Mit dem Kopf in den Wol­ken

Mein Job Bar­ba­ra Bir­cher ist seit knapp acht Jah­ren Flug­be­glei­te­rin bei der Flug­ge­sell­schaft Edel­weiss. Die 28-Jäh­ri­ge er­zählt, wie man Jet­lag vor­beu­gen kann und war­um die Welt für sie im­mer klei­ner wird.

Berner Oberlander - - Forum - Ni­ko­la Sto­sic ch re­dak­ti­on@ber­n­er­zei­tung. Fahr­rad? Ver­misst: Porte­mon­naie. www.sms.ber­n­er­zei­tung.ch

«Über den Wol­ken muss die Frei­heit wohl gren­zen­los sein», singt Rein­hard Mey in sei­nem be­kann­tes­ten Lied. Auch Bar­ba­ra Bir­cher (28) aus Ma­dis­wil ver­folg­te ihr Le­ben lang ei­ne sol­che Frei­heit. Die­se fand sie schliess­lich in ih­rem Traum­job als Flug­be­glei­te­rin für die Flug­ge­sell­schaft Edel­weiss.

Der Weg dort­hin be­gann, als Bar­ba­ra Bir­cher 2008 nach der Ma­tur in die Do­mi­ni­ka­ni­sche Re­pu­blik reis­te. Dort ar­bei­te­te sie rund ein Jahr lang in ei­nem Ho­tel, in dem aus­ge­rech­net die Edel­weiss-Cr­ew je­weils über­nach­tet. Die Leu­te, die sie da­bei ken­nen ge­lernt hat­te, brach­ten sie auf den Ge­schmack der Lüf­te, sie durf­te rein­schnup­pern und mit auf ei­nen Flug. «Das ist jetzt schon fast acht Jah­re her», staunt Bar­ba­ra Bir­cher. Die Zeit ist ihr, wie man so schön sagt, wie im Flug ver­gan­gen.

Neu­er Le­bens­stil

Un­zäh­li­ge Flü­ge spä­ter ist ihr die Hö­he oft­mals ver­trau­ter als der Bo­den. «Der Kör­per kennt kei­ne Zeit mehr», so Bar­ba­ra Bir­cher. Man müs­se sich da­mit ab­fin­den, ein­fach kei­nen Rhyth­mus mehr zu ha­ben. Ge­ra­de Nacht­flü­ge und die un­re­gel­mäs­si­gen Zei­ten sei­en im­mer wie­der aufs Neue ei­ne Her­aus­for­de­rung: «Man ge­wöhnt sich halt nie wirk­lich dar­an, um vier Uhr mor­gens auf­zu­ste­hen», sagt sie schmun­zelnd. Nichts­des­to­trotz wür­den die Vor­tei­le des Jobs aber jeg­li­che An­stren­gun­gen über­wie­gen.

Zu den High­lights ge­hö­re klar die Zu­sam­men­ar­beit mit ih­rem Team – «Cr­ew Life», wie sie es nennt. An den Aus­sen­sta­tio­nen und in der Luft sei das Zu­sam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl stets stark aus­ge­prägt. «Wir ar­bei­ten in ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Um­ge­bung, das schweisst zu­sam­men.» Nach Langstre­cken­flü­gen ha­be man als Team auch im­mer ei­ni­ge Ta­ge Zeit, sich an ver­schie­dens­ten Des­ti­na­tio­nen ei­ner­seits aus­zu­ru­hen, die­se an­de­rer­seits aber auch zu er­kun­den: «Ich ha­be mich mitt­ler­wei­le an ei­nen kom­plett an­de­ren Le­bens­stil ge­wöhnt.»

