Mi­nis­ter­wech­sel und gu­te Ab­sich­ten

Car­men Mon­tón stol­pert über „Mas­ter-Af­fä­re“– Pe­dro Sán­chez zog zu­vor noch hoff­nungs­vol­le Bi­lanz

Costa del Sol Nachrichten - - Spanien -

Ovie­do/Ma­drid – ck. Die Mi­nis­te­rin für Ge­sund­heit, Kon­sum und Wohl­stand, Car­men Mon­tón, ist am Di­ens­tag­abend zu­rück­ge­tre­ten. Sie zog die Kon­se­quenz aus Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten bei ih­rer Mas­ter­ar­beit an der in­zwi­schen da­für be­rüch­tig­ten Uni­ver­si­tät Rey Juan Car­los in Ma­drid, die die On­li­ne-Zei­tung „el­dia­rio.com“am Mon­tag auf­ge­deckt hat­te.

Bis­lang wa­ren PP-Po­li­ti­ker wie die Ma­dri­der Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Cris­ti­na Ci­fu­en­tes we­gen ih­rer Mas­ter-Af­fä­re zu­rück­ge­tre­ten. Der Par­tei­vor­sit­zen­de Pa­blo Ca­sa­do steht eben­falls un­ter Ver­dacht. „Wer un­schul­dig ist, tritt nicht zu­rück“, bau­te Ge­ne­ral­se­kre­tär Teo­do­ro Gar­cía Egea vor. Ca­sa­do will auch dann nicht zu­rück­tre­ten, wenn er in der Sa­che vor Ge­richt müss­te. Und mach­te da­mit gleich auch Mon­tóns Un­schulds­be­haup­tung zu­nich­te. Sie sei zu­rück­ge­tre­ten, um der PSOERe­gie­rung nicht zu scha­den. Tat­säch­lich scheint die Mas­ter­ar­beit aber vol­ler Pla­gia­te zu ste­cken.

Re­gie­rungs­chef Pe­dro Sán­chez hat die 65-jäh­ri­ge Hoch­kom­mis­sa­rin für den Kampf ge­gen Kin­der­ar­mut, Ma­ría Lui­sa Car­ce­do, zur neu­en Res­sort­che­fin er­nannt. Mit Mon­tón hat der zwei­te Mi­nis­ter­wech­sel in nur drei Mo­na­ten statt­ge­fun­den. Der Va­len­cia­ner Màxim Hu­er­ta war für Kul­tur we­gen ei­nes zu­rück­lie­gen­den Steu­er­de­likts nur sie­ben Ta­ge im Amt. Die Rück­trit­te sind Was­ser auf die Müh­len der Op­po­si­ti­on. Sie wirft der Re­gie­rung In­sta­bi­li­tät und ei­nen Zick-Zack-Kurs vor, der das Land aus dem Gleich­ge­wicht bräch­te.

Das sah Pe­dro Sán­chez bei sei­ner Bi­lanz nach 100 Ta­gen Re­gie­rung am Sonn­tag in Ovie­do noch ganz an­ders. Er be­zeich­ne­te sein Man­dat als Chan­ce, das Land so­gar bis 2030 zum Gu­ten zu ver­än­dern. Jetzt schon ha­be sei­ne Re­gie­rung

Die Op­po­si­ti­on wirft der Re­gie­rung In­sta­bi­li­tät und Zick-Zack-Kurs vor

mehr „so­zia­le Ge­rech­tig­keit“er­reicht. Das Wirt­schafts­wachs­tum hält er für sta­bil, es wer­den Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen, vor al­lem die Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit soll be­kämpft wer­den. Ob­wohl die Ar­beits­lo­sig­keit im Au­gust wie­der stark zu­ge­nom­men hat. Be­schnit­te­ne Rech­te wie das kos­ten­lo­se Ge­sund­heits­sys­tem für al­le und die An­pas­sung der Ren­ten an den Le­bens­hal­tungs­kos­ten­in­dex wur­den wie­der her­ge­stellt und die Er­fül­lung des Ge­set­zes zur His­to­ri­schen Er­in­ne­rung mit der bal­di­gen Um­bet­tung der Ge­bei­ne des Dik­ta­tors Fran­cis­co Fran­co er­reicht.

Spa­ni­en ha­be ers­te Zei­chen ge­setzt, um wie­der so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Re­fe­renz für ei­ne hu­ma­ne Mi­gra­ti­ons­po­li­tik und ei­ne ge­mein­sa­me EU-Po­li­tik zu wer­den. Mit den vie­len Mi­nis­te­rin­nen sei die Re­gie­rung Vor­rei­te­rin in Sa­chen Gleich­be­rech­ti­gung. Haa­ri­ge The­men wie Ka­ta­lo­ni­en, den Haus­halt oder die Rück­nah­men vor­ei­li­ger Ver­spre­chen klam­mer­te Sán­chez aus: So hat­te er ver­spro­chen, die Fi­nan­zie­rung der Re­gio­nen zu ver­bes­sern und muss­te dann da­von Ab­stand neh­men, die Ban­ken­steu­er muss­te er zu­rück­zie­hen, hei­ße Ab­schie­bun­gen von Im­mi­gran­ten und Na­to-St­a­chel­draht woll­te die Re­gie­rung ab­schaf­fen und lässt bei­des doch zu.

Nach dem Rück­tritt von Mon­tón könn­te Sán­chez sei­nen Op­ti­mis­mus brem­sen müs­sen und viel­leicht doch Neu­wah­len an­set­zen, die sei­ne Re­gie­rung be­stä­ti­gen oder ab­stra­fen wür­den.

Foto: Al­ber­to Mor­an­te/EFE Foto: EFE

Pe­dro Sán­chez zog in Ovie­do Bi­lanz Car­men Mon­tón.

Newspapers in German

Newspapers from Spain

© PressReader. All rights reserved.