Traum in Zar­t­ro­sa und Pink

Die La­gu­ne Fu­en­te de Pie­dra ist das größ­te Feucht­ge­biet An­da­lu­si­ens und zweit­wich­tigs­ter Fla­min­go-Nist­platz Eu­ro­pas

Costa Blanca Nachrichten - - Reportage - Wil­trud Sch­wet­je Fu­en­te de Pie­dra

Ih­re Häl­se sind lang und gra­zil, stak­si­ge ro­sa Bei­ne ra­gen hoch aus dem Was­ser, auch ihr Fe­der­kleid leuch­tet in Weiß-Ro­sa oder auf­fäl­li­gem Pink. Fla­min­gos sind ex­tra­va­gan­te Vö­gel mit ech­ten Mo­delQua­li­tä­ten. Ger­ne le­ben sie in Feucht­ge­bie­ten, Salz­se­en, La­gu­nen und an Fluss­mün­dun­gen, ih­re be­lieb­tes­ten Brut­plät­ze in Eu­ro­pa be­fin­den sich in Süd­frank­reich und Süd­spa­ni­en. Ei­ner der von ih­nen be­son­ders ge­schätz­ten Or­te für die Auf­zucht ih­rer Kü­ken ist die La­gu­ne Fu­en­te de Pie­dra in der Pro­vinz Mála­ga. Nur in der süd­fran­zö­si­schen Ca­mar­gue füh­len sie sich noch woh­ler.

Fla­min­gos gel­ten als wah­re Über­le­bens­künst­ler. Aber ob­wohl sie in sehr ex­tre­men Um­welt­re­gio­nen über­le­ben kön­nen – sie fin­den sich auch an Vul­kan­se­en in bis zu 5.000 Me­tern Hö­he, wo sie nachts Luft­tem­pe­ra­tu­ren von bis zu Mi­nus 30 Grad er­tra­gen –, mö­gen sie es doch am liebs­ten et­was wär­mer. Und um in die­se kli­ma­tisch an­ge­neh­me­ren Ge­fil­de zu kom­men, flie­gen sie nicht sel­ten hun­der­te Ki­lo­me­ter am Tag. Wer in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ei­nen Be- such in der La­gu­ne Fu­en­te de Pie­dra mach­te, um sich am An­blick schö­ner Fla­min­gos zu er­freu­en, wur­de des­halb ent­täuscht. Die nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren und der kal­te Wind hat­ten die Fla­min­gos in an­de­re Ge­gen­den ver­trie­ben, wie bei­spiels­wei­se nach Ma­rok­ko, an die an­da­lu­si­sche Küs­te oder in die Na­tu­ren­kla­ve Do­ña­na in der Pro­vinz Hu­el­va.

„Nor­ma­ler­wei­se hal­ten sich Tau­sen­de Fla­min­gos in der La­gu­ne auf, mo­men­tan sind es nur et­wa Fla­min­gos ma­chen vie­le lus­ti­ge Be­we­gun­gen und ste­hen auf ei­nem Bein 800“, er­klär­te der Ver­ant­wort­li­che des Na­tur­re­ser­vats, Ma­nu­el Ren­dón, bei ei­nem Be­such im In­for­ma­ti­ons­zen­trum Jo­sé An­to­nio Val­ver­de im Fe­bru­ar. Die gu­te Nach­richt für al­le Vo­gel- und Na­tur­lieb­ha­ber: Recht­zei­tig zum Früh­lings­an­fang und zu Os­tern sind zahl­rei­che Fla­min­gos in die La­gu­ne Fu­en­te de Pie­dra zu­rück­ge­kehrt.

Nach An­ga­ben der an­da­lu­si­schen Lan­des­re­gie­rung hat­ten sich An­fang April schon et­wa 11.000 Fla­min­gos in den Brut­ge­bie­ten ein­ge­fun­den. Bis zu 30.000 Ex­em­pla­re könn­ten es wer­den.

