An­der­son erst­mals im End­spiel

WIM­BLE­DON Nach dem zweit­längs­ten Spiel der Ge­schich­te an der „Church Road“

Tageblatt (Luxembourg) - - Sport | Tennis -

Das ers­te Wim­ble­don-Halb­fi­na­le ent­wi­ckelt sich zu ei­nem Ma­ra­thon­match. Kein

Wun­der, schließ­lich ist Re­kord­mann John Is­ner be­tei­ligt. Am En­de setzt sich je­doch Ke­vin An­der­son durch. Der 32-jäh­ri­ge Süd­afri­ka­ner hat Mit­leid mit sei­nem

Geg­ner. Im zweit­längs­ten Spiel der Tur­nier­ge­schich­te hat Fe­derer­Schreck Ke­vin An­der­son zum ers­ten Mal in sei­ner Ten­nis-Kar­rie­re das End­spiel von Wim­ble­don er­reicht. In ei­ner span­nen­den Par­tie über 6:36 St­un­den rang der Süd­afri­ka­ner ges­tern Wim­ble­don-Ma­ra­thon­mann John Is­ner aus den USA in fünf Sät­zen mit 7:6 (8:6), 6:7 (5:7), 6:7 (9:11), 6:4, 26:24 nie­der. „Ich weiß nicht, was ich sa­gen soll“, mein­te der Welt­rang­lis­ten-Ach­te beim Ver­las­sen des Cent­re Courts. „Ei­ner muss ge­win­nen. John ist ein groß­ar­ti­ger Jun­ge, ich ha­be wirk­lich Mit­leid mit ihm.“

Als An­der­son sei­nen ers­ten Match­ball ver­wan­delt hat­te, schlug er die Hän­de über den Kopf zu­sam­men und nahm sei­nen Kon­tra­hen­ten in die Ar­me. Der Welt­rang­lis­ten-Zehn­te Is­ner bleibt ein Spie­ler für be­son­de­re Mo­men­te und ist nun an den bei­den längs­ten Par­ti­en auf der be­rühm­ten Ten­nis-An­la­ge im Süd­wes­ten Lon­dons be­tei­ligt. Un­ver­ges­sen ist das längs­te Match der Ten­nis-Ge­schich­te 2010, in dem Is­ner in der ers­ten Run­de über drei Ta­ge nach 11:05 St­un­den mit 70:68 im fünf­ten Satz ge­gen Ni­co­las Ma­hut ge­wann.

Das bis­her zweit­längs­te Match zwi­schen Ma­rin Ci­lic und Sam Qu­er­rey über­bo­ten die bei­den Kon­tra­hen­ten an ei­nem denk­wür­di­gen Tag um 65 Mi­nu­ten. Der Kroa­te und der US-Ame­ri­ka­ner hat­ten sich 2012 in der drit­ten Run­de 5:31 St­un­den ge­gen­über­ge­stan­den. Den Re­kord für das längs­te Wim­ble­don-Halb­fi­na­le hat­ten die bei­den Kon­tra­hen­ten beim Match­ball längst pul­ve­ri­siert, sie lag bei 4:44 St­un­den.

Im End­spiel am Sonn­tag (15.00 Uhr MESZ) trifft An­der­son auf den Ge­win­ner des zwei­ten Halb­fi­nals zwi­schen dem Spa­nier Ra­fa­el Na­dal und No­vak Djo­ko­vic aus Ser­bi­en. Bei Re­dak­ti­ons­schluss stand es zwi­schen die­sen bei­den 1:1 in den Sät­zen.

„Ich ver­su­che, so frisch wie mög­lich zu sein“, sag­te er und sprach sich für ei­ne Re­ge­län­de­rung aus und da­für auch in Wim­ble­don den fünf­ten Satz mit ei­nem Tie­break zu be­en­den.

Der US-Open-Fi­na­list von 2017 hat­te im Vier­tel­fi­na­le am Mitt­woch trotz ei­nes 0:2-Satz­rück­stands und ei­nes Match­balls ge­gen sich den Schwei­zer Ro­ger Fe­de­rer ge­schockt und den Top­fa­vo­ri­ten und Pu­bli­kums­lieb­ling im fünf­ten Satz mit 13:11 aus dem Tur­nier ge­nom­men.

Zwei Ta­ge spä­ter schenk­ten sich Is­ner und An­der­son nichts. In sei­nen zu­vor fünf dies­jäh­ri­gen Par­ti­en im Süd­wes­ten Lon­dons hat­te der US-Ame­ri­ka­ner, der mit Ab­stand am meis­ten As­se im Tur­nier ser­viert hat, nicht ein­mal sei­nen Auf­schlag ab­ge­ge­ben. Auch An­der­son ge­lang erst nach rund zwei­ein­halb St­un­den ein ers­tes Break, Is­ners im­po­san­te Se­rie en­de­te nach 111 Auf­schlag­spie­len. Is­ner hol­te sich das Break je­doch so­fort zu­rück.

So ging auch der drit­te Satz zwi­schen dem 2,03 Me­ter gro­ßen An­der­son und dem 2,10 Me­ter gro­ßen Is­ner in den Tie­break. Al­lein der fünf­te Satz zog sich dann über 175 Mi­nu­ten. Is­ner leg­te stets vor, mit stoi­scher Ru­he zog An­der­son im­mer wie­der nach. Bei 24:24 ge­lang dem Süd­afri­ka­ner dann ein ku­rio­ser Punkt­ge­winn, als er auf den Ra­sen plumps­te, sich auf­rap­pel­te, den Schlä­ger für ei­nen Schlag in die lin­ke Hand wech­selt und dann von ei­nem Feh­ler sei­nes Ge­gen­übers pro­fi­tier­te. „Das bringt mich zum La­chen. Das war am En­de of­fen­sicht­lich ein wich­ti­ger Punkt für mich“, sag­te An­der­son spä­ter. Kurz dar­auf stand es 0:40 bei Is­ners Auf­schlag, ei­nen Break­ball wehr­te er noch ab, dann lan­de­te ei­ne Rück­hand im Netz. Bei ei­ge­nem Auf­schlag ließ sich An­der­son den Fi­nal­ein­zug nicht mehr neh­men und ist nun ers­ter Süd­afri­ka­ner im End­spiel des be­deu­tends­ten Ten­nis-Tur­niers der Welt seit Bri­an Nor­ton im Jahr 1921. (dpa)

Ei­ner muss ge­win­nen.

John ist ein groß­ar­ti­ger Jun­ge, ich ha­be wirk­lich Mit­leid mit ihm.

Ke­vin An­der­son

Der Süd­afri­ka­ner Ke­vin An­der­son (l.) setz­te sich nach ei­nem gut sechs­ein­halb­stün­di­gen Ner­ven­kri­mi im fünf­ten Satz mit 26:24 ge­gen John Is­ner durch

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