Mu­se­um für „SS 3“

His­to­ri­scher Bahn­wag­gon soll wie­der glän­zen – Einst reis­ten höchs­te Wür­den­trä­ger im „SS 3“durchs Land

Costa del Sol Nachrichten - - Erste Seite - Ana Láza­ro Ver­de, dpa So­ria

Der Ei­sen­bahn­wag­gon „SS 3“, in dem 1940 das be­rühm­te Tref­fen zwi­schen Fran­co und Hit­ler statt­fand, hat ei­ne lan­ge Ge­schich­te hin­ter sich. In Al­ma­zán in Cas­ti­lia-León, wo der Wa­gen seit Jah­ren steht, soll dar­aus ein klei­nes Mu­se­um ge­macht wer­den.

Am Ran­de ei­nes Dor­fes in der Ab­ge­schie­den­heit des länd­li­chen Spa­ni­ens ros­tet seit Jah­ren ein Zug­wag­gon vor sich hin, der Ge­schich­te schrieb: Spa­ni­ens lang­jäh­ri­ger Dik­ta­tor Fran­cis­co Fran­co hat­te sich 1940 in dem einst lu­xu­riö­sen Wag­gon zu sei­nem ein­zi­gen Tref­fen mit Adolf Hit­ler fah­ren las­sen. Die­ses fand in Hen­daye auf der fran­zö­si­schen Sei­te der Gren­ze zu Spa­ni­en statt. Bei der Zu­sam­men­kunft in Hit­lers Wag­gon „Eri­ka“wur­de über ei­nen mög­li­chen Ein­tritt Spa­ni­ens in den Zwei­ten Welt­krieg be­ra­ten.

Trotz sei­ner his­to­ri­schen Be­deu­tung ist von der eins­ti­gen Pracht des holz­ver­tä­fel­ten Wag­gons mit der Be­zeich­nung „SS 3“nicht viel ge­blie­ben. Über­zo­gen von ei­ner di­cken Schicht Staub und Spinn­we­ben steht er in ei­ner In­dus­trie­hal­le im Ort Al­ma­zán in der Re­gi­on Kas­ti­li­en-León. Dort ist er zwar vor Wind und Wet­ter ge­schützt, doch Ein­rich­tung und die grün-gel­be Au­ßen­hül­le feh­len fast voll­stän­dig.

Drei Zim­mer, Kü­che, Bad

„Die­ser Zug­wa­gen war ein­ma­lig, der wich­tigs­te, den es zu sei­ner Zeit gab“, sagt Ma­ri­sa Muñoz von der ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­ti­on Ade­ma, die sich um die Re­stau­rie­rung küm­mert. „Nicht nur, weil er Fran­co be­för­der­te, son­dern weil ihn in ei­ner be­stimm­ten Epo­che der (spa­ni­schen) Ge­schich­te füh­ren­de Per­sön­lich­kei­ten nutz­ten.“So hat­te vor Fran­co ger­ne Kö­nig Al­fon­so XIII. (1902-1931) da­rin Platz ge­nom­men. Aber für im­mer ver­bun­den bleibt der Wag­gon mit dem Au­gen­blick, als Fran­co an je­nem 23. Ok­to­ber vor fast 80 Jah­ren in Hen­daye aus­stieg, wäh­rend Hit­ler ihn am Bahn­steig er­war­te­te.

Der­zeit er­lau­ben pro­vi­so­ri­sche Trep­pen den Zu­gang ins In­ne­re: zum Sa­lon mit Holz­bo­den und Schie­be­tü­ren, zur Kü­che so­wie zum Gang, der zu drei Zim­mern führt, ei­nes von ih­nen mit ei­ge­nem Bad. „Für das In­te­ri­eur wur­den al­le ed­len Holz­ar­ten ver­ar­bei­tet so­wie In­tar­si­en­ar­bei­ten ge­macht“, sagt Muñoz. Ei­ne In­tar­sie ist ei­ne De­ko­ra­ti­ons­tech­nik, bei der auf ei­ner ebe­nen Ober­flä­che ver­schie­de­ne Höl­zer in­ein­an­der ge­legt wer­den an ei­ner Wand des Wag­gons ist so ei­ne Ar­beit mit Blu­men­mo­ti­ven heu­te noch zu er­ken­nen.

Auf dem Ab­stell­gleis

1929 ge­baut von der Spa­ni­schen Ge­sell­schaft für Schiffs­bau ging der Wag­gon zu­erst an das Mi­nis­te­ri­um für öf­fent­li­che Bau­ten und war ge­dacht für die höchs­ten Wür­den­trä­ger des Staa­tes. Die Kö­nigs­fa­mi­lie nutz­te ihn für Pri­vat­rei­sen. Nach dem Spa­ni­schen Bür­ger­krieg (1936-1939) stand er dann Fran­co zur Ver­fü­gung.

