Frau­en ins Mi­li­tär!

Annabelle - - MEINE MEINUNG -

Mein Ver­hält­nis zur Schwei­zer Ar­mee ist in et­wa so in­nig wie je­nes zu evan­ge­li­ka­len Kir­chen: Ich war stets er­leich­tert, nicht mit­ma­chen zu müs­sen bei die­ser ver­knö­cher­ten In­sti­tu­ti­on, de­ren Wer­te ich nicht tei­le und de­ren Sinn sich mir nicht er­schliesst. Als jun­ge Frau hör­te ich vol­ler Mit­ge­fühl und Schau­dern den Be­rich­ten mei­ner Freun­de zu, die ih­re RS als ei­ne end­lo­se Ab­fol­ge von brül­len­den Vor­ge­setz­ten, di­let­tan­ti­schen Schiess­übun­gen, Schlaf­ent­zug, Ko­ma­s­au­fen und sinn­frei­en Ge­walt­mär­schen schil­der­ten. Lo­gisch, dass ich bei der Ar­mee­ab­schaf­fungs­in­itia­ti­ve 1989 ein be­herz­tes Ja in die Ur­ne leg­te. Im Ernst­fall hat­te die­se Gur­ken­trup­pe ei­ner feind­li­chen Ar­mee doch so­wie­so nichts ent­ge­gen­zu­set­zen.

So dach­te ich frü­her. Und so den­ke ich – mit Ab­stri­chen – auch heu­te noch. Des­halb wird Sie das An­lie­gen die­ser Kolumne mög­li­cher­wei­se über­ra­schen: Ich ma­che mich hier näm­lich für ei­ne Di­enstpf licht für Frau­en stark. Ganz recht, wir müs­sen in die Gur­ken­trup­pe.

Nicht, dass ich un­se­rer Ar­mee heu­te mehr Schlag­kraft zu­trau­en wür­de als frü­her. Aber 82 Pro­zent der Be­völ­ke­rung hal­ten sie nun mal für not­wen­dig, das er­gab die letzt­jäh­ri­ge Si­cher­heits­stu­die der ETH Zü­rich, und selbst ich muss ein­se­hen, dass das ei­ne er­drü­cken­de Mehr­heit ist. War­um soll­ten die Män­ner die­se Last ganz al­lei­ne schul­tern? Weil sie grös­se­re Mus­keln ha­ben? Das mag viel­leicht ge­hol­fen ha­ben, als wir noch mit Hel­le­bar­den auf­ein­an­der ein­d­ro­schen. Doch heu­te könn­te Lan­des­ver­tei­di­gung eben­so gut Frau­en­sa­che sein wie Haus­ar­beit Män­ner­sa­che. Wer Gleich­be­rech­ti­gung ein­for­dert, darf sich bei den da­mit ver­bun­de­nen Pf lich­ten nicht vor­nehm zu­rück­hal­ten. So ein­fach ist das. Ei­gent­lich.

Ich will kei­ne Ro­si­nen­pi­cke­rin sein, die nur auf die Vor­tei­le der Eman­zi­pa­ti­on aus ist. Ich will aber auch nicht mit dreis­sig Ki­lo Ge­päck auf dem Rü­cken durch den Schlamm rob­ben müs­sen und mich von idio­ti­schen Vor­ge­setz­ten an­brül­len las­sen. Ich bin be­reit, mei­nen An­teil zu leis­ten, möch­te da­bei aber nur un­gern das Ge­fühl ha­ben, et­was zu­tiefst Sinn­lo­ses zu tun. Sie se­hen, es ist kom­pli­ziert.

Er­staun­li­cher­wei­se hat nun das Mi­li­tär­de­par­te­ment ein klei­nes Wun­der voll­bracht. Ab April ist für die Si­cher­heits­po­li­tik der Schweiz und da­mit auch für die lang­fris­ti­ge Aus­rich­tung der Ar­mee ei­ne Frau ver­ant­wort­lich: die 47­jäh­ri­ge Pär­vi Pul­li, ei­ne aus Finn­land stam­men­de Stra­te­gie­Ex­per­tin, die sie­ben Spra­chen spricht. Liest man die In­ter­net­kom­men­ta­re, die auf ih­re Er­nen­nung folg­ten, könn­te man glau­ben, der Ne­an­der­ta­ler sei doch noch nicht ganz aus­ge­stor­ben. Für man­che Män­ner scheint es nichts Be­droh­li­che­res zu ge­ben als ei­ne Frau, die es wagt, in ihr letz­tes Re­fu­gi­um ein­zu­drin­gen. Und dann auch noch ei­ne Zu­ge­wan­der­te, die nie Mi­li­tär­dienst ge­leis­tet hat!

Ich hin­ge­gen er­hof­fe mir von Frau Pul­li nur das Bes­te. Sie könn­te die Ar­mee pro­fes­sio­nel­ler, ef­fi­zi­en­ter, mo­der­ner ge­stal­ten. Sie könn­te ih­re Kul­tur und ih­re Auf­ga­ben ver­än­dern, so­dass nicht mehr so vie­le Ar­mee­an­ge­hö­ri­ge ih­ren Dienst als kom­plett un­sin­nig wahr­neh­men. Frau­en könn­ten et­wa Cy­ber­kri­mi­nel­le be­kämp­fen, So­zi­al­diens­te al­ler Art leis­ten, mit den Män­nern Sei­te an Sei­te für ei­nen Krieg trai­nie­ren, der hof­fent­lich nie­mals kom­men wird. Frau Pul­li könn­te da­für sor­gen, dass we­ni­ger ge­brüllt wird. Dass Frau­en hier ih­ren Platz fin­den, oh­ne als ab­so­lu­te Exo­tin­nen zu gel­ten. Weil ih­re An­we­sen­heit dann ein­fach als nor­mal emp­fun­den wird. Ei­nes fer­nen Ta­ges. Ir­gend­wann.

Clau­dia Senn ist an­na­bel­le-Re­dak­to­rin. Sie mag die nor­we­gi­sche Ar­my-Se­rie «No­bel», in der nie ge­brüllt wird. Das könn­te dar­an lie­gen, dass in Nor­we­gen auch Frau­en wehr­pflich­tig sind. Es gibt dort so­gar ei­ne rein weib­li­che Spe­zi­al­ein­heit.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.