Langnau­er will Zug zum Ti­tel füh­ren

Berner Zeitung (Emmental) - - Vorderseite - Flo­ri­an Raz

Re­to Kläy steht in sei­ner fünf­ten Sai­son als Sport­chef des EV Zug. Der 40jäh­ri­ge Langnau­er hat nun sei­ne gröss­te Auf­ga­be zu be­wäl­ti­gen: Ei­ner­seits wol­len die Zen­tral­schwei­zer ein Aus­bil­dungs­club sein, an­der­seits stre­ben sie nach dem Meis­ter­ti­tel. Dem SCB-Tor­hü­ter Leo­nar­do Ge­no­ni, den Kläy kürz­lich für die nächs­te Sai­son ver­pflich­tet hat, soll da­bei ei­ne Schlüs­sel­rol­le zu­kom­men. Im In­ter­view vor dem Spiel in Bern sagt der Sport­chef, er hof­fe, dass Ge­no­nis Trans­fer die Li­ga auf­mi­schen wer­de. Zu­dem äus­sert er sich kri­tisch zu den Löh­nen im Eishockey.

Der­weil gas­tie­ren die SCL Ti­gers heu­te in Rap­pers­wil. dwu

En­de letz­ter Sai­son soll ein bel­gi­scher Spie­ler­be­ra­ter ver­sucht ha­ben, den KV Me­che­len vor dem Ab­stieg zu ret­ten. Das miss­lang nicht nur – die mut­mass­lich ma­ni­pu­lier­ten Spie­le sind auch der Po­li­zei auf­ge­fal­len.

De­jan Vel­j­ko­vic ist ein jo­via­ler Typ. Men­schen, mit de­nen er häu­fi­ger zu tun hat, nennt er ger­ne «my fri­end». So hat sich der ser­bi­sche Spie­ler­be­ra­ter gu­te Be­zie­hun­gen im bel­gi­schen Fuss­ball er­ar­bei­tet. Und er hat­te ei­nen cle­ve­ren Kniff, wie er fast im­mer ein Plätz­chen für sei­ne Spie­ler aus Ost­eu­ro­pa und Afri­ka fand: Er in­stal­lier­te in meh­re­ren Clubs von ihm be­ra­te­ne Trai­ner – die dann nur zu ger­ne auf Spie­ler zu­rück­grif­fen, die eben­falls bei Vel­j­ko­vic un­ter Ver­trag stan­den.

Das al­les war in Bel­gi­en kein gros­ses Ge­heim­nis. Vor al­lem beim KV Me­che­len galt Vel­j­ko­vic als Haus-Agent. Und das nicht nur zum Nach­teil des Ver­eins. Mit meh­re­ren Spie­lern, die der Ser­be zu Me­che­len und wei­ter trans­fe­rier­te, mach­te der Club net­te Ge­win­ne. Ei­gent­lich lief al­les ganz gut für Vel­j­ko­vic.

Sein Ver­häng­nis scheint nun aber zu wer­den, dass ihm die­ses Sys­tem al­lei­ne nicht reich­te. Er soll laut der bel­gi­schen Staats­an­walt­schaft auch an­ge­fan­gen ha­ben, von den Clubs ver­deck­te Zah­lun­gen für sich und sei­ne Spie­ler zu for­dern. Die­se Gel­der flos­sen am bel­gi­schen Staat vor­bei nach Zy­pern, Mon­te­ne­gro und Ser­bi­en.

Als Po­li­zis­ten dem Viel­te­le­fo­nie­rer Vel­j­ko­vic ab Herbst 2017 we­gen des ver­mu­te­ten Steu­er­be­trugs so­wie­so schon zu­hör­ten, fiel ih­nen noch et­was an­de­res auf. Vel­j­ko­vic droh­te ein grös­se­rer fi­nan­zi­el­ler Ver­lust, weil aus­ge­rech­net sein Haus-Club Me­che­len vom Ab­stieg be­droht war. Das hät­te den Wert sei­ner Spie­ler ver­nich­tet. Das konn­te Vel­j­ko­vic schein­bar nicht zu­las­sen.

Für De­jans Freun­de gab es Au­to-Ra­batt und gu­tes Es­sen

Al­so setz­te Vel­j­ko­vic auf sei­ne «fri­ends». Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem auch bel­gi­sche Spit­zen­schieds­rich­ter. Dem ei­nen, Sé­bas­ti­en Del­fe­riè­re, hat er beim Kauf ei­nes VW Ti­gu­an (Lis­ten­preis: 30000 bis über 60000 Fran­ken) ei­nen Ra­batt ver­schafft, wie der Ga­ra­gist be­stä­tig­te. Mit dem an­de­ren, Bart Ver­ten­ten, ging er im­mer wie­der nach Spie­len gut es­sen.

Aus­ge­rech­net die­ser Ver­ten­ten pfiff in der zweit­letz­ten Run­de die Par­tie des eben­falls ab­stiegs­be­droh­ten Eu­pen in Ant­wer­pen. Auf der Web­site von Eu­pen stand nach dem 0:2: «In der 28. Mi­nu­te sprach der Un­par­tei­ische den Gast­ge­bern ei­nen Elf­me­ter zu, für ein Foul, das aus­ser­halb des Straf­rau­mes statt­ge­fun­den hat­te.»

