Ge­ord­ne­tes Cha­os

Tageblatt (Luxembourg) - - Klangwelten - Pol Bel­ar­di

GILAD HEKSELMAN Ask For Cha­os Wir le­ben in tur­bu­len­ten Zei­ten, und ein je­der stellt sich zahl­lo­se Fra­gen über Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunft. Als Mu­si­ker hat man das Glück, die­se kopf­zer­bre­chen­den Ge­dan­ken in sei­ner Kunst ver­ar­bei­ten zu kön­nen.

Der neu­es­te Opus „Ask For Cha­os“aus der Fe­der des auf­stre­ben­den Gi­tar­ris­ten Gilad Hekselman drückt ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge das mo­men­ta­ne Cha­os in der po­li­ti­schen Land­schaft so­wie die noch fri­sche Her­aus­for­de­rung des Va­ter­seins aus. Da­bei lie­fert er ein äu­ßerst far­bi­ges Al­bum, des­sen Rück­grat ei­ner­seits sein er­fri­schen­des Gi­tar­ren­spiel dar­stellt, an­de­rer­seits sei­ne sehr trans­pa­ren­te Art des Kom­po­nie­rens. Mit von der Par­tie sind hier gleich zwei sei­ner re­gu­lä­ren Be­set­zun­gen, die sehr in­ter­es­sant kon­tras­tie­ren: auf der ei­nen Sei­te das „gHex Trio“, ei­ne bo­den­stän­di­ge Form des Gi­tar­ren­tri­os mit Rick Ro­sa­to am Kon­tra­bass und Jo­na­than Pin­son am Schlag­zeug, und auf der an­de­ren Sei­te „Zu­peroc­ta­ve“, ein wei­te­res Drei­er­ge­spann oh­ne Bass, mit Aa­ron Parks an den Tas­ten und Kush Aba­dey an den Drums.

Wäh­rend al­so Ers­te­res mit sehr or­ga­ni­schen und me­lo­di­schen Kom­po­si­tio­nen punk­tet, wie ei­ner Hom­mage an Mil­ton Na­sci­men­to oder ei­ner wun­der­ba­ren Lie­bes­er­klä­rung an die Mu­sik, so leuch­tet „Zu­peroc­ta­ve“mo­der­ne­re Klän­ge aus.

Die Bass­rol­le tei­len sich hier Hekselman, in­dem er ei­nen Oc­ta­ver be­nutzt, so­wie Parks am Syn­the­si­zer. Über­haupt fin­det man sehr ge­schmack­voll ein­ge­setz­te Ef­fek­te bei al­len drei Mu­si­kern. Von Ver­zer­rern über Mo­du­la­to­ren bis hin zu Drum-Pads und elek­tro­ni­schen Klän­gen er­wei­tern die­se punk­tu­ell ein­ge­setz­ten Hilfs­mit­tel das Klang­spek­trum auf ei­ne an­ge­neh­me Art.

Hekselman, 2017 vom Down Beat-Ma­ga­zin zum „Ri­sing Star“er­ko­ren, hat sich, seit­dem er 2004 von Is­ra­el nach New York ge­zo­gen ist, zu ei­nem fes­ten Be­stand­teil der Sze­ne ge­mau­sert, dies dank Sound und Vo­ka­bu­lar mit star­kem Wie­der­er­ken­nungs­wert und ei­ner groß­ar­ti­gen Ba­lan­ce zwi­schen Vir­tuo­si­tät und Ge­fühl. Ist es al­so rich­tig zu be­haup­ten, er kön­ne, wenn er wei­ter be­stän­dig krea­tiv ar­bei­tet, ein zwei­ter Kurt Ro­sen­win­kel wer­den? Nein. Viel­mehr ist er jetzt schon ein ers­ter Gilad Hekselman.

ANSPIELTIPPS: VBlues, Mil­ton, DoReMiFaSol

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