Die Hart­nä­ckig­keit darf nicht nach­las­sen

Berner Oberlander - - Region -

Zu­erst sa­nie­ren. Dann re­struk­tu­rie­ren. Und jetzt die Vor­wärts­stra­te­gie an­wen­den. So brin­gen Heinz Brand und Mat­thi­as In-Al­bon den Fahr­kurs der einst schlin­gern­den Berg­bah­nen Des­ti­na­ti­on Gstaad (BDG) auf den Punkt. Der Um­satz nahm er­neut zu.

Dreis­sig Jah­re lie­gen zwi­schen den bei­den. Und es gibt auch sonst noch äus­ser­li­che Un­ter­schie­de. Aber die Che­mie zwi­schen ih­nen, die stimmt. Das be­stä­ti­gen die bei­den Köp­fe, die nach aussen die Berg­bah­nen Des­ti­na­ti­on Gstaad (BDG) ver­kör­pern, uni­so­no. Der ei­ne ist Heinz Brand, 63-jäh­rig, seit 2015 Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent der BDG. Der an­de­re ist Mat­thi­as In-Al­bon, 33-jäh­rig, aus dem Wal­lis ge­hol­ter Ge­schäfts­füh­rer. Eben­falls seit drei Jah­ren da­bei und dar­an, ein schon fast dar­nie­der­lie­gen­des Ge­bil­de aus dem Mo­rast zu zie­hen. In die­sem steck­te die BDG näm­lich 2015 noch tief, ehe die Saaner Ge­mein­de­ver­samm­lung in je­nem Herbst ei­ne um­fas­sen­de Sa­nie­rungs­ak­ti­on ab­seg­ne­te, mit der im fol­gen­den Jahr be­gon­nen wur­de.

Auch un­po­pu­lä­re Ent­schei­de

Seit­her ver­su­chen der sei­ne Emo­tio­nen sel­ten zu­rück­hal­ten­de Alt-Bä­cker­meis­ter und di­plo­mier­te Kauf­mann Brand und der sei­ne Fach­kennt­nis­se in ru­hi­ge Wor­te fas­sen­de CEO In-Al­bon, ih­re gros­se Ge­mein­sam­keit nutz­brin­gend ein­zu­set­zen. Und zwar für das Ge­dei­hen des Bahn­un­ter­neh­mens und die volks­wirt­schaft­li­che Kraft der Re­gi­on zwi­schen Saa­nen/Gstaad und der Ge­mein­de St. Ste­phan im Ober­simm­en­tal. Wo­bei letzt­ge­nann­te Ge­mein­de, die auch zur BDG ge­hört, sich in ei­ner Aus­nah­me­si­tua­ti­on be­fin­det (sie­he Kas­ten). Item. Zur gros­sen Ge­mein­sam­keit der bei­den: Sie heisst Hart­nä­ckig­keit. «Wir muss­ten auch vie­le un­po­pu­lä­re Ent­schei­de fäl­len und ha­ben uns nicht im­mer be­liebt ge­macht. Aber die Ent­schei­de tra­gen ers­te Früch­te», weiss Heinz Brand zu be­rich­ten: «Die Pfei­le zei­gen auf Grün.» Der Tur­naround ist, wie die­se Zei­tung schon be­rich­te­te, trotz wirt­schaft­lich schwie­ri­ger Rah­men­be­din­gun­gen ge­schafft wor­den. Mat­thi­as In-Al­bon legt nach: «Die ers­ten zwei Jah­re wa­ren sehr kos­ten­fo­kus­siert. Da­bei konn­ten pro Jahr die Kos­ten bis zu 4,5 Mil­lio­nen Fran­ken ge­senkt wer­den.» In­dem die Ab­läu­fe ver­schlankt und das Per­so­nal ab­ge­baut wur­de. Aus den vor­mals rund 160 sind 134 auf Voll­zeit ge­rech­ne­te Stel­len ge­wor­den. Mit ma­xi­mal 327 An­ge­stell­ten (vie­le in Teil­zeit und Sai­son­an­stel­lung) im Win­ter. «2016 ha­ben wir sa­niert, 2017 re­struk­tu­riert. Und jetzt kön­nen wir die Vor­wärts­stra­te­gie fah­ren und um­set­zen», sagt In-Al­bon.

