Geis­ter­ren­nen am Lau­ber­horn und am Chue­nis­bär­g­li

Die Welt­cup­ren­nen in Adel­bo­den und Wen­gen fin­den oh­ne Pu­bli­kum statt. Die Ver­an­stal­ter zei­gen sich den­noch ver­hal­ten zu­ver­sicht­lich.

Berner Oberlander - - Vorderseit­e - Nik Sar­bach und Chris­toph Buchs

Über­ra­schend kam sie nicht, die An­kün­di­gung von Swiss-Ski, dass die Welt­cups­ki­ren­nen und das Welt­cup­s­ki­sprin­gen die­se Sai­son we­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie oh­ne Pu­bli­kum statt­fin­den. Mit die­sem Ent­scheid schaf­fe man re­la­tiv früh­zei­tig kla­re Rah­men­be­din­gun­gen für die Ver­an­stal­ter.

Der Ge­schäfts­füh­rer der SkiWelt­cup Adel­bo­den AG, Chris­ti­an Hau­e­ter, spricht von ei­nem ein­schnei­den­den Ent­scheid, der in en­ger Ab­spra­che mit dem Ver­band

und Swiss Olym­pic ge­fal­len sei. Der Ti­cket­ver­kauf, Ein­nah­men aus der Gas­tro­no­mie und das lo­ka­le Spon­so­ring deck­ten üb­li­cher­wei­se rund drei Vier­tel des Bud­gets, sagt Hau­e­ter – all das fällt nächs­te Sai­son weg. Mit ge­wis­sen Neue­run­gen, vor al­lem im Zu­sam­men­hang mit dem

Welt­cup­dorf, müs­se man nun bis 2022 war­ten. Ein­schnei­dend ist der Ent­scheid auch für die Lau­ber­horn­ren­nen in Wen­gen: «Es fällt mir der­zeit noch sehr schwer, mir die­sen An­lass oh­ne Zu­schau­er und de­ren Emo­tio­nen vor­zu­stel­len», sagt OK-Prä­si­dent Urs Näpflin.

Ein Welt­cup­ren­nen am Chue­nis­bär­g­li oh­ne Pu­bli­kum – das ist ei­ne spe­zi­el­le Vor­stel­lung. Chris­ti­an Hau­e­ter: De­fi­ni­tiv. Wenn man die At­mo­sphä­re im Ziel­raum kennt, dann ist ein Ren­nen oh­ne Tri­bü­ne und Pu­bli­kum heu­te noch nicht vor­stell­bar.

Die Ski­be­geis­ter­ten wer­den sich wohl ein­fach am Pis­ten­rand auf­stel­len …

Das ist nicht die Idee. Wir bit­ten die Be­völ­ke­rung, nicht ans Chue­nis­bär­g­li zu kom­men, da­mit wir ei­ne si­che­re Ver­an­stal­tung durch­füh­ren kön­nen. Das Ski­ge­biet Adel­bo­den-Lenk ist an den Renn­ta­gen zwar of­fen, die Ses­sel­lif­te Chue­nis­bär­g­li und Höchst­horn mit den ent­spre­chen­den Teil­ge­bie­ten sind für den öf­fent­li­chen Ski­be­trieb aber ge­sperrt.

Was be­deu­ten die zu­schau­er­lo­sen Ren­nen fi­nan­zi­ell?

Für uns ist das sehr ein­schnei­dend. Nor­ma­ler­wei­se de­cken die Zu­schau­er­ein­nah­men ei­nen gros­sen Teil des Bud­gets ab, sei dies übers Ti­cke­ting, über die Gas­tro­no­mie oder auch über das Spon­so­ring vor Ort.

Nen­nen Sie kon­kre­te Zah­len? Die Zu­schau­er­ein­nah­men ma­chen un­ter nor­ma­len Um­stän­den in et­wa Drei­vier­tel des Ge­samt­bud­gets aus.

Sie wer­den nächs­tes Jahr al­so ro­te Zah­len schrei­ben.

Ei­ne ge­wis­se Pla­nungs­si­cher­heit gibt uns das Sta­bi­li­sie­rungs­pa­ket des Bun­des für den Schwei­zer Sport, von dem auch Swis­sSki und die Ver­an­stal­ter pro­fi­tie­ren.

Wo ste­cken Sie in den Vor­be­rei­tun­gen?

Zur­zeit fi­na­li­sie­ren wir zu­sam­men mit Swiss-Ski und den wei­te­ren Welt­cup­ver­an­stal­tern das Rah­menschutz­kon­zept und pla­nen ent­spre­chen­de Mass­nah­men.

