Sfor­za: «Ich ha­be ei­ne Er­schöp­fung ge­spürt»

Vor dem Klas­si­ker ge­gen Ba­sel Nach dem Ab­gang von Lu­do­vic Ma­gnin steht beim FCZ nun Mas­si­mo Riz­zo an der Sei­ten­li­nie. Die Krux: Auf ihn war­ten gleich meh­re­re Bau­stel­len.

Basler Zeitung - - Erste Seite - Flo­ri­an Raz

FC Ba­sel Viel Zeit hat­te Ci­ri­a­co Sfor­za nicht, um sich als Trai­ner des FCB ein­zu­le­ben. In ge­ra­de mal zwei Wo­chen muss­te er den Spie­lern sei­ne Ide­en ver­mit­teln, da­nach galt es beim Meis­ter­schafts­start und in der Qua­li­fi­ka­ti­on zur Eu­ro­pa Le­ague gleich ernst. Doch mit der Nie­der­la­ge ge­gen So­fia wur­de be­reits ein Sai­son­ziel ver­passt.

Im ers­ten In­ter­view mit der BaZ spricht der 50-Jäh­ri­ge über die in­ten­si­ve An­fangs­zeit, sei­ne Zie­le mit dem Ver­ein und dar­über, in­wie­fern die Ver­pflich­tun­gen von Timm Klo­se und Pa­j­tim Ka­sa­mi die Si­tua­ti­on im Team ver­än­dern. Und Sfor­za sagt ganz klar: «Für das, was ich mit dem FCB um­set­zen will, braucht es Lei­den­schaft. Wenn ich bei ei­nem die­se Lei­den­schaft nicht spü­re, muss man ehr­lich sa­gen: Das macht kei­nen Sinn. Ich kann kei­ne ent­täusch­ten Spie­ler ge­brau­chen, die ih­ren Mit­spie­lern die Ener­gie ab­sau­gen.»

Es ist nur ei­ne kur­ze Sze­ne. Ver­nach­läs­sig­bar ei­gent­lich. Wenn sie nicht so bru­tal of­fen­le­gen wür­de, war­um der FC Zü­rich sei­nen Start in die neue Sai­son ge­nau­so in den Sand ge­setzt hat wie er das schon mit dem Ab­schluss der letz­ten Spiel­zeit ge­tan hat. War­um die­se Mann­schaft nun seit zwölf Wett­be­werbs­spie­len auf ei­nen Sieg war­tet. Und war­um es wohl kei­nen Weg da­ran vor­bei gab, Trai­ner Lu­do­vic Ma­gnin die Ver­ant­wor­tung zu ent­zie­hen.

Es läuft die 73. Mi­nu­te in Lau­sanne. Die Zürcher lie­gen 0:2 zu­rück. Aber sie sind noch nicht ge­schla­gen. Ge­lingt ih­nen das 1:2, sind sie wie­der im Ge­schäft. Es gibt al­so Grün­de, die Kon­zen­tra­ti­on hoch zu hal­ten. Und zu­nächst sieht es so aus, als ob der

FCZ dis­zi­pli­niert ar­bei­ten wür­de. Acht Zürcher sind zwi­schen dem Ball und dem ei­ge­nen Tor. Die La­ge scheint un­ter Kon­trol­le, als sich To­ni Domgjo­ni ent­schei­det, den ball­füh­ren­den Lau­san­ner un­ter Druck zu set­zen. Es ist der Mo­ment, in dem al­les aus­ein­an­der­fällt. Domgjo­ni geht nach vor­ne. Sei­ne Kol­le­gen aber zie­hen sich zu­rück. So braucht der Geg­ner nur ei­nen Pass, um ei­ne ge­fähr­li­che Si­tua­ti­on zu kre­ieren.

