Reif für die Apo­ka­lyp­se

Tageblatt (Luxembourg) - - Klangwelten - Ste­ve Rom­mes

KRIEGS­MA­SCHI­NE Apo­ca­lyp­ti­cists Vor we­ni­gen Wo­chen er­schien, selbst für Fans et­was über­ra­schend, das neue Al­bum der pol­ni­schen BlackMe­tal­ler Kriegs­ma­schi­ne ... Haaaalt, hier­ge­blie­ben! Es gibt kei­nen Grund, Ihr Abo zu kün­di­gen oder gar die An­ti­fa an­zu­ru­fen, selbst wenn man als Nicht­ein­ge­weih­ter beim Le­sen des Na­mens erst ein­mal so guckt wie Kol­le­ge Jeff Schin­ker aus der Kul­tur­re­dak­ti­on, als ich ihm vor ei­ni­gen Ta­gen die­ses Re­view vor­schlug ...

Trotz des, nun ja, mar­tia­li­schen Na­mens ist die­se 2002 in Kra­kau ge­grün­de­te Trup­pe (hüs­tel) po­li­tisch un­be­denk­lich, ja ih­re Tex­te dre­hen sich noch nicht ein­mal um Krieg, son­dern eher um sa­ta­ni­sche, phi­lo­so­phi­sche The­men ... und zwar oh­ne den üb­li­chen „Heil Sa­tan“- oder „Ich wan­de­re ger­ne durch den Schnee und has­se Men­schen“-Kli­schees zu fol­gen! Mu­si­ka­lisch sind die Her­ren Mi­ko­laj Zen­ta­ra (ali­as M.; Ge­sang, Gi­tar­ren) und Ma­ciej Ko­wal­ski (ali­as Darksi­de; Drums) so­wie­so über je­den Zwei­fel er­ha­ben, ins­be­son­de­re Letz­te­rer ver­edelt oh­ne Aus­nah­me je­den Song mit ei­nem ab­wechs­lungs­rei­chen Spiel, das in der Sze­ne sei­nes­glei­chen sucht! Viel­leicht wür­de er sich an­sons­ten et­was un­ter­for­dert füh­len, denn im Ge­gen­satz zur Haupt­band der bei­den, den mitt­ler­wei­le (in­ner­halb der Gen­re­gren­zen, ver­steht sich) recht po­pu­lä­ren Mg­la, darf er hier nicht aufs Gas­pe­dal drü­cken – al­le Songs be­we­gen sich, wie be­reits auf dem ex­zel­len­ten Vor­gän­ger­werk „Ene­my Of Man“, im Mid­tem­poBe­reich. Dass das groß­ar­tig funk­tio­niert und so­gar ei­nen no­to­ri­schen Ge­schwin­dig­keits-Fe­ti­schis­ten wie mich über­zeugt, da­für sor­gen die aus­ge­klü­gel­ten, pech­schwar­zen und vor al­lem ab­wechs­lungs­rei­chen Riffs, vie­le ver­steck­te Fein­hei­ten, die sich erst nach und nach er­schlie­ßen, das un­glaub­li­che Schlag­zeug­spiel, das mit ähn­lich hoch ver­an­lag­ten Kol­le­gen wie Hell­ham­mer (u.a. May­hem) oder Jörg Hee­mann (u.a. Se­crets Of The Moon) lo­cker mit­hal­ten kann, und die al­les durch­drin­gen­de Schwär­ze und Schwe­re der Songs, die sich mit je­dem Durch­lauf mehr und mehr im Un­ter­be­wusst­sein fest­set­zen ... und nicht mehr los­las­sen.

ANSPIELTIPPS: The Pal­lid Scour­ge, Apo­ca­lyp­ti­cists, The Ot­her De­ath

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