Wel­che zum Bei­spiel?

Es sind bei­spiels­wei­se vier ge­trenn­te Grup­pen vor­ge­se­hen, die al­le ih­re ei­ge­nen Lauf­we­ge und ih­re ei­ge­ne In­fra­struk­tur brau­chen. Dann wird ei­ne ge­ne­rel­le Mas­ken­pflicht gel­ten und wir wer­den auch die Rah­men­be­din­gun­gen für das Con­tact-Tra­c­ing si­cher­stel­len.

Die Auf­la­gen kön­nen je­der­zeit wie­der än­dern ...

Rich­tig. Wich­tig ist da­her, dass wir das Rah­menschutz­kon­zept ska­lier­bar gestal­ten, da­mit wir es an­pas­sen kön­nen. Da gibt es ver­schie­de­ne Ele­men­te, et­wa was die Grös­se des ge­sam­ten Tros­ses an­geht: Al­len­falls müss­ten wir un­ter 1000 Per­so­nen kom­men.

Sie sind dar­an, den Ski-Welt­cup Adel­bo­den län­ger­fris­tig neu auf­zu­stel­len. Was be­deu­tet die Aus­tra­gung 2021 in die­sem Zu­sam­men­hang?

Dass wir das letz­te Ren­nen er­folg­reich ab­schlies­sen konn­ten,

war für uns enorm wich­tig. Das hat uns er­mög­licht, un­se­re Bi­lanz wie­der auf ei­ne ge­sun­de Ba­sis zu stel­len, was zen­tral für die Zu­kunft ist. Wei­ter hat­ten wir für das Welt­cup­dorf ei­nen neu­en Plan er­ar­bei­tet. Ob er auf­geht, wer­den wir nun erst 2022 se­hen – hof­fent­lich!

Künf­tig kann die Ski-Welt­cup Adel­bo­den AG auf ei­nen hö­he­ren Fix­bei­trag der Ge­mein­de zäh­len. Was be­deu­tet das für die Or­ga­ni­sa­ti­on?

Es ist nicht selbst­ver­ständ­lich, dass wir in ei­nem klei­nen Berg­dorf ei­nen in­ter­na­tio­na­len Gross­an­lass mit die­ser Aus­strah­lung durch­füh­ren kön­nen. Da­her wer­te ich die Zu­stim­mung an der Ge­mein­de­ver­samm­lung als Zei­chen der Wert­schät­zung der Ar­beit, wel­che das OK und die Ski-Welt­cup Adel­bo­den AG seit vie­len Jah­ren leis­tet.

Un­ter dem Strich er­hält die AG aber gar nicht mehr Geld von der Ge­mein­de.

Das ist so. In den letz­ten Jah­ren ha­ben wir den De­fi­zit­an­spruch, die­se zu­sätz­li­chen 60’000 Fran­ken, stets gel­tend ge­macht.

Wo­zu dann die Er­hö­hung des Fix­bei­trags?

Er hilft uns vor al­lem in der Pla­nungs­si­cher­heit. Grund­sätz­lich ist un­ser Ziel, aus ren­ta­blen Ren­nen her­aus Re­ser­ven bil­den zu kön­nen, da­mit wir auch schwie­ri­ge­re Ren­nen aus ei­ge­ner Sub­stanz ver­kraf­ten kön­nen.

An der GV wur­de auch ar­gu­men­tiert, die Er­hö­hung sei ein Zei­chen ge­gen­über an­de­ren Geld­ge­bern wie et­wa dem Kan­ton. Hat sich hier et­was ge­tan?

Es wur­de wohl­wol­lend zur Kennt­nis ge­nom­men, dass die Des­ti­na­ti­on Adel­bo­den hin­ter dem An­lass steht. Es war tat­säch­lich ein sehr wich­ti­ges Zei­chen.

Und kon­kret? Wie steht es bei­spiels­wei­se um die Kan­tons­bei­trä­ge?

Wir ha­ben das Ge­such um fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung nun ein­ge­reicht. Das hat sich we­gen der Pla­nungs­un­si­cher­heit et­was ver­zö­gert. Wir sind zu­ver­sicht­lich, dass wir auch auf die­ser Ebe­ne Un­ter­stüt­zung er­hal­ten.

Im Ge­schäfts­jahr 2019/2020 er­ziel­te die Ski-Welt­cup Adel­bo­den AG ei­nen Ge­winn. War­um braucht es über­haupt öf­fent­li­che Gel­der?

