DIE FRAUENKLINIK

Annabelle - - KARRIERE - In­ter­view: Bar­ba­ra Acher­mann

an­na­bel­le: In der Schweiz ist nur je­der zehn­te Chef­arzt ei­ne Frau. Was müss­te sich än­dern, da­mit es mehr Ärztinnen an die Spit­ze schaf­fen? Stephanie von Orel­li: Mehr Vor­bil­der: Kli­nik­lei­te­rin­nen und Chef­ärz­tin­nen, die zei­gen, dass Füh­ren Spass macht. Und es braucht die Un­ter­stüt­zung von ganz oben für die Kar­rie­re­pla­nung von Ärztinnen mit Kin­der­wunsch. Wenn die Lei­tung wirk­lich will, dass Müt­ter Kar­rie­re ma­chen, dann geht es auch.

Wie war das bei Ih­nen, als Sie schwan­ger wur­den?

Nach mei­nem Mut­ter­schafts­ur­laub konn­te ich wie­der in der glei­chen Po­si­ti­on wei­ter­ma­chen wie zu­vor. Das war nur des­halb mög­lich, weil sich mein Vor­ge­setz­ter für mich ein­setz­te. Es gab Kar­rie­ris­ten, die wäh­rend mei­ner Ab­we­sen­heit ver­such­ten, mei­nen Platz ein­zu­neh­men. Fehlt es auch am Wil­len der Ärztinnen? Möch­ten sich die meis­ten ein­fach nicht mit Haut und Haar dem Be­ruf hin­ge­ben?

Nein, das ent­spricht nicht mei­nen Er­fah­run­gen. Aber Frau­en wä­gen viel mehr ab, ob sich ein Kar­rie­re­schritt lohnt. Sie fra­gen sich: Ist die­se Ar­beit sinn­voll? Traue ich sie mir zu? Kann ich mei­ne Vi­sio­nen ver­wirk­li­chen oder bin ich nur Spiel­ball ei­nes Sys­tems?

In der Frauenklinik Triem­li ha­ben Sie seit Jah­ren vie­le Ärztinnen im obers­ten Ka­der, mo­men­tan sind es sie­ben Frau­en und ein Mann. Was ma­chen Sie an­ders als an­de­re Kli­ni­ken?

Bei uns ar­bei­ten fünf von sie­ben Ka­der­ärz­ten Teil­zeit und zwar aus un­ter­schied­li­chen Grün­den: weil sie klei­ne Kin­der ha­ben, hu­ma­ni­tä­re Ein­sät­ze leis­ten oder ih­re be­tag­ten El­tern pf le­gen. Die­se Ärztinnen zei­gen ein enor­mes En­ga­ge­ment, man kann sie zum Bei­spiel je­der­zeit zu­hau­se an­ru­fen, wenn es ei­ne wich­ti­ge Fra­ge zu be­ant­wor­ten gibt. Wird je­mand schwan­ger, freue ich mich und se­he das nicht als Pro­blem. Es ist sch­licht nor­mal und wir or­ga­ni­sie­ren das im Team. Ei­ne re­du­ziert, ei­ne an­de­re stockt ihr Pen­sum auf. Über die Jah­re ist das ein Ge­ben und Neh­men.

Wo lie­gen die Schwie­rig­kei­ten mit vie­len Teil­zeit­an­ge­stell­ten?

Wir müs­sen als Che­fin­nen dar­auf ach­ten, dass wir un­ter­schied­li­che Spe­zia­li­sie­run­gen in un­se­rem Team ha­ben und die Mit­ar­bei­ten­den ent­spre­chend för­dern. Es muss nicht je­de al­les kön­nen. Je­mand ope­riert gut, ei­ne an­de­re ist Ex­per­tin für schwie­ri­ge Ge­bur­ten. Mi­ni­Pen­sen fin­de ich schwie­rig, ei­ne Ober­ärz­tin soll­te min­des­tens 60 Pro­zent ar­bei­ten, um auch fach­lich da­bei zu blei­ben.

Ist es für die Pa­ti­en­tin­nen nicht un­an­ge­nehm, wenn sie es stän­dig mit ei­ner an­de­ren Ärz­tin zu tun ha­ben? Wird die Über­ga­be gut or­ga­ni­siert, ist es für die Pa­ti­en­tin ein Vor­teil, ei­ne Zweit­mei­nung zu er­hal­ten.

Ein Ar­gu­ment, das man häu­fig hört: Fürs Ope­rie­ren braucht es Rou­ti­ne und Er­fah­rung. Das kann man nicht in Teil­zeit ler­nen.

Das stimmt ein Stück weit. Das heisst nicht, dass man zehn Jah­re lang 70­St­un­den­Wo­chen ma­chen muss. Es braucht aber ei­ne Wei­le lang ein ho­hes Pen­sum. Ich emp­feh­le so­wie­so al­len Ärztinnen, die Kar­rie­re ma­chen wol­len, min­des­tens 70 Pro­zent zu ar­bei­ten.

Sie lei­ten die Kli­nik im Job­sha­ring mit Natalie Ga­b­ri­el. Zwi­schen­zeit­lich ha­ben Sie sie aber auch al­lein ge­führt. Was sind die Vor­ und Nach­tei­le ei­nes Zwei­er­teams?

Es ist wich­tig, die rich­ti­ge Part­ne­rin zu fin­den. Ei­ne, die Wer­te und Ein­stel­lun­gen teilt und am glei­chen Strick zieht. Hat man die­se Per­son ge­fun­den, gibt es nur noch Vor­tei­le. Man ist bes­ser zu zweit, weil man Ent­schei­de dis­ku­tie­ren kann und meh­re­re Per­spek­ti­ven im­mer ei­ne Be­rei­che­rung sind. Man läuft auch we­ni­ger Ge­fahr, über­heb­lich zu wer­den, weil man stän­dig ge­spie­gelt wird.

Än­dert sich in den Schwei­zer Spi­tä­lern et­was punk­to Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen?

Nur sehr lang­sam. Wir wer­den da­zu ge­zwun­gen wer­den, die­sen Pro­zess zu be­schleu­ni­gen, wenn we­ni­ger Ärz­te aus dem Aus­land in die Schweiz kom­men.

Stephanie von Orel­li (52) weiss, wie man Che­fin­nen macht. Sie lei­tet die Frauenklinik Triem­li in Zü­rich und hat fast aus­schliess­lich Ärztinnen in ih­rem Ka­der. “ICH EMP­FEH­LE ÄRZTINNEN, DIE KAR­RIE­RE MA­CHEN WOL­LEN, MIN­DES­TENS 70 PRO­ZENT ZU AR­BEI­TEN”

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