In den 1950er Jah­ren wur­de der Wag­gon au­ßer Di­enst ge­nom­men, spä­ter ver­stei­gert und von ei­nem An­ti­qui­tä­ten­händ­ler er­wor­ben. 1984 nahm sich das Ei­sen­bahn­mu­se­um in Ma­drid des Wag­gons an und brach­te ihn nach So­ria, in ei­ne der käl­tes­ten und be­völ­ke­rungs-

ärms­ten Ge­gen­den Spa­ni­ens. Am still­ge­leg­ten Bahn­hof von Al­ma­zán war Platz, doch dort stand der einst so lu­xu­riö­se Zug­teil auf dem Ab­stell­gleis. Er dien­te ei­nem Ob­dach­lo­sen als Un­ter­schlupf - bis Ade­ma auf den Plan trat. 1997 un­ter­schrieb die Or­ga­ni­sa­ti­on ei­nen Ver­trag, mit dem sie die Re­stau­rie­rung über­nahm.

„Wir ha­ben ver­sucht, den Wag­gon zu re­stau­rie­ren, in Zu­sam­men­ar­beit mit ei­ner Werk­statt für schwer ver­mit­tel­ba­re Ar­beits­su­chen­de“, er­klärt Muñoz. Auf die­se Wei­se ge­lang es im­mer­hin, ei­nen gu­ten Teil des In­nen­raums wie­der­her­zu­stel­len, doch Geld­man­gel im Zu­ge der schwe­ren Wirt­schafts­und Fi­nanz­kri­se in Spa­ni­en ab dem Jahr 2008 würg­te die rest­li­chen Ar­bei­ten ab. Jetzt will die Stadt­ver­wal­tung 200.000 Eu­ro auf­trei­ben, die ih­rer Ein­schät­zung nach noch nö­tig sind, um die Re­stau­rie­rung ab­schlie­ßen und ein klei­nes Ei­sen­bahn­mu­se­um für „SS 2“bau­en zu kön­nen.

„Das wä­re ei­ne Tou­ris­ten­at­trak­ti­on ers­ten Gra­des“, sagt Jo­sé An­to­nio de Mi­guel, der Bür­ger­meis­ter von Al­ma­zán. „Der Wag­gon war das Flagg­schiff der Flot­te von Lu­xus­zü­gen in Spa­ni­en.“Des­halb ver­han­delt er nun mit der Bahn­ge­sell­schaft Adif, um das Grund­stück des al­ten Bahn­hofs zu kau­fen.

Zu dem be­rühm­ten Tref­fen mit Hit­ler kam Spa­ni­ens Dik­ta­tor üb­ri­gens acht Mi­nu­ten zu spät. Schon das är­ger­te Hit­ler. Nichts­des­to­trotz schüt­tel­ten sich die Macht­ha­ber auf dem Bahn­steig die Hän­de, Fo­tos zei­gen ei­nen strah­len­den Hit­ler. Das Tref­fen hin­ge­gen kam eher ei­nem Zer­würf­nis gleich. Denn Hit­ler woll­te die Ge­gen­leis­tun­gen nicht er­fül­len, die Fran­co für Spa­ni­ens Ein­tritt in den Zwei­ten Welt­krieg ver­lang­te.

Wäh­rend „El Cau­dil­lo“(der spa­ni­sche Füh­rer) sprach, „gähn­te (Hit­ler) 15 bis 20 Mal am Stück mit ei­ner er­schre­ckend schlech­ten Er­zie­hung“, er­zähl­te Ramón Ser­ra­no Suñer, der Fran­co als Mi­nis­ter nach Hen­daye be­glei­tet hat­te, spä­ter in ei­nem Fern­seh­in­ter­view.

Auch der Lok­füh­rer muss die schlech­te Stim­mung ge­spürt ha­ben. „Da war kei­ne Ei­ni­gung drin“, ha­be er ihr noch am sel­ben Tag ge­sagt, be­rich­te­te sei­ne Frau im Fern­se­hen. Spa­ni­en blieb of­fi­zi­ell „nicht-kriegs­füh­rend“und un­ter­stütz­te das Deut­sche Reich le­dig­lich von 1941 bis 1943 mit der „Di­vi­sión Azul“(Blau­en Di­vi­si­on) im Russ­land­feld­zug. Fran­cos Herr­schaft en­de­te erst 30 Jah­re nach Kriegs­en­de mit sei­nem Tod 1975.

Wäh­rend „El Cau­dil­lo“sprach, „gähn­te (Hit­ler) 15 bis 20 Mal am Stück

Fo­tos: Ana Láza­ro Ver­de/dpa

Der Lu­xus-Zug­wag­gon „SS 3“in Al­ma­zán: Nach Jah­ren auf dem Ab­stell­gleis soll er fer­tig re­stau­riert wer­den.

Foto: EFE-Fo­to­te­ca

Das Ori­gi­nal­fo­to vom Tref­fen Fran­co-Hit­ler.

Der still­ge­leg­te Bahn­hof von Al­ma­zán.

Blick in den holz­ver­tä­fel­ten Lu­xus-Zug­wag­gon „SS 3“.

Auf­wän­di­ge Holz­ver­tä­fe­lung im „SS 3“.

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