Kampf der Bil­der

PRO­PA­GAN­DA-POST­KAR­TEN Wenn Fe­der und Tin­te zu schar­fen Waf­fen wer­den

Tageblatt (Luxembourg) - - Erster Weltkrieg - François Besch

Ein Greis und ein Klein­kind. Bei­de in deut­scher Uni­form. Dar­un­ter der Schrift­zug „Les der­niers sol­dats du Kai­ser“. Bild­post­kar­ten wie die­se ent­wi­ckel­ten sich im Lauf des Ers­ten Welt­kriegs zu ei­nem wich­ti­gen Pro­pa­gan­da­mit­tel. Ge­druck­te Pres­se, Fern­se­hen, so­zia­le Netz­wer­ke: Die Men­schen von heu­te sind ei­ner na­he­zu gren­zen­lo­sen und über­wäl­ti­gen­den Bil­der­flut aus­ge­setzt. Das war vor 100 Jah­ren noch ganz an­ders. Au­ßer der ge­druck­ten Pres­se gab es noch kei­ne Me­di­en und in Zei­tun­gen wa­ren Bil­der rar. Schon al­lein des­we­gen er­freu­ten sich Bild­post­kar­ten in je­ner Zeit großer Be­liebt­heit. Mit ihr lie­ßen sich Bot­schaf­ten leicht und be­son­ders ef­fekt­voll über­mit­teln. Kein Wun­der al­so, dass auch in den Kriegs­jah­ren auf die­ses In­stru­ment men­ta­ler Durch­schlags­kraft zu­rück­ge­grif­fen wur­de. Sehr ak­tiv wa­ren auf dem Ge­biet der Pro­pa­gan­d­a­post­kar­ten die Fran­zo­sen. Der Fan­ta­sie wa­ren kei­ne Gren­zen ge­setzt, wenn es dar­um ging, die „Bo­ches“und ih­ren Kai­ser in ein schlech­tes Licht zu stel­len und die Leis­tun­gen der ei­ge­nen Sol­da­ten so­wie die der Al­li­ier­ten zu wür­di­gen. Es ent­stand ein re­gel­rech­ter Post­kar­ten-Boom, der Kampf der Bil­der zog sich über die ge­sam­te Dau­er des Krie­ges.

Der Kai­ser im Mit­tel­punkt

Im­mer wie­der­keh­ren­de Mo­ti­ve auf den Kar­ten sind pa­trio­ti­sche, aber auch mi­li­tä­ri­sche Sym­bo­le. Der Feind wird häu­fig als Tier dar­ge­stellt: als Schwein et­wa oder auch als Af­fe. Wäh­rend es auf deut­schen und ös­ter­rei­chi­schen Kar­ten (sie­he auch „Je­der Tritt ein Britt, je­der Klaps ein Japs“) meist die ein­fa­chen Sol­da­ten sind, die auf oft schreck­li­che Wei­se ver­un­glimpft wer­den, zeich­nen sich vie­le fran­zö­si­sche Kar­ten da­durch aus, dass der deut­sche Kai­ser im Ziel des Spot­tes, der Ver­ach­tung, des Has­ses steht. Häu­fig wur­den auch Kin­der in Uni­form auf den Kar­ten ab­ge­bil­det. Was die künst­le­ri­sche Qua­li­tät der Kar­ten an­geht, so ist die­se stark schwan­kend. Es exis­tie­ren hoch­wer­ti­ge Ar­bei­ten, doch oft han­delt es sich da­bei um rasch fer­tig­ge­stell­te Zeich­nun­gen, die sich auf mehr oder we­ni­ger ak­tu­el­le Kriegs­ge­scheh­nis­se be­zo­gen. Mal stell­te man den Feind als lä­cher­lich dar, mal als teuf­lisch und men­schen­ver­ach­tend.

Mil­lio­nen­fach wur­den die Kar­ten wäh­rend der Kriegs­jah­re ver­schickt. Ge­dacht wa­ren sie ei­gent­lich da­zu, den Kampf­geist und das Durch­hal­te­ver­mö­gen des ei­ge­nen Vol­kes zu stär­ken. Der Ne­ben­ef­fekt ei­ner psy­cho­lo­gi­schen Kriegs­füh­rung war ur­sprüng­lich nicht das prio­ri­tä­re Ziel der Her­aus­ge­ber. Doch auch Fe­der und Tin­te kön­nen zu schar­fen Waf­fen wer­den ...

„Fi­nis Ger­ma­nia“, ei­ne Kar­te da­tiert auf den 11. No­vem­ber 1918. Sie re­sü­miert den Nie­der­gang des deut­schen Kai­ser­rei­ches auf äu­ßerst kunst­vol­le Art.

„Die Bar­ba­rei ge­gen die Zi­vi­li­sa­ti­on“: 1914 wur­de die­se Kar­te her­ge­stellt. Rus­sen und Fran­zo­sen wer­den in eleganter Uni­form, der Feind aus dem Kai­ser­reich als Af­fe dar­ge­stellt.

„Je su­is Fou­tu!!!“– Der deut­sche Kai­ser wird hier als Schwein dar­ge­stellt, das, ähn­lich wie ein Stier bei der Cor­ri­da, blu­tend von den Fah­nen der Al­li­ier­ten – wie „Ban­de­ril­las“– durch­bohrt wird. Ei­ne Kar­te aus dem Jahr 1918.

Häu­fig wur­den auch Kin­der in der Kriegs­pro­pa­gan­da ein­ge­setzt: Hier, auf ei­ner Kar­te aus dem Jahr 1915, lacht das Mäd­chen, das die fran­zö­si­sche Sol­da­ten­müt­ze trägt, wäh­rend das­je­ni­ge mit der Pi­ckel­hau­be weint.

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