«Sie war wa­ge­mu­tig»

An­net­te Be­ning spielt im Dra­ma «Film Stars Don’t Die in Li­ver­pool» die al­tern­de Hol­ly­wood-Di­va Glo­ria Gra­ha­me.

Annabelle - - KULTUR -

an­na­bel­le: Sie spie­len die in Ver­ges­sen­heit ge­ra­te­ne US-Schau­spie­le­rin Glo­ria Gra­ha­me. Kann­ten Sie sie, be­vor Sie das Dreh­buch la­sen? Ja, denn für ei­nen mei­ner ers­ten Fil­me bat mich der Re­gis­seur da­mals, ich sol­le Gra­ha­me für mei­ne Rol­le stu­die­ren. Sie war ei­ne Fem­me fa­ta­le im Film noir der 1950er-Jah­re. Ich wur­de vor lan­ger Zeit auf das Film­pro­jekt an­ge­spro­chen. Es hat ein­fach Jahr­zehn­te ge­dau­ert, es zu rea­li­sie­ren. Ach?

Da­mals wä­re ich oh­ne­hin noch zu jung für die Rol­le ge­we­sen. Ein­mal sprach ich mit Ro­bert De Ni­ro über Gra­ha­me, der sie vom Schau­spiel­un­ter­richt bei der le­gen­dä­ren Stel­la Ad­ler kann­te. Er war da noch völ­lig un­be­kannt; sie ein al­tern­der Star, der zwar ei­nen Os­car hat­te, aber kei­ne Film­an­ge­bo­te mehr be­kam. Fas­zi­nie­rend, nicht? Sie war vier­mal ver­hei­ra­tet, un­ter an­de­rem mit dem Re­gis­seur Ni­cho­las Ray – und spä­ter mit des­sen Sohn To­ny aus ei­ner frü­he­ren Ehe. Das ist schon et­was ver­rückt, oder?

«Oh My God!» wä­re die an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on. Ihr Pri­vat­le­ben war kom­pli­ziert – aber es macht sie eben auch zu ei­ner wirk­lich span­nen­den Per­son. Ich wüss­te gern noch mehr über sie. Sie selbst war je­doch sehr dis­kret. Und auch ih­re letz­te Lie­be, Pe­ter Tur­ner, auf des­sen Er­in­ne­run­gen der Film be­ruht, schlach­tet Gra­ha­mes Ver­gan­gen­heit nicht grell aus. Ich fin­de, das soll­te man re­spek­tie­ren. Ist es schwer, ei­ne Schau­spie­le­rin zu spie­len? Nicht schwe­rer als an­de­re Rol­len.

Führt es nicht da­zu, dass Sie sich ver­glei­chen? Mei­nen Stief­sohn zu hei­ra­ten und mit ihm Kin­der zu ha­ben, kä­me mir de­fi­ni­tiv nicht in den Sinn! Aber Gra­ha­me war eben wa­ge­mu­tig und of­fen. Sie soll sich ein­mal ge­wei­gert ha­ben, zu Pro­du­zent Ho­ward Hug­hes ins Au­to zu stei­gen – sie hat­te kei­ne Lust auf sei­ne se­xu­el­len Avan­cen. Da­nach be­kam sie nie wie­der ein Film­an­ge­bot von ihm. Ich ver­mu­te, dass das nicht das ein­zi­ge Mal war, dass sie so et­was er­le­ben muss­te. Aber sie wuss­te, wie sie das zu hand­ha­ben hat­te. (hey)

Ab 5. 4.: «Film Stars Don’t Die in Li­ver­pool» von Paul McGu­i­gan. Mit Ja­mie Bell als Pe­ter Tur­ner, auf des­sen Er­in­ne­run­gen der Film be­ruht

An­net­te Be­ning als Glo­ria Gra­ha­me

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.