Die­ses «Cr­ew Life» füh­re da­zu, dass man nie wirk­lich nach Hau­se ge­hen wol­le, son­dern ein­fach gleich wie­der ins nächs­te Flug­zeug stei­gen möch­te, schwärmt Bar­ba­ra Bir­cher. Ihr Tipp, um dem da­mit ein­her­ge­hen­den Jet­lag vor­zu­beu­gen: «Man muss mit dem Kopf schla­fen.» Ins­be­son­de­re am ers­ten Tag sol­le man sich an die Ta­ges­zei­ten der De­sti­na­ti­on an­pas­sen und nicht auf den Kör­per hö­ren. Und die Mü­dig­keit, so weit wie mög­lich, zu igno­rie­ren ver­su­chen.

Kein Ge­fühl für Dis­tan­zen

Das Ge­fühl für Dis­tan­zen ge­he eben­falls zu­neh­mend ver­lo­ren: «Die Welt ist für mich viel nä­her zu­sam­men­ge­rückt.» So sei für sie ein Flug­zeug zu be­tre­ten nicht viel an­ders, als in ei­nen Zug oder in ein Tram zu stei­gen: «Das be­deu­tet nicht, dass die Fas­zi­na­ti­on am Flie­gen ver­lo­ren ge­gan­gen ist. Die­se geht aber viel­leicht an man­chen Ta­gen ver­ges­sen.»

Zur Nor­ma­li­tät sei das Flie­gen aber den­noch nicht ge­wor­den. Ge­ra­de hin­ter den Ku­lis­sen wer­de oft viel mehr Ar­beit ge­leis­tet, als dies die Pas­sa­gie­re mit­be­kä­men. Ins­be­son­de­re Mass­nah­men zu Si­cher­heit und Prä­ven­ti­on sei­en ein gros­ser Teil der Ar­beit, Mass­nah­men, die Bar­ba­ra Bir­cher «glück­li­cher­wei­se nie bis sel­ten» an­wen­den müs­se. Zur Flug­si­cher­heit wür­den nicht nur die oft­mals igno­rier­ten An­wei­sun­gen vor dem Flug ge­hö­ren.

To­ma­te bleibt To­ma­te

Schliess­lich kennt Bar­ba­ra Bir­cher auch man­che Ma­cken der Pas­sa­gie­re. Zum Bei­spiel: «Un­glaub­lich vie­le Pas­sa­gie­re schi­cken ih­ren To­ma­ten­saft wie­der zu­rück.» Man sol­le sich des­halb lie­ber zwei­mal über­le­gen, ob man die­sen be­stel­len möch­te, denn «To­ma­ten­saft ist und bleibt auch in der Luft To­ma­ten­saft».

Auf die Fra­ge, ob sie denn sel­ber nach all den Jah­ren das Flug­zeu­ges­sen noch ge­nies­sen kön­ne, schmun­zelt sie: «Zwi­schen­durch muss ich mal was von zu Hau­se mit­neh­men.» Das Es­sen sei aber trotz­dem ab­wechs­lungs­reich ge­nug.

Nach knapp acht Jah­ren in der Luft sieht Bar­ba­ra Bir­cher aber trotz­dem lang­sam das En­de am Ho­ri­zont. Voll­zeit durch die Welt flie­gen kom­me für sie in Zu­kunft wohl nicht mehr in­fra­ge. Sie will mehr Zeit zu Hau­se ver­brin­gen: «Wenn man viel weg ist, wird die Welt zwar klei­ner, die Hei­mat rückt aber gleich­zei­tig wei­ter in die Fer­ne.» So freue sie sich im­mer wie­der, nach Ma­dis­wil zu­rück­zu­keh­ren, auch wenn Zürich auf­grund ih­rer Ar­beit seit Jah­ren ih­re Wahl­hei­mat ist. «Bern ist den­noch der Flug­ha­fen, den ich per­sön­lich im­mer wie­der an­pei­le», sagt Bar­ba­ra Bir­cher. Wie ih­re Zu­kunft ge­nau aus­sieht, steht aber noch in den Wol­ken.

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(Ver­merk: Mein Job). sei­nen

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Fo­to: Urs Jau­das

Die Kof­fer ge­packt und be­reit für den nächs­ten Flug: Bar­ba­ra Bir­cher vor ih­rem nächs­ten Ein­satz.

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