Wir müs­sen se­hen, un­ter wel­chen Be­din­gun­gen wir die Ren­nen 2020 durch­füh­ren konn­ten: ab­so­lut per­fek­te. Es wä­re alar­mie­rend, wenn wir un­ter sol­chen Vor­aus­set­zun­gen ein De­fi­zit er­wirt­schaf­tet hät­ten. Im Grund­satz geht es dar­um, dass wir das Ri­si­ko, das zwi­schen ei­ner per­fek­ten Durch­füh­rung wie 2020 und ei­ner «nor­ma­len» Durch­füh­rung wie 2019 liegt, schmä­lern kön­nen.

Das müs­sen Sie aus­füh­ren.

2019 wie­sen wir im Jah­res­ab­schluss ein ope­ra­ti­ves De­fi­zit im mitt­le­ren sechs­stel­li­gen Be­reich aus. Das sind meh­re­re Hun­dert­tau­send Fran­ken Un­ter­schied zu 2020, wo­bei die Dif­fe­renz zu ei­nem gros­sen Teil auf das Wetter und an­de­re äus­se­re Ein­flüs­se zu­rück­zu­füh­ren ist. Ei­ne brei­te­re Ba­sis­fi­nan­zie­rung hilft uns, die­se Schwan­kun­gen ab­zu­schwä­chen. Es geht uns aber si­cher nicht dar­um, ei­ne Ge­winn­ga­ran­tie zu er­hal­ten.

2021 fin­det in Adel­bo­den aus­nahms­wei­se ein drit­tes Ren­nen statt. Ist das eher ei­ne Eh­re oder ei­ne Bür­de?

Wir kön­nen mit die­sem drit­ten Ren­nen ein noch stär­ke­res Zei­chen für die Schnee­sport­des­ti­na­tio­nen Adel­bo­den und Ber­ner Ober­land sen­den. Zu­sam­men mit den Ren­nen in Wen­gen er­rei­chen wir an zwei Wo­che­n­en­den nach­ein­an­der von Frei­tag bis Sonn­tag ei­ne sehr grosse Prä­senz in den in­ter­na­tio­na­len Me­di­en. Un­ter die­sem Aspekt ist es sehr po­si­tiv, dass wir die­ses drit­te Ren­nen aus­tra­gen kön­nen.

Das Wen­ge­ner OK hat sich im Früh­ling öf­fent­lich mit Swis­sSki ge­strit­ten. Wie ist das Ein­ver­neh­men zwi­schen dem Welt­cup Adel­bo­den und Swis­sSki?

Die Zu­sam­men­ar­beit funk­tio­niert gut, das hat sich be­son­ders in die­ser Pha­se ge­zeigt, in der vie­le Un­klar­hei­ten und Pla­nungs­un­si­cher­hei­ten herrsch­ten. Hier hat der Ver­band ei­ne sehr star­ke Rol­le über­nom­men.

Im Früh­ling kri­ti­sier­ten Sie, dass die TV-Ge­büh­ren al­lein dem Ver­band zu­kom­men. Zeich­net sich hier ei­ne Än­de­rung ab?

In die­sem Zu­sam­men­hang muss man die Swiss-Ski Welt­cup-Mar­ke­ting AG er­wäh­nen, wel­che seit 2017 die Sport­ver­mark­tung für die Ski­ren­nen ver­ant­wor­tet. Die Sport­ver­mark­tung wur­de da­mals neu auf­ge­setzt. Wich­tig er­scheint mir, dass wir die letz­ten Jah­re ana­ly­sie­ren, schau­en, was gut funk­tio­niert hat und was nicht, da­mit wir das Sys­tem der Sport­ver­mark­tung für die nächs­ten Jah­re noch stär­ker auf­stel­len kön­nen.

Gehts et­was kon­kre­ter?

Noch nicht. Wir sind im Ge­spräch mit dem Ver­band und den an­de­ren Aus­tra­gungs­or­ten.

Fo­to: Gepa

Die­se Sai­son müs­sen Ski­fah­rer wie hier To­bi­as Grü­nen­fel­der auf die Un­ter­stüt­zung des Li­ve­pu­bli­kums ver­zich­ten.

Fo­to: Chris­ti­an Pfan­der

So prä­sen­tier­te sich der Ziel­raum am letz­ten Chue­nis­bär­g­li-Ren­nen – nächs­tes Jahr fin­den die Ren­nen oh­ne Pu­bli­kum statt.

Fo­to: Jürg Spiel­mann

Chris­ti­an Hau­e­ter ist Ge­schäfts­füh­rer der Ski-Welt­cup Adel­bo­den AG.

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