge­lun­ge­nes Denk­mal, des­sen Mit­schnitt ei­ne Gram­my-No­mi­nie­rung er­hält.

All dies un­ter­streicht, wie fa­cet­ten­reich die­ser be­gna­de­te Mu­si­ker ist, der sei­ne Pro­jek­te al­ler­dings auch im­mer mit ei­ner ge­wis­sen Por­ti­on Hu­mor und Selbst­iro­nie an­geht. So spricht er bei­spiels­wei­se als Du­ett­part­ner auf Rob­bie Wil­li­ams’ Al­bum „Swings Both Ways“im Ti­tel­song fol­gen­de Schluss­wor­te: „Face it Rob­bie, you’re a little bit gay.“

Rob­bie ist al­ler­dings heu­te Abend im haupt­städ­ti­schen Con­ser­va­toire nicht da­bei, wenn Ru­fus zum En­ter­tain­ment bit­tet.

(Fo­to: CC BY 3.0 Da­vid Shank­bone)

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg

© PressReader. All rights reserved.