Er­öff­nung am 15. De­zem­ber

Weil al­so das Sa­nie­rungs­kon­zept kon­se­quent um­ge­setzt wur­de, kann jetzt auch in die Wer­te­ver­bes­se­rung und die Er­neue­rung der teils ver­al­te­ten An­la­gen in­ves­tiert wer­den. Hier­zu ge­hört ak­tu­ell vor al­lem der Neu­bau der Saaners­loch­bahn für 29 Mil­lio­nen Fran­ken, der seit April auf Voll­tou­ren läuft. 95 Pro­zent der Ar­bei­ten hät­ten da­bei an lo­ka­le Un­ter­neh­men ver­ge­ben wer­den kön­nen, gibt Heinz Brand stolz zu ver­ste­hen. Die Er­öff­nung der Bahn er­folgt am 15. De­zem­ber.

Auch beim ge­plan­ten Bau der Egg­li­bahn für 15 Mil­lio­nen er­war­tet man im Au­gust den rechts­gül­ti­gen Ge­neh­mi­gungs­ent­scheid des Bun­des­amts für Ver­kehr. Die Än­de­rung der Über­bau­ungs­ord­nung des Schnee­sport­ge­biets Egg­li-Pra Clu­en als raum­pla­ne­ri­sche Vor­aus­set­zung für die Bau­ge­neh­mi­gung der Pan­ora­ma­ka­bi­nen­bahn muss­te zäh er­run­gen wer­den, da ein Land­ei­gen­tü­mer sei­ne Ein­spra­che wäh­rend zwei­er Jah­re auf­recht­er­hielt. «Am Schluss ha­ben wir nun ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung ge­fun­den und uns wei­ter auch be­reit ge­zeigt, den ge­wünsch­ten Um­welt­an­lie­gen be­tref­fend Schutz von Wald und Land des Ein­spre­chers nach­zu­kom­men», er­klärt In-Al­bon.

In­ves­tiert wor­den sind die letz­ten zwei Jah­re auch über 10 Mil­lio­nen in die Er­neue­rung der tech­ni­schen Be­schnei­ung. Die zum Teil ver­al­te­ten Be­schnei­ungs­lan­zen wur­den da­bei durch leis­tungs­stär­ke­re Schnee­er­zeu­ger er­setzt. Ökostrom, Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Ein­hal­tung der Rest­was­ser­men­ge sind für die BDG ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, gibt In-Al­bon zu ver­ste­hen. Das Un­ter­neh­men steht für Nach­hal­tig­keit und sorg­fäl­ti­gen Ge­brauch der Res­sour­cen ein.

Aus Not ei­ne Tu­gend ge­macht

Was das Duo Brand/In-Al­bon auch po­si­tiv wer­tet, ist die Top-4Kam­pa­gne der vier Ober­län­der Des­ti­na­tio­nen Jung­frau­re­gi­on, Mei­rin­gen-Has­li­berg, Len­kA­del­bo­den und Gstaad mit der Sai­son­kar­te für 666 Fran­ken, wel­che es Ski­fah­ren­den von Bern und wei­ter her er­mög­licht, in Thun zu ent­schei­den, wo sie nun den Ski­tag ver­brin­gen möch­ten. «Das hat un­ter an­de­rem un­se­re Er­stein­stie­ge so­wie den Ver­kehrser­trag je­weils um 18 Pro­zent er­höht, oh­ne dass wir den Durch­schnitts­preis sen­ken müs­sen», weiss InAl­bon. Und das, oh­ne auf Dum­ping­preis-Ak­tio­nen wie et­wa Saas-Fee (Sai­son­kar­te für 222 re­spek­ti­ve nun 255 Fran­ken) oder den Ma­gic Pass für Waadt, Wal­lis und Ju­ra (Sai­son­kar­te für 359 re­spek­ti­ve nun 459 Fran­ken) ein­ge­hen zu müs­sen, was laut In-Al­bon nicht in­fra­ge ge­kom­men wä­re. «Das war ein sehr schnell und wer­be­wirk­sam um­ge­setz­ter Ent­scheid», sagt Brand zur Top-4Kam­pa­gne. «Wir ha­ben aus der Not ei­ne Tu­gend ge­macht.» Und die BDG konn­te so aber­mals punk­ten.