Kom­plett leer sind die zehn Me­ter vor dem Zürcher Straf­raum. Kein Mit­tel­feld­spie­ler, der sich be­müs­sigt fühlt, in den Raum hin­ter sich zu lau­fen. Kein Ver­tei­di­ger, der her­aus­schiebt, um den Raum en­ger zu ma­chen. Am En­de gibt es kein Tor für Lau­sanne. Aber die Sze­ne ist kein Ein­zel­fall. Seit Mo­na­ten sieht der Zürcher De­fen­siv­ver­bund im­mer wie­der so aus, als ob sich die

Spie­ler zu­fäl­lig auf der An­fahrt zum Spiel be­geg­net wä­ren. Ei­ner geht nach vorn, der an­de­re zu­rück. Und der drit­te... Nun, der drit­te ist an Ab­wehr­ar­beit häu­fig so un­in­ter­es­siert wie Ben­ja­min Ko­lol­li beim Lau­san­ner 3:0, das ein paar Mi­nu­ten spä­ter fällt. Am En­de ver­liert der FCZ 0:4.

Schlech­te Ko­pie Li­ver­pools

Die Lü­cke zwi­schen Ab­wehr­rei­he und de­fen­si­vem Mit­tel­feld hat beim FCZ seit Mo­na­ten Sys­tem. Und sie lässt sich sta­tis­tisch nach­wei­sen. In der Su­per Le­ague kom­men die Zürcher auf die we­nigs­ten De­fen­siv­ak­tio­nen in der Zo­ne vor dem Straf­raum. Das al­lein müss­te noch kein Pro­blem dar­stel­len. Der FC Li­ver­pool et­wa kommt pro Spiel im Schnitt so­gar auf noch we­ni­ger De­fen­siv­ak­tio­nen vor dem ei­ge­nen Sech­zeh­ner. Was da­ran liegt, dass der eng­li­sche Meis­ter sei­ne Geg­ner be­reits in de­ren Platz­hälf­te so un­ter Druck setzt, dass die nur sel­ten in die Nä­he des Li­ver­poo­ler To­res kom­men.

Die Sta­tis­tik aber ent­larvt den FCZ als Möch­te­gern-Ko­pie von Li­ver­pools Of­fen­siv-Pres­sing. Ganz vor­ne bau­en die Zürcher zwar leicht häu­fi­ger als die Schwei­zer Kon­kur­renz Druck auf. Aber schon im Mit­tel­feld sinkt das En­ga­ge­ment, bis es vor dem Straf­raum den Tief­punkt er­reicht.

Die Grafik zeigt die Un­ter­schie­de: Lu­ga­no zieht sich be­wusst an den ei­ge­nen Straf­raum zu­rück. St. Gal­len übt fast auf dem gan­zen Feld mehr Druck aus als die Kon­kur­renz. Und der FCZ? Bricht im Mit­tel­feld zu­sam­men. Die Ur­sa­chen­for­schung ist nicht ein­fach. Klar ist, dass die Zürcher Zen­trums­spie­ler kei­ne Do­mi­nanz aus­strah­len. In al­len drei Par­ti­en ha­ben die FCZ-Mit­tel­feld­spie­ler we­ni­ger de­fen­si­ve Ak­tio­nen aus­ge­führt als je­ne des Geg­ners. Die Fra­ge ist: Wol­len sie nicht, kön­nen sie nicht oder sind sie Op­fer der tak­ti­schen Aus­rich­tung?

Denn es hat beim FCZ Sys­tem, dass die Ab­wehr­ar­beit we­ni­ger hoch ge­wich­tet wird als der An­griff. Es war Prä­si­dent An­cil­lo Ca­ne­pa, der die Or­der ge­ge­ben hat, in der Nach­wuchs­aus­bil­dung das Haupt­au­gen­merk auf die Of­fen­si­ve zu le­gen. Ist es da ein Wun­der, wenn ein auf dem FCZ-Cam­pus aus­ge­bil­de­ter Trai­ner wie Ma­gnin glaubt, sein Heil lie­ge vor al­lem in der geg­ne­ri­schen Platz­hälf­te? Auch In­te­rims­coach Mas­si­mo Riz­zo kommt aus dem Nach­wuchs. Klar scheint: Nur wenn der FCZ ge­gen Ba­sel das Zen­trum dicht kriegt, hat er ei­ne Chan­ce auf den ers­ten Sieg seit dem 4. Ju­li.

Foto: Lau­rent Gil­lie­ron (Keysto­ne)

Ben­ja­min Ko­lol­li, ei­ner der Zürcher De­fen­siv­sün­der.

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