Ei­ne neue Phi­lo­so­phie

WM-FA­ZIT Um­schalt­si­tua­tio­nen wa­ren aus­schlag­ge­bend

Tageblatt (Luxembourg) - - Russia 2018 - Paul Phil­ipp, FLF-Prä­si­dent

Die Zeit des stu­ren Ball­be­sitz­fuß­balls oh­ne Al­ter­na­ti­ven, oh­ne Plan B und die da­für aus­ge­bil­de­ten Spie­ler ist vor­bei. Die Na­tio­nen, die die­sem Trend, die­ser Ent­wick­lung, hin­ter­her­hin­ken (Spa­ni­en, Deutsch­land, Nie­der­lan­de) müs­sen über neue Prio­ri­tä­ten in ih­rer Ju­gend­aus­bil­dung nach­den­ken. Ne­ben den Stan­dard­si­tua­tio­nen wa­ren die of­fen­si­ven wie de­fen­si­ven „Um­schalt­si­tua­tio­nen“aus­schlag­ge­bend für WM-Er­folg oder Miss­er­folg. Im Halb­fi­na­le ge­gen Bel­gi­en hat Frank­reich de­mons­triert, was At­le­ti­co Ma­drid schon über Jah­re mit Er­folg in den ver­schie­de­nen Eu­ro­pa­po­ka­len tut: Wie man ein Spiel kon­trol­liert, in­dem man den Geg­ner be­wusst in Ball­be­sitz lässt. Ein tie­fer, kom­pak­ter Block oh­ne ver­ti­ka­le Pass­mög­lich­kei­ten, um dann bei Bal­ler­or­be­rung im Höchst­tem­po um­zu­schal­ten und von der Vor­wärts­be­we­gung der geg­ne­ri­schen Spie­ler und den da­durch ent­stan­de­nen Räu­men zu pro­fi­tie­ren.

Um die­se Phi­lo­so­phie in der Pra­xis op­ti­mal um­zu­set­zen, braucht man schnel­le Spie­ler, die das tie­fe, raum­ge­win­nen­de Dribb­ling be­herr­schen (wie Mbap­pé, Dem­bé­lé, Griez­mann, De Bruy­ne, Ha­zard, Ster­ling oder Lin­gard). Wich­tig für den ers­ten tie­fen Pass nach Ball­ge­winn, je nach Spiel­si­tua­ti­on, kann auch der „Ziel­spie­ler“(„tar­get man“) sein, der für sei­ne nach­rü­cken­den Mit­spie­ler (Gi­roud, Lu­ka­ku) ab­le­gen kann. Für die de­fen­si­ve Um­schalt­si­tua­ti­on nach Ball­ver­lust wur­de die Po­si­ti­on des Sech­sers, als Wach­pos­ten, neu über­dacht. Hier ge­hen die An­for­de­run­gen weit über den tief agie­ren­den Re­gis­seur à la Pir­lo hin­aus.

Das schnel­le Auf­bau­spiel des Geg­ners zu le­sen, den ers­ten ver­ti­ka­len Pass zu ver­mei­den oder zu ver­zö­gern, um Zeit zu ge­win­nen für den so­for­ti­gen Auf­bau des de­fen­si­ven „Blocks“, müs­sen auch im Re­per­toire des mo­der­nen Sech­sers sein (Kan­té, Cas­emi­ro, Hen­der­son).

Nach der Auf­takt­wo­che konn­te man schon fest­stel­len, dass die Stan­dard­si­tua­tio­nen bei die­ser WM bru­tal spiel­ent­schei­dend sein wür­den. Es ge­nügt nicht, die­se Sta­tis­ti­ken zur Kennt­nis zu neh­men. Die Ver­ant­wort­li­chen müs­sen sich hin­ter­fra­gen, war­um die­se Zah­len so hoch sind, haupt­säch­lich was To­re nach Eck­stö­ßen oder Frei­stö­ßen von den Au­ßen­bah­nen an­be­langt. Ab­de­ckung des ers­ten Pfos­tens bei Eck­ball? Ge­naue Zu­ord­nung oder in­te­gra­le Raum­ab­si­che­rung, oder aber ei­ne Mi­schung von bei­den?

Ein Spie­ler, der im Raum „steht“, und ist er noch so kopf­ball­stark, ist im­mer be­nach­tei­ligt ge­gen ei­nen Ge­gen­spie­ler, der „aus dem Lauf“zum Kopf­ball hoch­geht (Go­din ge­gen Va­ra­ne, Tor bei Uru­gu­ay - Frank­reich, Fel­lai­ni ge­gen Um­ti­ti, Sieg­tor Bel­gi­en Frank­reich).

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