So­mit ist das ehe­mals schwer­fäl­lig auf­ge­stell­te Trans­port­un­ter­neh­men auf ei­nem gu­ten Weg, sich zum mo­der­nen und un­ter­neh­me­risch aus­ge­rich­te­ten Di­enst­leis­tungs­be­trieb zu mau­sern. «Da sind wir wie die SBB. Sie muss­ten ihr Image aus al­ten Zei­ten auch ab­le­gen», er­läu­tert der Ge­schäfts­füh­rer. Die An­ge­stell­ten wer­den auf Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit ge­trimmt und dar­in ge­för­dert, dass sie sich wei­ter­bil­den und auf Ka­der­stu­fe auch in der La­ge sind, Füh­rungs­auf­ga­ben zu über­neh­men. Die­sen Spa­gat zu schaf­fen, ist die neue Her­aus­for­de­rung. «Mei­ne Er­fah­run­gen zei­gen, dass das sehr schwer um­zu­set­zen ist», sagt Heinz Brand. «Doch ste­ter Trop­fen höhlt den Stein. Und wir wol­len auf kei­nen Fall re­si­gnie­ren. Da­zu ha­ben wir stra­te­gisch und ope­ra­tiv ein sehr gut auf­ge­stell­tes Team.» Die Er­ar­bei­tung der neu­en Un­ter­neh­mens­stra­te­gie im ver­gan­ge­nen Jahr sei ein «wich­ti­ges In­stru­ment, mit dem man nun ar­bei­ten kann», sagt Brand.

Kei­ne Lethar­gie

Viel Ge­wicht soll auf die Freund­lich­keit ge­legt wer­den. «Sie wird von den Gäs­ten in un­se­ren ste­ten Um­fra­gen am meis­ten er­wähnt und er­war­tet», so In-Al­bon. «Und hier müs­sen wir dar­an ar­bei­ten. Wir kön­nen den Er­war­tungs­grad noch nicht ganz er­fül­len. Da­bei kos­tet uns das kei­nen Rap­pen.» Heinz Brand er­wähnt als Bei­spiel ei­ni­ge der teil­zeit­lich an­ge­stell­ten Land­wir­te im Win­ter: «Wir sind froh um die vie­len Ein­hei­mi­schen, aber es ist manch­mal gar nicht so ein­fach, ih­nen bei­zu­brin­gen, dass ein Lä­cheln, ein auf­mun­tern­der Blick oder ei­ne Hil­fe leis­ten­de Ges­te uns nichts kos­tet.» Dar­um müs­se je­der auch wis­sen, wo er sei­nen Auf­ga­ben­be­reich im Be­trieb ha­be, fügt Brand hin­zu. Mat­thi­as In-Al­bon geht es dar­um, nicht nach­zu­las­sen, da­mit kei­ne Lethar­gie auf­kommt. Fak­to­ren wie Lohn­trans­pa­renz und -gleich­heit zwi­schen Frau und Mann sind ein­ge­rich­tet. Nicht zu­letzt auch we­gen der Hart­nä­ckig­keit des Du­os Brand und In-Al­bon. Svend Pe­ter­nell

«Die ers­ten zwei Jah­re wa­ren sehr kos­ten­fo­kus­siert. Da­bei konn­ten sie pro Jahr bis zu 4,5 Mil­lio­nen ge­senkt wer­den.»

Mat­thi­as In-Al­bon «An der Freund­lich­keit müs­sen wir ar­bei­ten. Das kos­tet uns kei­nen Rap­pen.»

Mat­thi­as In-Al­bon «Die Ent­schei­de tra­gen ers­te Früch­te. Die Pfei­le zei­gen auf Grün.»

Heinz Brand

Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung

fin­det am Sams­tag, 25. Au­gust, um 9 Uhr in der Simm­en­tal-Are­na von Zweis­im­men statt.

Fo­to: PD

Der Neu­bau der Saaners­loch-Gon­del­bahn für 29 Mil­lio­nen Fran­ken – hier die Berg­sta­ti­on – läuft auf Voll­tou­ren. Ei­ne Welt­neu­heit ist da­bei die glä­ser­ne Sta­ti­ons­ab­de­ckung. Im Hin­ter­grund ist das al­te Bahn­ge­bäu­de mit den Mas­ten zu se­hen.

Fo­to: Svend Pe­ter­nell

Vor weg­wei­sen­den Bahn­pro­jek­ten (v. l.): Heinz Brand, Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent, und Mat­thi­as In-Al­bon, Ge­schäfts­füh­rer der BDG.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.