Im schön ge­le­ge­nen In­for­ma­ti­ons­zen­trum er­fah­ren die Be­su­cher Wis­sens­wer­tes über die ge­fie­der­ten Be­woh­ner die­ses Na­tur­ge­biets, es gibt Sou­ve­nirs und Schnick­schnack, und durch groß­zü­gi­ge Pan­ora­ma­fens­ter schweift der Blick un­ge­hin­dert über das größ­te Feucht­ge­biet An­da­lu­si­ens. 1983 wur­de es in der Ram­sar-Kon­ven­ti­on ge­lis­tet, ein völ­ker­recht­li­cher Ver­trag, der von der Unesco an­ge­regt und 1991 in der ira­ni­schen Stadt Ram­sar un­ter­zeich­net wur­de. Die­ser soll dem Schutz in­ter­na­tio­na­ler Feucht­ge­bie­te und Vo­gel­wel­ten die­nen. Seit Ja­nu­ar 1984 trägt die La­gu­ne zu­dem den Ti­tel Na­tur­re­ser­vat, 1988 wur­de sie zur „Zo­na de Espe­cial Pro­tección pa­ra las Aves“(Ze­pa) er­klärt und ge­nießt des­halb eu­ro­päi­schen Schutz.

Fla­min­gos zu be­ob­ach­ten ist un­ter­halt­sam. We­gen ih­rer lus­ti­gen Be­we­gun­gen zau­bern sie Men­schen schnell ein Lä­cheln aufs Ge­sicht. Ih­re amü­san­ten Ver­ren­kun­gen be­leg­te der ame­ri­ka­ni­sche Zoo­lo­ge Phi­lip Kahl so­gar mit of­fi­zi­el­len Be­zeich­nun­gen, die von der Kopf-Flag­ge über den Flü­gelG­ruß bis hin zum Putz-Twist und Mar­schie­ren rei­chen. Wer zum ers­ten Mal ei­nen Fla­min­go in frei­er Wild­bahn sieht, der wird sich zwangs­läu­fig Fra­gen stel­len: War­um bei­spiels­wei­se sind Fla­min­gos ein Traum in Ro­sa? Die Ant­wort ist schnell ge­fun­den: Das tol­le und far­ben­fro­he Fe­der­kleid ver­dan­ken sie ih­rem Fut­ter, denn ei­ni­ge ih­rer Lieb­lings­spei­sen wie Al­gen oder Krebs­tie­re ent­hal­ten be­stimm­te Farb­pig­men­te, die Fe­dern und Bei­ne ro­sa fär­ben. Weit­aus rät­sel­haf­ter ist hin­ge­gen, war­um Fla­min­gos so oft auf ei­nem Bein ste­hen und schla­fen, be­quem kann das ja nicht wirk­lich sein. Vie­le Theo­ri­en ran­ken sich um die­ses Phä­no­men, aber Ex­per­ten ge­hen mitt­ler­wei­le da­von aus, dass Fla­min­gos ei­nes ih­rer Bei­ne an­zie­hen, um we­ni­ger Kör­per­wär­me zu ver­lie­ren und Ener­gie zu spa­ren. Denn so­bald das Bein­chen un­ter dem Fe­der­kleid steckt und nicht mehr im kal­ten Was­ser steht, muss das Herz nicht so viel Blut durch die Adern pum­pen. Fla­min­gos sind ge­sel­li­ge Vö­gel Auch ist bei Ver­hal­tens­for­schern längst be­kannt, dass Fla­min­gos sehr ge­sel­li­ge Ver­tre­ter sind, manch­mal le­ben sie in Grup­pen von über 10.000 Vö­geln zu­sam­men. Am Na­tron­see im ost­afri­ka­ni­schen Tan­sa­nia wur­den gar Grup­pen mit über zwei Mil­lio­nen Ex­em­pla­ren be­ob­ach­tet. Zu­dem ge­hen die au­ßer­ge­wöhn­li­chen Tie­re in der Re­gel ei­ne wah­re Vo­gelEhe ein, ha­ben sie ih­ren Part­ner ein­mal ge­fun­den, blei­ben sie zu­sam­men, bis der Tod sie schei­det. Und das kann ganz schön lan­ge sein, denn Fla­min­gos kön­nen bis zu 50 Jah­re alt wer­den.

