Gra­na­da-Ali­can­te: Ein Road­mo­vie

Costa del Sol Nachrichten - - Meinung -

Ge­schmei­di­ge fünf St­un­den im Al­sa-Uni­ver­sum. Da­nach soll­te mir klar wer­den, dass der güns­ti­ge Fahr­preis von 8,50 Eu­ro nicht zu­fäl­lig an ein Ki­no­ti­cket er­in­ner­te. Man bot ein Road­Mo­vie der be­son­de­ren Art. Die Un­ter­hal­tungs­kon­so­len wa­ren wie im­mer ka­putt.

Klap­pe, die ers­te: Zu­nächst gab es ei­ne Te­le­no­ve­la. Ei­ne Gi­ta­na, aus Mála­ga kom­mend, er­läu­ter­te ih­rer ge­sam­ten Fa­mi­lie am Han­dy blu­mig und tem­pe­ra­ment­voll, war­um sie ih­ren Gat­ten, „die­sen un­nüt­zen Ga­no­ven“, end­gül­tig ver­las­sen ha­be und nach Mur­cia zie­he. Mur­cia. Das wa­ren noch vier St­un­den und ihr Han­dy­ak­ku neu­es­ter Ge­ne­ra­ti­on. Erst woll­ten wir sie zu ih­rem eman­zi­pier­ten Schritt be­glück­wün­schen, doch nach der zehn­ten Ver­si­on ih­res Lei­dens gra­tu­lier­te die Mehr­heit im Bus still­schwei­gend dem ver­las­se­nen Gat­ten.

Er­lö­sung in Mur­cia. Sie stieg aus, ein Roll­stuhl­fah­rer ein. Das heißt, er woll­te, aber Al­sa war un­fä­hig, dem Mann ei­nen Platz in den ers­ten Rei­hen zu re­ser­vie­ren. Die Pri­vi­le­gier­ten schau­ten auf­fal­lend un­auf­fäl­lig weg, und der ar­me Kerl mach­te tat­säch­lich An­stal­ten, sich durch acht Sitz­rei­hen zum zu­ge­wie­se­nen Platz zu han­geln. Der Fah­rer in­ter­ve­nier­te und scheuch­te ei­nen ent­rüs­tet um sein Recht ge­bracht schau­en­den Fahr­gast auf.

Als wir vom Rast­platz ab­fah­ren woll­ten, war­fen sich zwei Ge­stal­ten vor die Küh­ler­hau­be. Die Schlips­trä­ger woll­ten an der Bar die Welt ret­ten und ver­pass­ten da­her die Ab­fahrt.

„Sind nun al­le da,“frag­te der ent­nerv­te Con­duc­teur „oder er­war­tet je­mand noch sei­nen Cou­sin?“– Leich­te Hei­ter­keit. Die wan­del­te sich in un­ter­drück­tes Prus­ten, als ein jun­ger Mann in vol­ler Fahrt sei­nen Ge­bets­tep­pich im Mit­tel­gang aus­roll­te und sei­nen ima­gi­nä­ren Freund an­rief. Jetzt wa­ren wirk­lich al­le da.

Die Re­gie führ­te schon seit ei­ner Wei­le Qu­en­tin Ta­ran­ti­no. Die Ge­bets­rich­tung Süd­ost stimm­te halb­wegs und ich war­te­te ge­spannt, wie der Sports­freund sich wohl im nächs­ten Kreis­ver­kehr gen Mek­ka aus­rich­ten wür­de. Aus Rei­he acht war Un­muts­ge­brab­bel zu hö­ren, ir­gend­was mit „aquí en España“und „an­tes no“. Der Br­abb­ler war der glei­che, der zu­vor den Geh­be­hin­der­ten ei­nen Klet­ter­par­cours ab­sol­vie­ren las­sen woll­te. War na­tür­lich sta­tis­ti­scher Zu­fall. Klap­pe, die letz­te.

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