Wo Lords und Göt­ter träu­men

Berner Oberlander - - Sport -

Die ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den der Cham­pi­ons und Eu­ro­pa Le­ague sind die Büh­nen der Klei­nen. Sie bie­ten skur­ri­le Ge­schich­ten und be­kann­te Ge­sich­ter.

In den letz­ten Jah­ren ist es zum Bon­mot ge­wor­den. Es gibt kei­ne Klei­nen mehr. Da­bei ist es oft nur Aus­re­de, wenn das Team ge­gen ei­nen klar schlech­te­ren Geg­ner ver­lo­ren hat. Oder, um dem klar schlech­te­ren Geg­ner zu zei­gen, dass man ihn nicht un­ter­schätzt.

Doch es stimmt nicht. Es gibt sie näm­lich noch, die Klei­nen. Sie kom­men dann zum Vor­schein, wenn die Gros­sen ih­re Trai­nings­la­ger weit weg von der Hei­mat ab­sol­vie­ren und Din­ge wie Moun­tain­bi­ke­tou­ren oder Ri­ver­raf­ting auf dem Übungs­plan ste­hen. Dann er­in­nert man sich wie­der an sie, auf der Büh­ne des Eu­ro­pa­cups. Wer ge­nau hin­sieht, fin­det auch be­kann­te Ge­sich­ter.

Ro­sen­borg Trond­heim (NOR)

das ta­ten in die­ser Zeit nicht mehr vie­le.

«Das Pro­blem war, dass ich zu ei­ner Per­son wur­de, die ich über­haupt nicht er­kann­te», er­klär­te er dem Ma­ga­zin «11 Freun­de». Er fand sich selbst wie­der in Trond­heim, weg von all dem Gla­mour, weg von all dem Lärm, am See beim Fi­schen mit sei­nen Team­kol­le­gen. Er fand sich auch auf dem Fuss­ball­platz wie­der, wur­de Tor­schüt­zen­kö­nig, schoss Ro­sen­borg zum Meis­ter­ti­tel und in die Qua­li­fi­ka­ti­on zur Cham­pi­ons Le­ague, wo es auf Cel­tic Glas­gow trifft.

Als er im Herbst 2017 sein Come­back in der dä­ni­schen Na­tio­nal­mann­schaft gab, hiel­ten die Fans ein Ban­ner hoch. «FRA LORT TIL LORD» stand da drauf. Aus Scheis­se zum Lord. pha­se zu er­rei­chen, ha­ben sich nun ver­grös­sert.»

Doch die Fans konn­te er nicht be­ru­hi­gen. In den Fo­ren wird wild dis­ku­tiert, «Was sind wir nun, ein Tank­stel­len-Team?», fragt ei­ner. Und auch der ge­wünsch­te sport­li­che Er­folg lässt auf sich war­ten. In der Cham­pi­ons-Le­ague-Qua­li­fi­ka­ti­on schau­te im Hin­spiel ge­gen Lu­do­go­rez Ras­grad nur ein 0:0 her­aus. Was dem Prä­si­den­ten hel­fen könn­te? Ein Blick in die Ver­gan­gen­heit. Denn was die Fans zu ver­ges­sen schei­nen: Ihr Team trug be­reits ei­nen Spon­so­ren­na­men. Vi­deo­ton, der Na­me, den das Team seit 1968 trug, stammt von der gleich­na­mi­gen Elek­tro­nik-Fir­ma. nackt aus und be­nutz­te den Po­kal, um sei­ne Ge­ni­ta­li­en zu ver­de­cken.

«Wir ver­ste­hen, dass so ein Cup­sieg et­was Gros­ses ist», liess der Ver­band sehr di­plo­ma­tisch ver­lau­ten, «aber das kann man auch in ei­ner Art ma­chen, die dem Po­kal ein biss­chen mehr Re­spekt ent­ge­gen­bringt.» Der Po­kal heisst in Nor­we­gen Kö­nigs­po­kal. «Viel­leicht soll­te ich mich beim Kö­nig ent­schul­di­gen», mein­te Mel­gal­vis ei­nen Tag spä­ter dann auch reu­ig.

