Tief im Sumpf

Nach wie vor tun sich al­le po­li­ti­schen Par­tei­en schwer im Um­gang mit Kor­rup­ti­on – Ei­ne ein­heit­li­che Li­nie gibt es nicht

Costa Blanca Nachrichten - - Erste Seite - Tho­mas Lie­belt Ma­drid

Ket­te der Kor­rup­ti­ons­skan­da­le reißt nicht ab – Po­li­tik bie­tet kei­ne Lö­sung Mit den Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei den öf­fent­li­chen Was­ser­wer­ken Ca­nal de Isa­bel II in Ma­drid hat Spa­ni­en ei­nen neu­en spek­ta­ku­lä­ren Kor­rup­ti­ons­skan­dal. Wie­der zeigt die Öf­fent­lich­keit auf die Volks­par­tei. Wie so oft in der Ver­gan- gen­heit. Da­bei ste­cken al­le po­li­ti­schen Par­tei­en tief im Sumpf. Auch wenn es über­trie­ben wä­re, Spa­ni­en als kor­rup­tes Land zu be­zeich­nen, zeigt ein Blick in die Sta­tis­tik, dass Kor­rup­ti­on ein gro­ßes Pro­blem dar­stellt: Al­lein 2016 wur­de 659 An­ge­klag­ten aus Po­li­tik und öf­fent­li­cher Ver­wal­tung der Pro­zess ge­macht. Im Schnitt al­so fast je­den Tag zwei­en. Doch die Po­li­tik tut sich noch im­mer schwer im Um­gang mit Kor­rup­ti­on. Es fehlt am Wil­len.

Cris­ti­na Ci­fu­en­tes ist seit 2015 Mi­nis­ter­prä­si­den­tin der Re­gi­on Ma­drid. Im ver­gan­ge­nen Jahr be­kam sie Wind von Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei den öf­fent­li­chen Was­ser­wer­ken Ca­nal Isa­bel II, in die ihr Vor­gän­ger Ig­na­cio Gon­zá­lez ver­wi­ckelt zu sein schien. Ci­fu­en­tes tat et­was Un­er­hör­tes für ei­ne PP-Po­li­ti­ke­rin: An­statt den Man­tel des Schwei­gens über die An­ge­le­gen­heit zu brei­ten, schal­te­te sie die Staats­an­walt­schaft ein. Seit En­de ver­gan­ge­ner Wo­che sitzt ihr Vor­gän­ger in U-Haft – und Ci­fu­en­tes gilt vie­len in der Par­tei als Nest­be­schmut­ze­rin.

Und wie­der hat Spa­ni­en ei­nen spek­ta­ku­lä­ren Kor­rup­ti­ons­skan­dal, und wie­der zeigt die Öf­fent­lich­keit auf die Volks­par­tei. Wie so oft in der Ver­gan­gen­heit. Die Re­ak­ti­on der so­ge­nann­ten Par­tei­freun­de ge­gen­über ih­rer Lan­des­vor­sit­zen­den in­des zeigt: Kor­rup­ti­on wird viel- fach gar nicht als „de­struk­ti­ver Akt der Ver­let­zung des all­ge­mei­nen In­ter­es­ses“– so die De­fi­ni­ti­on des Po­li­tik­wis­sen­schaft­lers Ha­rold Lass­well – wahr­ge­nom­men. Noch im­mer gilt Kor­rup­ti­on eher als Ka­va­liers­de­likt.

Dass Spa­ni­en ein Pro­blem mit Kor­rup­ti­on hat, ist nicht von der Hand zu wei­sen. Ein Blick in die Sta­tis­tik ge­nügt: Al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr wur­de 659 An­ge­klag­ten aus Po­li­tik und öf­fent­li­cher Ver­wal­tung der Pro­zess ge­macht. Im Schnitt al­so fast je­den Tag zwei. 266 An­ge­klag­te wur­den schul­dig ge­spro­chen und ver­ur­teilt.

