Der sieb­te Sinn

Klei­ner Reit­ver­ein mit gro­ßer Mis­si­on: The­ra­pi­en hel­fen Kin­dern mit Ent­wick­lungs­stö­run­gen

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The­ra­pie mit Pfer­den: Reit­ver­ein in Al­tea hilft er­folg­reich Kin­dern mit Ent­wick­lungs­stö­run­gen

Al­tea – fin. War­um er den Reit­sport ei­gent­lich so sehr liebt, kann Al­ber­to Llo­rens gar nicht ge­nau sa­gen. „Der Um­gang mit Pfer­den macht dich zu ei­nem bes­se­ren Men­schen“, ist der Spa­nier über­zeugt. Llo­rens be­treibt den Reit­ver­ein Club Hípi­co Al­tea, der mit­ten im Grü­nen zwi­schen L’Al­fàs del Pi, La Nucía und Al­tea liegt. Zwölf Pfer­de ste­hen hier in hüb­schen Holz­bo­xen, zwei da­von neh­men an Spring­tur­nie­ren teil, die an­de­ren kom­men beim Reit­un­ter­richt zum Ein­satz.

Das klei­ne Reit­zen­trum ist für Llo­rens ein Hobby, le­ben kann er da­von nicht. „An­ge­fan­gen ha­ben wir vor knapp 20 Jah­ren mit vier Pfer­den. Im Lau­fe der Zeit ist der Club im­mer wei­ter ge­wach­sen und ich bin dank­bar, dass er sich heu­te selbst trägt“, sagt Llo­rens. 40 Reit­schü­lern gibt er Un­ter­richt, be­son­ders die The­ra­pie­stun­den mit Kin­dern lie­gen dem Spa­nier am Her­zen. „Die Kin­der ma­chen nach ein paar Wo­chen deut­li­che Fort­schrit­te“, sagt Llo­rens und er­zählt von ei­nem Kind mit ei­ner Ent­wick­lungs­stö­rung, das nie je­man­dem ein Küss­chen ge­ge­ben hat: „Ei­nes Ta­ges kam es auf mich zu und drück­te mir ei­nen Schmat­zer auf die Wan­ge – den ers­ten sei­nes Le­bens. Das war sehr be­we­gend.“

Wär­me wirkt sich po­si­tiv aus

In dem Club betreut Llo­rens Kin­der mit Au­tis­mus, Down-Syn­drom oder an­de­ren Ent­wick­lungs­stö­run­gen, die die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit be­ein­träch­ti­gen. Im Schritt und oh­ne Sat­tel führt er sei­ne klei­nen Pa­ti­en­ten auf dem Pferd über den Reit­platz. „Die Kör­per­tem­pe­ra­tur ei­nes Pfer­des be­trägt 40 Grad, al­lein die­se Wär­me wirkt sich schon po­si­tiv aus“, ist Llo­rens über­zeugt. Da­zu kom­men die gleich­mä­ßi­gen Schau­kel­be­we­gun­gen beim Rei­ten, die Puls­schlä­ge des Pfer­des, der Gleich­ge­wichts­sinn, den das Kind trai­niert. „Schluss­end­lich heißt es nicht um­sonst, dass Pfer­de ei­nen sieb­ten Sinn ha­ben. Sie mer­ken ein­fach, ob es ih­rem Rei­ter gut geht oder nicht“, meint Llo­rens.

Auch bei Er­wach­se­nen be­ob­ach­tet der Spa­nier im­mer wie­der klei­ne und gro­ße Wun­der, die sei­ne Pfer­de voll­brin­gen. „Ei­ne un­se­rer Schü­le­rin­nen ist seit ei­nem Un­fall ge­lähmt. Der Reit­un­ter­richt hilft ihr beim Mus­kel­auf­bau“, meint Llo­rens. Und dann ist da noch sein gro­ßes Sor­gen­kind, die Ju­gend von heu­te, die lieber vor Ta­blets und Smart­pho­nes hockt als raus in die Na­tur zu ge­hen. Ein­mal im Jahr or­ga­ni­siert Llo­rens ei­ne Über­nach­tung auf dem Reit­hof, Nacht­wan­de­rung in­klu­si­ve. Aus­rit­te in die grü­ne Um­ge­bung des Reit­stalls tun ihr Üb­ri­ges eben­so wie Vö­gel, die den Club zum Nis­ten aus­wäh­len. „Es ist wich­tig,

„Pfer­de ha­ben ei­nen sieb­ten Sinn. Sie mer­ken, ob es dem Rei­ter gut geht oder nicht“

dass Kin­der und Ju­gend­li­che im Kon­takt mit der Na­tur sind, da­mit sie lernen, ih­re Um­welt zu re­spek­tie­ren“, sagt Llo­rens.

Ne­ben den Reit­stun­den hilft der Spa­nier dem Tier­schutz­ver­ein So­mos Gos, wann im­mer ein Esel, Pferd oder Maul­tier zu ret­ten ist. „Lei­der schaf­fen sich im­mer wie­der Leu­te ein Huf­tier an und mer­ken dann, dass sie sich den Un­ter- halt nicht leis­ten kön­nen“, sagt Llo­rens kopf­schüt­telnd. Al­lein 180 Eu­ro an Fut­ter ver­tilgt ein Pferd pro Mo­nat – ganz zu schwei­gen vom Tier­arzt oder Huf­schmied.

In sei­nem Ver­ein pflegt Llo­rens das Prin­zip „ei­ne Hand wäscht die an­de­re“. So hat ein Va­ter vor kur­zem die Per­go­la re­pa­riert, die ein Sturm weg­ge­fegt hat­te. Sei­ne Toch­ter be­kam da­für ein paar Reit­stun­den gra­tis. Llo­rens ver­sucht mit sei­nem Ver­ein eben, ge­wis­se Wer­te zu ver­mit­teln – und geht da­bei mit bes­tem Bei­spiel vor­an, um zu be­wei­sen, dass der Um­gang mit Pfer­den tat­säch­lich gu­te Men­schen her­vor­bringt.

Fo­to: J. Fins­ter­busch

Al­ber­to Llo­rens war schon im­mer in Pfer­de ver­narrt und steckt an­de­re da­mit an.

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