Der tie­fe Fall der Uh­ren­mes­se

Jahr­zehn­te­lang war die Mes­se ein Muss für die Uh­ren­bran­che. Jetzt kehrt Swatch dem An­lass den Rü­cken. Die Ak­tie der Ba­sel­world-Or­ga­ni­sa­to­rin bricht ein.

Berner Oberlander - - Wirtschaft -

Die ak­tu­el­len Schwie­rig­kei­ten der Ba­sel­world sind Nach­we­hen der Jah­re 2015 und 2016.

Die Bom­be lässt der Kon­zern­chef des welt­weit gröss­ten Uh­ren­kon­zerns mit Sitz in Biel im In­ter­view mit der «NZZ am Sonn­tag» plat­zen: «Die Swatch Group hat be­schlos­sen, ab 2019 nicht mehr an der Ba­sel­world prä­sent zu sein», sag­te Nick Hay­ek. Sei­ne Grup­pe ha­be wäh­rend Jah­ren mit fast al­len sei­ner 18 Mar­ken – dar­un­ter Ome­ga, Bre­guet und Cer­ti­na – teil­ge­nom­men. «Heu­te ist je­doch al­les trans­pa­ren­ter, schnell­le­bi­ger und spon­ta­ner ge­wor­den. Die tra­di­tio­nel­len jähr­li­chen Uh­ren­mes­sen sind dar­um für uns nicht mehr sinn­voll», so Hay­ek.

Das ist ei­ne über­ra­schen­de Neu­ig­keit für die Uh­ren­in­dus­trie und ein wei­te­rer Tief­schlag für die Uh­ren­mes­se in Ba­sel. Noch En­de März hat­ten die Or­ga­ni­sa­to­ren mit­ge­teilt, die Aus­ga­be für 2019 sei ge­si­chert, da auch die Swatch Group zu­ge­sagt ha­be. Nach Hay­eks Aus­sa­gen sieht nun al­les wie­der an­ders aus. Die Grup­pe ist die gröss­te Teil­neh­me­rin der Ba­sel­world. Swatch in­ves­tier­te für den Auf­tritt ih­rer Mar­ken 50 Mil­lio­nen Fran­ken.

Be­reits an der dies­jäh­ri­gen Aus­ga­be des Bran­chen­treffs fehl­ten im Ver­gleich zu 2017 mehr als 600 Aus­stel­ler. Die Ba­sel­world-Or­ga­ni­sa­to­rin MCH Group muss­te des­halb Mes­se­hal­len schlies­sen und die Uh­ren­mes­se um zwei Ta­ge ver­kür­zen. Die An­le­ger re­agier­ten prompt. Der Ak­ti­en­kurs von MCH no­tier­te bei Bör­sen­schluss um 11,3 Pro­zent tie­fer als am Frei­tag­abend.

Es ist ein tie­fer Fall ei­ner tra­di­ti­ons­rei­chen In­dus­trie­mes­se, die äl­ter als hun­dert Jah­re ist. Uh­ren­mar­ken brin­gen in Ba­sel bis zur Hälf­te ih­res Jah­res­um­sat­zes in tro­cke­ne Tü­cher.

Die Grün­de für den Ab­stieg

Was ist ge­sche­hen? Die ak­tu­el­len Schwie­rig­kei­ten der Ba­sel­world sind Nach­we­hen der Jah­re 2015 und 2016. Da­mals war die Uh­ren­in­dus­trie ei­nem schwie­ri­gen kon­junk­tu­rel­len Um­feld mit rück­läu­fi­gen Ex­por­ten aus­ge­setzt. Un­be­kann­te Mar­ken aus dem mitt­le­ren und dem un­te­ren Preis­seg­ment konn­ten sich die ho­hen Stand­mie­ten nicht mehr leis­ten. Sie blie­ben dem An­lass fern. Ver­schärft wur­den die­se Nach­we­hen durch den stei­gen­den Ein­fluss des In­ter­nets. So­zia­le Me­di­en ver­än­dern die klas­si­sche Form der In­dus­trie­mes­se.

Der Ver­lust des Aus­stel­lers Swatch Group ge­fähr­det die Exis­tenz der Ba­sel­world laut de­ren Lei­ter in­des nicht. «Ba­sel­world wird wei­ter­hin exis­tie­ren – egal, was pas­siert», sag­te Mes­se­chef Mi­chel Lo­ris-Me­li­koff ge­gen­über «Le Temps». Es sei zu früh, über ei­nen mög­li­chen Schnee­ball­ef­fekt zu spe­ku­lie­ren.

Lo­ris-Me­li­koff will nichts un­ver­sucht las­sen, den SwatchGroup-Chef doch noch um­zu­stim­men. Nick Hay­ek trat ges­tern sol­chen Hoff­nun­gen zwar ent­ge­gen. Aber: Der 63-Jäh­ri­ge hat­te 2013 mit dem Aus­tritt des von der Swatch Group do­mi­nier­ten Ver­bands der Uh­ren­in­dus­trie aus dem Wirt­schafts­dach­ver­band Eco­no­mie­su­is­se ge­droht. Es blieb bei der An­sa­ge.

Jon Mettler

Fo­to: Ha­rold Cun­ningham (Getty Images)

Die Fas­sa­de von Ba­sel­world: Swatch wird ab 2019 nicht mehr an der Mes­se prä­sent sein.

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