In der La­gu­ne Fu­en­te de Pie­dra küm­mern sich die Fla­min­gos üb­ri­gens zwi­schen März und Ju­ni um ih­re Fort­pflan­zung. In der Kin­der­stu­be herrscht Eman­zi­pa­ti­on, bei­de El­tern­tei­le ver­sor­gen die hung­ri­gen Jung­vö­gel mit Fut­ter, und in der ers­ten Zeit bleibt im­mer ei­ner am Nest und be­schützt das hilf­lo­se Kü­ken, wäh­rend der an­de­re in der nä­he­ren oder auch wei­te­ren Um­ge­bung auf Nah­rungs­su­che geht. Ein ech­tes Fa­mi­li­en-Dream-Team.

Al­ler­dings wird das Brut­ver­hal­ten der Fla­min­go-Paa­re, wie die an­da­lu­si­sche Lan­des­re­gie­rung in­for­mier­te, von den Re­gen­fäl­len in die­sem April und Mai ab­hän­gen. Denn auch im ver­gan­ge­nen hy­dro­lo­gi­schen Zy­klus, der von Sep­tem­ber 2016 bis März 2017 reich­te, la­gen die Nie­der­schlä­ge mit et­wa 240 Li­tern pro Qua­drat­me­ter un­ter dem of­fi­zi­el­len Mit­tel­wert von 357,7 Li­tern. Der­zeit ha­be die La­gu­ne ei­nen Was­ser­stand von 28 Zen­ti­me­tern, dies sei aus­rei­chend, um die Fla­min­gos zur Fort­pflan­zung an­zu­re­gen, so die Lan­des­re­gie­rung. Bleibt zu hof­fen, dass der Wet­ter­gott mit­spielt, denn im ver- gan­ge­nen Som­mer kehr­ten fast al­le Fla­min­gos der La­gu­ne auf­grund der Tro­cken­heit dann doch den Rü­cken – und such­ten sich an­ders­wo ei­nen Brut­platz mit bes­se­ren Nah­rungs­quel­len. Frü­her Vo­gel fängt den Wurm Ne­ben ei­nem Pick­nick­korb soll­ten Be­su­cher am bes­ten noch ein Fern­glas oder ei­ne Ka­me­ra mit Te­le­ob­jek­tiv ein­pa­cken, da die meis­ten die­ser zau­ber­haf­ten Vö­gel sich nicht im­mer in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der Aus­sichts­punk­te auf­hal­ten. Ein Aus­flug, der sich wun­der­bar für die gan­ze Fa­mi­lie eig­net und bei dem gilt: Der frü­he Vo­gel fängt den Wurm. Vor al­lem in den Mor­gen­stun­den ist die Vo­gel­welt in der La­gu­ne Fu­en­te de Pie­dra be­son­ders ak­tiv.

Fo­tos: Wil­trud Sch­wet­je

Fla­min­gos sind ge­sel­li­ge Vö­gel, sie bil­den Grup­pen von über 10.000 Ex­em­pla­ren.

Seit Ja­nu­ar 1984 trägt die La­gu­ne den Ti­tel Na­tur­re­ser­vat.

Vor al­lem in den frü­hen Mor­gen­stun­den kann man die Fla­min­gos gut be­ob­ach­ten.

Im Be­su­cher­zen­trum Jo­sé An­to­nio Val­ver­de ler­nen Be­su­cher viel über die Vo­gel­welt.

Gra­zi­le Vö­gel mit lan­gem Hals und noch län­ge­ren Bei­nen.

Fla­min­gos er­näh­ren sich von Al­gen und Krebs­tie­ren.

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