Um den Schieds­rich­ter et­was zu schüt­zen, scheint Vel­j­ko­vic auf zwei wei­te­re sei­ner Freun­de zu­rück­ge­grif­fen zu ha­ben. Zwei bel­gi­sche Jour­na­lis­ten sol­len von ihm an­ge­fragt wor­den sein, ob sie Ver­ten­ten gu­te No­ten ge­ben könn­ten.

Die Nie­der­la­ge von Eu­pen in Ant­wer­pen ist ei­ne von zwei Par­ti­en, die die Staats­an­walt­schaft un­ter­sucht. Die an­de­re ist je­ne zwi­schen Me­che­len und Waas­land-Be­ve­ren in der letz­ten Run­de der Sai­son 2017/18. Hier sol­len meh­re­re Mit­glie­der des Vor- stands von Be­ve­ren durch Funk­tio­nä­re von Me­che­len kon­tak­tiert wor­den sein.

Bei all die­sen An­stren­gun­gen und Ri­si­ken mu­tet der Aus­gang des Ab­stiegs­kampfs wie ein Witz an: Me­che­len schlug Be­ve­ren zwar 2:0. Weil aber Eu­pen gleich­zei­tig sei­ne letz­te Par­tie der Sai­son ge­gen Mou­scron gleich mit 4:0 ge­wann, stieg Me­che­len trotz­dem ab. We­gen der um ei­nen Tref­fer schlech­te­ren Tor­dif­fe­renz ...

Lu­xus-Uh­ren, Bar­geld und ein frei­ge­las­se­ner Trai­ner

Ges­tern nun die bis­lang letz­te schlech­te Nach­richt für Vel­j­ko­vic und sei­ne Freun­de: Bei 57 Raz­zi­en nahm die Po­li­zei in Bel­gi­en und sechs wei­te­ren eu­ro­päi­schen Län­dern 33 Per­so­nen vor­über­ge­hend fest.

Der Be­kann­tes­te, der die Nacht auf den Don­ners­tag in Po­li­zei­ge­wahr­sam ver­brin­gen muss­te, ist Ivan Le­ko. Der Trai­ner des FC Brüg­ge ist ein wei­te­rer von Vel­j­ko­vics «fri­ends» und wur­de laut sei­nem An­walt zu mög­li­chen Schwarz­geld­flüs­sen be­fragt. Ges­tern Nach­mit­tag wur­de Le­ko frei­ge­las­sen.

Be­schlag­nahmt wur­den in Bel­gi­en die Ver­pa­ckun­gen von Lu­xus­uh­ren im Wert von 8 Mil­lio­nen Eu­ro, da­zu Ju­we­len, Uh­ren und Bar­geld. Im Ausland wur­den Ver­mö­gens­wer­te von 3,4 Mil­lio­nen Eu­ro be­schlag­nahmt.

Es ging da­bei nicht al­lei­ne um Vel­j­ko­vic. Mit Arn­aud «Mo­gi» Ba­yat hat­te ein an­de­rer in Bel­gi­en tä­ti­ger Agent ähn­li­che Vor­stel­lun­gen, was das Ver­steu­ern von Be­ra­ter­ho­no­ra­ren be­trifft.

Bei ihm scheint der Be­trug so­gar noch wei­ter ge­gan­gen zu sein. Er soll Trans­fers zu­un­guns­ten der von ihm «be­ra­te­nen» Spie­ler und Ver­ei­ne so ma­ni­pu­liert ha­ben, dass er mög­lichst viel Ge­winn in die ei­ge­ne Ta­sche ab­zwei­gen konn­te. Das war für ihn mög­lich, weil er sich dar­auf spe­zia­li­siert hat­te, als Zwi­schen­händ­ler Trans­fer­ver­hand­lun­gen für Clubs zu lei­ten, die Ab­neh­mer für ih­re Spie­ler such­ten.

Le­bens­lan­ge Sper­ren und ein ab­ge­sag­ter Spiel­tag

Ges­tern Abend gab der bel­gi­sche Ver­band be­kannt, dass er so­wohl Del­fe­riè­re als auch Ver­ten­ten le­bens­lang sper­ren will. «Sie ha­ben mein Ver­trau­en miss­braucht», sag­te Schieds­rich­te­r­ob­mann Jo­han Ver­bist, «ich kann mir nicht vor­stel­len, dass die bei­den noch ein­mal auf ei­nem Fuss­ball­platz ste­hen kön­nen.»

Schliess­lich ver­schob der bel­gi­sche Ver­band die nächs­te Run­de der zweit­höchs­ten Li­ga vom kom­men­den Wo­che­n­en­de auf ein spä­te­res Da­tum. Grund dürf­te sein, dass meh­re­re Vor­stands­mit­glie­der des KV Me­che­len un­ter Be­trugs­ver­dacht ste­hen.

Fo­to: Urs Fluee­ler (Keystone)

Fo­to: Da­vid Ra­mos (Get­ty Images)

Im Zwie­licht: Ivan Le­ko, der Trai­ner des FC Brüg­ge, muss­te ei­ne Nacht in Po­li­zei­ge­wahr­sam ver­brin­gen. Ges­tern wur­de er frei­ge­las­sen.

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