Ein net­ter Mann

Annabelle - - DER BEWEGTE MANN -

Ent­schul­di­gen Sie. Ja, bit­te? Hät­ten Sie viel­leicht et­was Münz? Für die Not­schlaf­stel­le? Nein, für den Bus. Ich fah­re nicht ger­ne schwarz. Ei­nen Mo­ment … hier sind drei Fran­ken.

Dan­ke ... Ich neh­me üb­ri­gens auch No­ten.

Ach so, na­tür­lich. Reicht ein Zeh­ner?

Nun ja, ich se­he da ei­nen Fünf­zi­ger ... Da­mit könn­te ich mir ei­ne Mo­nats­kar­te kau­fen.

Sie ha­ben recht! Bit­te sehr ...

Dan­ke schön. Schnei­di­ger Man­tel, üb­ri­gens. Ist das Kasch­mir?

Ja, ein Ge­schenk mei­ner Frau.

Dürf­te ich den viel­leicht mal ...

An­pro­bie­ren?

Nur falls es Ih­nen nichts aus­macht.

Aber si­cher, ei­nen Au­gen­blick …

Dan­ke, sehr freund­lich ... Hm. Ich weiss nicht so recht …

Doch, doch! Der Man­tel steht Ih­nen vor­züg­lich.

Er passt nicht zu mei­nen Turn­schu­hen, fin­den Sie nicht?

Jetzt, wo Sie es sa­gen. War­ten Sie ... ich ge­be Ih­nen mei­ne. Ita­lie­ni­sches Fa­b­ri­kat.

Dan­ke ... Sehr gut, sie sit­zen per­fekt!

Das freut mich für Sie. Kann ich sonst noch et­was für

Sie tun?

Ich möch­te nicht un­ver­schämt sein, aber ... wür­de es Ih­nen et­was aus­ma­chen, mir Ihr Hemd und die Ho­se zu über­las­sen? Der Voll­stän­dig­keit hal­ber.

Na­tür­lich. War­ten Sie … Hier die Ho­se mit Gür­tel und Porte­mon­naie … und hier das Hemd. Sei­de.

Dan­ke, ich zie­he mich gleich um … So. Wie se­he ich aus?

Ich muss sa­gen, mei­ne Klei­der ste­hen Ih­nen vor­züg­lich. Deut­lich bes­ser als mir.

Ich kann es kaum er­war­ten, mich im Spie­gel zu be­trach­ten. Wenn ich jetzt noch Ih­re Ta­sche ha­ben dürf­te ...

Mei­ne Ta­sche? Ach so, wie dumm von mir. Na­tür­lich, bit­te sehr!

Was ist denn da drin?

Ein hal­bes Kä­se­brot. Und die Au­to­schlüs­sel. Mein Wa­gen steht dort drü­ben in der blau­en Zo­ne.

Der graue Gall­ar­do Su­per­leg­ge­ra?

Ge­nau der. Viel Spass da­mit.

Klas­se, dan­ke! Darf ich Sie ir­gend­wo­hin fah­ren?

Kei­ne Um­stän­de, ich neh­me den Bus.

Dann brau­chen Sie et­was Münz für den Au­to­ma­ten. War­ten Sie, ich hel­fe Ih­nen aus ...

Wo­zu? Ich fah­re schwarz! Ach üb­ri­gens, mei­ne Frau heisst Hei­di. Sie war­tet im Au­to.

Mag sie Blu­men?

Tul­pen, aber nur die ro­ten. Las­sen Sie sie von mir grüs­sen. Wir hat­ten ei­ne wun­der­vol­le Ehe.

Das ma­che ich gern. Auf Wie­der­se­hen.

Dan­ke und auf Wie­der­se­hen.

Frank Heer ist Re­dak­tor bei an­na­bel­le. Er schreibt ab­wech­selnd mit Sven Bro­der und Tho­mas Wern­li übers Mann­sein bei ei­ner Frau­en­zeit­schrift und an­de­re Ex­trem­si­tua­tio­nen

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