Spa­ni­en

Re­gie­rung Sán­chez geht auf Ka­ta­la­nen zu und schlägt Ver­fas­sungs­re­form vor – Si­gna­le an Brüs­sel

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Der Ton macht die Mu­sik: Ge­ra­de mal ei­ne Wo­che ist die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung Sán­chez im Amt und schon be­stimmt ein neu­er Ton die po­li­ti­sche Agen­da in Spa­ni­en

Ma­drid – tl/dpa. Ge­ra­de mal ei­ne Wo­che ist die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung Sán­chez im Amt, und schon be­stimmt ein neu­er Ton die po­li­ti­sche Agen­da in Spa­ni­en. Als ei­ne der ers­ten Amts­hand­lun­gen hob Mi­nis­ter­prä­si­dent Pe­dro Sán­chez die Kon­trol­le der Zen­tral­re­gie­rung über die Fi­nan­zen Ka­ta­lo­ni­ens auf. „Ei­ne Ges­te der po­li­ti­schen Nor­ma­li­sie­rung“, wie Re­gie­rungs­spre­che­rin Isa­bel Ce­laá nach der ers­ten Ka­bi­netts­sit­zung sag­te. Hier bahnt sich zu­min­dest Ent­span­nung an.

Sán­chez und Ka­ta­lo­ni­ens Re­gie­rungs­chef Quim Tor­ra wol­len sich denn auch bald tref­fen. Ein Ter­min steht al­ler­dings noch nicht fest. Me­di­en ge­hen da­von aus, dass Sán­chez dem Ka­ta­la­nen das un­ter Za­pa­te­ro aus­ge­han­del­te Au­to­no­mie­sta­tut an­bie­ten wird. Die neue Re­gio­nal­ver­fas­sung war da­mals von der op­po­si­tio­nel­len Volks­par­tei un­ter Ma­ria­no Ra­joy vor dem Ver­fas­sungs­ge­richt an­ge­foch­ten und 2010 dann in wich­ti­gen Tei­len au­ßer Kraft ge­setzt wor­den. Die­ser Vor­gang gilt all­ge­mein als der Aus­lö­ser für das Er­star­ken des Se­pa­ra­tis­mus in Ka­ta­lo­ni­en.

Die neue Mi­nis­te­rin für Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik, Me­rit­xell Ba­tet, will zu­dem die De­bat­te über ei­ne Ver­fas­sungs­re­form mit dem Ziel ei­ner stär­ker fö­de­ra­len Staats­form in die We­ge lei­ten, die den Re­gio­nen mehr Au­to­no­mie ein­räumt. „Ei­ne sol­che Re­form ist drin­gend nö­tig, rea­li­sier­bar und wün­schens­wert“, sag­te Ba­tet am ver­gan­ge­nen Sams­tag bei ei­ner Ver­an­stal­tung in Bar­ce­lo­na. Ka­ta­lo­ni­ens Re­gie­rungs­chef be­grüß­te die Aus­sa­gen: „Al­le Vor­schlä­ge sind will­kom­men.“

Im wei­te­ren Um­gang mit den in U-Haft sit­zen­den ka­ta­la­ni­schen Se­pa­ra­tis­ten­po­li­ti­kern zeich­net sich mög­li­cher­wei­se eben­falls ei­ne Än­de­rung ab. So soll die Lei­ten­de Staats­an­wäl­tin in Se­vil­la, Ma­ría Jo­sé Se­gar­ra, Nach­fol­ge­rin von Hard­li­ner Ju­lián Sán­chez Mel­gar wer­den und die Ge­ne­ral­staats­an- walt­schaft über­neh­men. Die 54Jäh­ri­ge zählt zum La­ger der pro­gres­sis­ti­schen Staats­an­wäl­te. Ihr wird zu­dem ein gu­tes Ver­hält­nis zur neu­en Jus­tiz­mi­nis­te­rin Do­lo­res Del­ga­do nach­ge­sagt.

Auch in Be­lan­gen von eu­ro­päi­scher Trag­wei­te mischt sich die neue Re­gie­rung wie­der mit kla­ren Bot­schaf­ten ein. Mit der Be­reit­schaft zur Auf­nah­me des von Ita­li­en und Mal­ta ab­ge­wie­se­nen Ret­tungs­schiffs „Aqua­ri­us“setzt die Re­gie­rung ein Si­gnal an Eu­ro­pa. Die Auf­nah­me der 629 Flücht­lin­ge sei ei­ne „recht­li­che Pflicht, die Spa­ni­en nicht um­ge­hen kann und nicht um­ge­hen will“, sag­te Vi­ze-Re­gie­rungs­che­fin Car­men Cal­vo am Diens­tag. „Es han­delt sich ja nicht um Ein­wan­de­rung, son­dern um ei­ne Aus­nah­me­si­tua­ti­on.“Spa­ni­en ma­che ge­nau das, „was ein Land tun muss.“

Au­ßen­mi­nis­ter Jo­sep Bor­rell nann­te die Auf­nah­me-Ent­schei­dung ei­ne „ef­fek­ti­ve, aber auch sym­bo­li­sche Ges­te“mit Blick auf den EU-Gip­fel En­de Ju­ni, bei dem auch über die eu­ro­päi­sche Asyl­po­li­tik be­ra­ten wer­den soll. Man kön­ne „nicht ein­fach wei­ter die Au­gen vor dem Flücht­lings­pro­blem ver­schlie­ßen“. Ma­drid wol­le er­rei­chen, dass die Eu­ro­pä­er „das Mi­gra­ti­ons­pro­blem, das uns al­le be­trifft, ein für al­le Mal in ko­or­di­nier­ter und so­li­da­ri­scher Form“an­ge­hen.

Auch in der Kli­ma­po­li­tik kün­digt sich ein Kurs­wech­sel an. Schon al­lein die Zu­sam­men­le­gung der Res­sorts Ener­gie und Um­welt zu ei­nem „Mi­nis­te­ri­um für öko­lo­gi­schen Über­gang“gibt die neue Rich­tung vor. „Spa­ni­en ist zu­rück“, sag­te Mi­nis­te­rin Te­re­sa Ri­be­ra beim Tref­fen mit den EURes­sort­kol­le­gen in Lu­xem­burg am Mon­tag und kün­dig­te ehr­gei­zi­ge­re Zie­le der neu­en spa­ni­schen Re­gie­rung bei den Er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en an. Auch die von der Re­gie­rung Ra­joy ein­ge­führ­te steu­er­li­che Be­las­tung von Pho­to­vol­ta­ik-Klein­an­la­gen – Son­nen­steu­er ge­nannt –, wer­de wie­der ab­ge­schafft.

Das Eu­ro­pa­par­la­ment will beim Aus­bau der Er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en bis 2030 min­des­tens 35 Pro­zent er­rei­chen. Spa­ni­en wä­re da­bei.

„Ei­ne sol­che Re­form ist drin­gend nö­tig, rea­li­sier­bar und wün­schens­wert“

Fo­to: Francisco Se­co/dpa

An die Ar­beit: Die neue Re­gie­rung nach der ers­ten Ka­bi­netts­sit­zung.

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