Klas­si­sche Mu­sik traf auf Jo­del

Elf Jod­le­rin­nen sorg­ten im sonn­täg­li­chen Kon­zert des Men­u­hin Fes­ti­val in der Kir­che Saa­nen für ei­nen un­ge­wöhn­li­chen Auf­takt.

Berner Oberlander - - Region -

Men­dels­sohn liess den Em­men­ta­ler Hoch­zeit­stanz «Bin al­ben a wär­ti Toch­ter gsi» in sei­ner elf­ten Strei­cher­sin­fo­nie (F-Dur) an­klin­gen. So er­hielt man das Ori­gi­nal und die Be­ar­bei­tung ge­bo­ten. Da­bei er­staun­te, wie ge­konnt der vier­zehn­jäh­ri­ge Kn­a­be Men­dels­sohn zu Wer­ke ging. Da liess man­ches auf­hor­chen (et­wa im ein­gän­gi­gen ers­ten Satz) oder auch schmun­zeln (zum Bei­spiel das Ex­pe­ri­men­tie­ren mit düs­te­ren Klang­far­ben im Ad­a­gio).

Vom Feins­ten wa­ren die Wie­der­ga­ben: Die Ober­län­der Frau­en-Jod­ler­grup­pe (Lei­tung: Ma­rie-The­res von Gun­ten) ge­stal­te­te ih­re drei Lie­der in­to­na­ti­ons­rein, dy­na­misch fein ge­stuft und wort­deut­lich. Und das Zürcher Kam­mer­or­ches­ter (ZKO), von Kon­zert­meis­ter Wil­ly Zim­mer­mann um­sich­tig an­ge­führt, be­geis­ter­te mit ei­ner sub­til durch­nu­an­cier­ten, von fri­scher Emp­fin­dung ge­präg­ten Deu­tung von er­heb­li­chem Glanz.

Mo­zarts Meis­ter­wer­ke

Nach der Pau­se wur­de der hei­te­re Grund­ton bei­be­hal­ten. Auf dem Pro­gramm stan­den nun zwei Meis­ter­wer­ke von Mo­zart, dem Früh­voll­ende­ten. Ru­dolf Buch­bin­der be­stä­tig­te im Kla­vier­kon­zert Nr. 21 C-Dur KV 467 sein Re­nom­mee in ei­ner sou­ve­rän kon­trol­lier­ten In­ter­pre­ta­ti­on mit kla­ren Kon­tu­ren, die auch vom leb­haf­ten Aus­tausch mit dem Orches­ter pro­fi­tier­te. Den Hö­he­punkt bil­de­te das wun­der­ba­re An­dan­te, in wel­chem Buch­bin­ders ver­in­ner­lich­tes Spiel ge­nau die Ba­lan­ce fand zwi­schen Me­lan­cho­lie, Hoff­nung und Schön­heit.

Das ZKO be­währ­te sich nicht nur als vi­ta­les Be­gleit­en­sem­ble, son­dern auch in der so­lis­ti­schen Her­aus­for­de­rung: In der Sin­fo­nie Nr. 29 A-Dur KV 201 des 18-jäh­ri­gen Ge­nies mo­bi­li­sier­te es näm­lich al­le gu­ten Geis­ter in­spi­rier­ten Mu­si­zie­rens. Die­ser Mo­zart nahm nicht nur durch Spiel­freu­de und Trans­pa­renz für sich ein. Er be­sass auch Ecken und Kan­ten und lös­te in der prak­tisch voll be­setz­ten Kir­che Saa­nen zu Recht hef­ti­gen Ap­plaus (und zwei Zu­ga­ben) aus. Erich Bing­ge­li

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