Vor­stands­vor­sit­zen­der soll er sein, so­wie für die Ent­wick­lung des Ver­eins und die Ko­or­di­na­ti­on der Nach­wuchs­ab­tei­lung zu­stän­dig sein. Ob das gut kommt? Die Fort­set­zung folgt be­stimmt. Karl-Heinz Rum­me­nig­ge wet­ter­te einst: «Fussball ist kei­ne Ma­the­ma­tik!». Ein klei­ner Club in Dä­ne­mark straft ihn seit Jah­ren Lü­gen. Der FC Midtjyl­land be­rech­net seit 2014 so­wohl sei­ne Trans­fers als auch sei­ne Tak­tik – und hat da­mit gros­sen Er­folg. En­de der ver­gan­ge­nen Sai­son fei­er­te er den zwei­ten Meis­ter­ti­tel sei­ner Ge­schich­te.

Midtjyl­land hat­te schon im­mer den Ruf, in­no­va­tiv zu sein. Als ers­ter dä­ni­scher Ver­ein grün­de­te er 2004 ei­ne Fuss­ball­schu­le. Als der Club 10 Jah­re spä­ter vor dem Kon­kurs stand, sprang der En­g­län­der Mat­t­hew Ben­ham als Geld­ge­ber ein. Doch er stell­te ei­ne Be­din­gung: In Midtjyl­land soll künf­tig ge­rech­net wer­den.

Und so ge­schah es. Wenn der Al­go­rith­mus stimmt, wird bei der Ver­pflich­tung ei­nes neu­en Stür­mers ger­ne ei­ner aus der 2. Bun­des­li­ga ei­nem aus der Pre­mier Le­ague vor­ge­zo­gen. Und der Trai­ner er­hält bei je­dem Spiel in der Halb­zeit ei­ne Ana­ly­se zu­ge­schickt. Sie zeigt ihm auf, wo der Geg­ner Schwä­chen hat und wie am bes­ten To­re er­zielt wer­den.

Seit Ben­ham bei Midtjyl­land ein­ge­stie­gen ist, spielt der Club je­des Jahr im Eu­ro­pa­cup. In die Grup­pen­pha­se schaff­te er es aber nur ein­mal, in der Sai­son 2015/2016. Aber auch da­für gibt es ei­ne lo­gi­sche Er­klä­rung: Bei K.-o.-Spie­len ist der Zu­falls­fak­tor viel grös­ser, als über ei­ne gan­ze Sai­son ge­rech­net. Der Fall in der ar­me­ni­schen Li­ga schien ei­gent­lich klar. Ei­ne Run­de vor Schluss lag der FC Shi­rak um drei Punk­te in Füh­rung. Doch dann kam al­les an­ders. Ei­nen Tag vor der letz­ten Run­de gab der Ver­band be­kannt, dass er Shi­rak 12 Punk­te ab­zieht. Ara­rat Ha­ru­ty­un­yan, der Sport­chef von Shi­rak, war des Be­trugs über­führt wor­den.

Im Mai hat­te er sich vor dem Spiel ge­gen Ye­re­van Ba­lan­ta mit Ed­ward Kpo­do in sei­nem Au­to ver­ab­re­det. Ha­ru­ty­un­yan gab ihm 1000 Dol­lar, 4000 mehr soll­ten fol­gen. Der Ver­tei­di­ger von Ba­lan­ta soll­te da­für nur ei­nes tun: schlecht spie­len. Statt­des­sen ging die­ser di­rekt zur Club­füh­rung, die mel­de­te es der Li­ga, und Shi­rak war sei­ne Punk­te los.

So wur­de Alash­kert Mar­tu­ni zum drit­ten Mal in Fol­ge ar­me­ni­scher Meis­ter. Die 1000 Dol­lar be­hielt Kpo­do üb­ri­gens, der Sport­chef ha­be ihm so­wie­so noch Geld ge­schul­det.

Fo­to: Ser­gei Ga­pon (AFP)

Die Hand Got­tes winkt: Ma­ra­do­na wird in Brest ein­ge­fah­ren.

Fo­to: AFP

Ein Strip mit Fol­gen: Aleksan­der Mel­gal­vis bei Lil­le­ströms Po­kal­fei­er.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.