Op­fer der Kreuz­fahrt

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Um den Mit­ar­bei­ter ei­nes Kreuz­fahrt­schiffs zu schüt­zen, wird auf Spitz­ber­gen ein Eis­bär er­schos­sen. Über ge­fähr­li­che Be­geg­nun­gen im Po­lar­kreis.

Am Eis­bär kommt auf Spitz­ber­gen kein Tou­rist vor­bei: Es gibt ihn auf T-Shirts und Tas­sen ge­druckt, aus Ple­xi­glas und aus Scho­ko­la­de, und so­gar im Warn­drei­eck: «Po­lar be­ar cros­sing». Je­der Fe­ri­en­gast, der so weit in den Nor­den ge­fah­ren ist und so viel Geld da­für be­zahlt hat, möch­te das Tier na­tür­lich auch le­bend se­hen. Ein Vor­fall wie am Wo- che­n­en­de, als ein Eis­bär er­schos­sen wur­de, der ein Mit­glied ei­ner Kreuz­fahrt­crew an­ge­grif­fen und ver­letzt hat­te, ist für die Tou­ris­mus­in­dus­trie des nor­we­gi­schen Ar­chi­pels ein De­ba­kel. Die Ree­de­rei Ha­pag-Lloyd teil­te mit, man be­dau­re den Vor­fall sehr. In den so­zia­len Me­di­en wur­de das Un­ter­neh­men den­noch hef­tig kri­ti­siert: Mit Rei­sen in die Po­lar­re­gi­on wer­de der Le­bens­raum der vom Aus­ster­ben be­droh­ten Tie­re wei­ter ein­ge­schränkt.

Laut ei­ner im Jour­nal «Po­lar Re­se­arch» ver­öf­fent­lich­ten Zäh­lung aus dem Jahr 2017 le­ben rund um Spitz­ber­gen 264 Eis­bä- ren, zählt man die Tie­re auf dem Pack­eis noch hin­zu, dürf­ten es knapp tau­send sein. Zu ge­fähr­li­chen Be­geg­nun­gen könn­te es in Zu­kunft al­ler­dings deut­lich öf­ter kom­men. Das Jagd­re­vier der Tie­re schmilzt – und Men­schen sind für Eis­bä­ren Beu­te­tie­re.

Dass Tou­ris­ten den Bä­ren nicht zu na­he kom­men, da­für wird auf der In­sel viel ge­tan. Je­der Gast wird bei Land­aus­flü­gen von Gui­des be­glei­tet, die ihn dar­auf hin­wei­sen, dass es un­ter­sagt ist, sich den Tie­ren zu nä­hern, ih­nen nach­zu­fah­ren oder sie zu füt­tern. Die be­waff­ne­ten Gui­des ha­ben kla­re An­wei­sung, nur im Not­fall auf Eis­bä­ren zu schies­sen. Sie müs­sen erst ver­su­chen, sie mit Leucht­kör­pern oder Schüs­sen in die Luft zu ver­trei­ben.

Für die Aus­bil­dung der Gui­des hat die Arc­tic Uni­ver­si­ty Nor­we­gens im Haupt­ort Lon­gye­ar­by­en ei­ne ein­jäh­ri­ge Aus­bil­dung ent­wi­ckelt. Und der Ver­band der An­bie­ter von Ark­tis­rei­sen hat Re­geln er­stellt, wie vie­le Gäs­te gleich­zei­tig an Land ge­hen dür­fen und wel­che Min­dest­ab­stän­de ein­zu­hal­ten sind. Dass im­mer mehr gros­se Kreuz­fahrt­schif­fe Spitz­ber­gen an­steu­ern, se­hen aber nicht zu­letzt die Ein­hei­mi­schen kri­tisch. hc/mma

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