Neu­es Al­bum von Her­bert Grö­ne­mey­er

Fern­se­hen Am Sonn­tag­abend zeigt SRF den Schwei­zer Film «Weg­lau­fen geht nicht». Trotz ei­ni­ger ver­meid­ba­rer Kli­schees be­rührt das Werk über ei­ne quer­schnitt­ge­lähm­te Frau, die nicht auf­gibt.

Berner Oberlander - - Vorderseite - Mar­tin Burk­hal­ter

Pop «Tu­mult» heisst die neue Plat­te des deut­schen Mu­si­kers. Er for­dert da­rin Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten ein – und strahlt da­mit in tur­bu­len­ten Zei­ten ei­ne gu­te Ru­he aus.

Um es ge­ra­de­her­aus zu sa­gen: Das ist al­les ein biss­chen seicht. Und die Ge­schich­te ist jetzt auch nicht ei­ne, die noch nie ge­zeigt wor­den wä­re, ge­ra­de an Sonn­tag­aben­den in ei­nem Fern­seh­film. Und doch.

Ein Au­to­un­fall fes­selt die auf­ge­weck­te, le­bens­hung­ri­ge 21-jäh­ri­ge Elo­die (An­ni­na Eu­ling) an den Roll­stuhl. Neu­en Le­bens­mut fin­det sie sehr bald im Roll­stuhl­sport. Un­ter­stützt wird sie bei ih­ren Am­bi­tio­nen von der et­was ge­häs­si­gen, lau­ni­schen und dem Al­ko­hol nicht ganz ab­ge­neig­ten Trai­ne­rin Isa­bel­le (Su­san­ne-Ma­rie Wra­ge).

Der vom Schwei­zer Fern­se­hen SRF pro­du­zier­te Film un­ter der Re­gie von Mar­kus Wel­ter wur­de mit der Un­ter­stüt­zung des Schwei­zer Pa­ra­ple­gi­ker-Zen­trums in Nott­wil rea­li­siert. Im Film sind denn auch ei­ni­ge re­nom­mier­te Roll­stuhl­sport­ler wie Mar­cel Hug zu se­hen. Mit Schau­spie­ler Kay Ky­se­la («Wil­der») ge­hört so­gar ein Ber­ner mit zum En­sem­ble.

Zu vie­le Kli­schees

Et­was flach wird der Film dann, wenn er zei­gen will, wie die An­ge­hö­ri­gen ver­su­chen, mit dem Schick­sals­schlag um­zu­ge­hen. Elo­dies Mut­ter, ge­spielt von Sa­rah Spa­le («Wil­der»), und ihr Va­ter (Mar­tin Ra­pold, «Plötz­lich Deutsch») sind über­for­dert. Die Sze­nen in­ner­halb die­ser gut­bür­ger­li­chen und eben­so gut­be­tuch­ten Fa­mi­lie ir­gend­wo im Zü­ri­biet kom­men schreck­lich oft wie ein Wer­be­spot ei­nes Gross­ver­tei­lers da­her. Die Dia­lo­ge wir­ken auf­ge­setzt, wie so oft bei Mun­d­art­fil­men. Auch die sich ent­wi­ckeln­de Lie­bes­be­zie­hung von Elo­die zum ka­pi­ta­lis­mus­feind­li­chen jun­gen Se­cond­hand­wa­ren-Bast­ler Alek (Kay Ky­se­la) lässt nicht all­zu vie­le Kli­schees aus.

Klar ist: Ei­ne tra­gi­sche Ge­schich­te kann nicht oh­ne Hu­mor aus­kom­men. Die fei­ne Ko­mik in «Weg­lau­fen geht nicht» ver­mag oft zu amü­sie­ren, ab und an mal treibt sie ei­nem aber auch ein biss­chen die Fremd­scha­mes­rö­te ins Ge­sicht.

An­ge­neh­me Zu­rück­hal­tung

Al­les rich­tig macht der Film am an­de­ren En­de des Spek­trums: der Tra­gik. Es gibt kei­ne oder kaum Trä­nen­drü­sen­drü­cke­rei. Die Ge­schich­te lässt kei­nen Platz für Sen­ti­men­ta­li­tä­ten, son­dern lebt vom un­ge­heu­ren Kampf­geist der Prot­ago­nis­tin. Dass dies so zum Aus­druck kommt, liegt vor al­lem an der schau­spie­le­ri­schen Leis­tung der So­lo­thur­ne­rin An­ni­na Eu­ling, die aus «Der Läu­fer» be­kannt ist. Sie schafft es, dass man ihr so­wohl den Schmerz und die Angst ab­nimmt als gleich­zei­tig aber auch von ih­rem Le­bens­hun­ger und Op­ti­mis­mus an­ge­steckt wird.

Die­se zu­pa­cken­de und los­le­gen­de Art passt auch ih­rer Trai­ne­rin

Die Ge­schich­te lebt vom un­ge­heu­ren Kampf­geist der Prot­ago­nis­tin.

Isa­bel­le gut, die, an­fangs et­was gar un­sen­si­bel, klar­macht, dass sie nicht viel hält von auf­ge­setz­tem Mit­leid. Un­er­bitt­lich ist sie, wohl aus ei­ge­nen Er­fah­run­gen im Leis­tungs­sport. Aber auch, und das zeigt der Film deut­lich, Op­fer sein ist kei­ne Op­ti­on. Hil­fe wird dann und wann zwar noch ge­bo­ten. Aber ein Roll­stuhl löst in der Ge­sell­schaft kaum An­teil­nah­me, kaum Mit­ge­fühl aus.

Ins­ge­samt un­ter­hal­tend

Lei­der folgt dann wie­der et­was bei­läu­fig ein biss­chen El­tern­kon­flikt, Ent­frem­dung, Ge­sell­schafts­kri­tik, ei­ne un­ge­sun­de, un­sym­pa­thi­sche Ver­bis­sen­heit und ein zwar über­ra­schen­des, aber auch nicht ge­ra­de atem­be­rau­ben­des Fi­na­le.

Für ei­nen Sonn­tag­abend, den viel­leicht noch ein­zi­gen Mo­ment, wo vor dem Fern­seh­ge­rät die­se nost­al­gi­sche Fa­mi­li­en-La­ger­feu­er-Stim­mung auf­kommt, kann die­ser Film durch­aus un­ter­halt­sa­me 90 Mi­nu­ten bie­ten. In ei­nem In­ter­view mit der «Schweiz am Sonn­tag» hat An­ni­na Eu­ling vor kur­zem ge­sagt, dass die Mit­wir­kung bei die­sem The­ma für sie ein Her­zens­an­lie­gen ge­we­sen sei.

So ist die­ser Film. Ein biss­chen seicht, ja. Aber er macht auch Mut.

«Weg­lau­fen geht nicht»: Sonn­tag, 11. No­vem­ber, 20.05, SRF 1

Fo­to: SRF

Lie­be trotz Hin­der­nis­sen: Elo­die (An­ni­na Eu­ling) und Alek (Kay Ky­se­la) be­geg­nen sich nach Elo­dies Un­fall zum ers­ten Mal.

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