Die Sum­me der An­ge­klag­ten ver­teil­te sich 2016 auf 112 grö­ße­re und klei­ne­re Ver­fah­ren, die quer durch die In­stan­zen vor Ge­rich­ten – vom Amts­ge­richt bis hin zum Obers­ten Ge­richts­hof – ver­han­delt wur­den. Die­se Sta­tis­tik stammt üb­ri­gens vom Obers­ten Jus­tiz­rat und ist die ers­te über­haupt, die in Sa- chen Kor­rup­ti­on er­stellt wur­de. Im­mer­hin: Die Jus­tiz nimmt das Pro­blem sehr ernst.

Zu­neh­mend be­un­ru­higt über die nicht en­den wol­len­de Ab­fol­ge von Kor­rup­ti­ons­fäl­len scheint auch wie­der die Be­völ­ke­rung. In der An­fang April ver­öf­fent­li­chen Mo­nats­um­fra­ge des So­zi­al­for­schungs­in­sti­tuts (CIS) war für 44,8 Pro­zent der Be­frag­ten Kor­rup­ti­on das größ­te Pro­blem in Spa­ni­en. Das wa­ren sie­ben Pro­zent­punk­te mehr als im März. Nur Ar­beits­lo­sig­keit be­rei­tet noch mehr Sor­gen.

Auch wenn der­zeit in Sa­chen Kor­rup­ti­on Ma­drid al­le Bli­cke auf sich zieht. Kei­ne der 17 au­to­no­men Re­gio­nen ist sau­ber, wie dem „Wör­ter­buch der Kor­rup­ti­on“(Dic­cio­na­rio de la cor­rup­ción) zu ent­neh­men ist, das die Jour­na­lis­ten Eva Díaz und Jo­aquín Vi­dal so­wie der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­te Fran­cis­co J. Cas­tañón An­fang 2016 her­aus­ge­ge­ben ha­ben.

Dem­nach hat es in Spa­ni­en seit 1978 ins­ge­samt 175 be­deu­ten­de Fäl­le von po­li­ti­scher Kor­rup­ti­on ge­ge­ben. Be­trof­fen wa­ren Rat­häu­ser, Pro­vinz­ver­wal­tun­gen, Lan­des­re­gie­run­gen und auch die Zen­tral­re­gie­rung. An­da­lu­si­en führt die Rangliste an mit 38 Kor­rup­ti­ons­fäl­len. Es fol­gen die Ba­lea­ren – al­lein Ex-Lan­des­re­gie­rungs­chef Jau­me Ma­tas (PP) hät­te ei­ne ei­ge­ne Ru­brik ver­dient – mit 24 Fäl­len. Die Re­gi­on Ma­drid kommt auf 22 Fäl­le. Es fol­gen Ka­ta­lo­ni­en 20 und die Co­mu­ni­dad Va­len­cia­na laut „Wör­ter­buch der Kor­rup­ti­on“mit 13 Fäl­len.

Un­ter den Par­tei­en des Lan­des ist in der Tat die Volks­par­tei (PP) das schwär­zes­te Schaf. Die Kon­ser­va­ti­ven sind seit Be­ginn der De­mo­kra­tie in 68 Kor­rup­ti­ons­fäl­le ver­wi­ckelt. Aber auch die an­de­ren Par­tei­en ha­ben schmut­zi­ge Wes­ten. So wa­ren PSOE-Po­li­ti­ker in 58 Fäl­le ver­strickt. Num­mer drei ist die ka­ta­la­ni­sche Con­ver­gèn­cia i Unió mit neun Fäl­len. Die in­zwi­schen auf­ge­lös­te Unión Mal­lor­qui­na kommt auf sie­ben, die Ve­rei-

Fo­to: EFE

Ein Bus der Link­s­par­tei Po­de­mos mit dem Kon­ter­fei kor­rup­ti­ons­ver­däch­ti­ger Pro­mis vor dem Schau­platz des jüngs­ten Skan­dals in Ma­drid.

Fo­to: Emi­lio Na­ran­jo, EFE

Po­de­mos schickt ei­nen Bus durch Ma­drid, auf dem die Kon­ter­feis Kor­rup­ti­ons­ver­däch­ti­ger zu se­hen sind. Hier vor dem Was­ser­werk Ca­nal Isa­bel II.

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