«Die YB-Spie­ler wa­ren die Re­gis­seu­re»

Berner Zeitung (Emmental) - - Region -

Mor­gen Sonn­tag wird im West­side der YB-Meis­ter­film ge­zeigt. Die Ma­cher freu­en sich über die Vor­schuss­lor­bee­ren we­gen der aus­ver­kauf­ten Shows. Sie sind aber ge­spannt, ob sie den Nerv tref­fen.

Am Sonn­tag kön­nen Fans des BSC Young Boys das Meis­ter­jahr noch ein­mal er­le­ben: Im Ci­né Pa­thé im West­side wird der YBMeis­ter­film ge­zeigt. «Wir sind ge­spannt, wie er an­kom­men wird», sagt Ga­b­ri­el Hald­i­mann, der beim Fan­ra­dio Radio Gel­bSchwarz (RGS) kom­men­tiert und bei News­room Com­mu­ni­ca­ti­on ar­bei­tet. Letz­te­rer ist der Mul­ti­me­di­a­part­ner von YB und war da­mit be­traut, wich­ti­ge Mo­men­te ei­nes mög­li­chen Meis­ter­jah­res für die Nach­welt fest­zu­hal­ten.

Ga­b­ri­el Hald­i­mann er­ho­len, um die Bil­der pro­fes­sio­nell ver­ar­bei­ten zu kön­nen», er­klärt Hald­i­mann. Das heis­se nicht, dass ihm nicht auch spä­ter noch Trä­nen ge­kom­men sei­en. «Der emo­tio­nals­te Mo­ment beim Schnei­den war für mich, als der Po­kal zum ers­ten Mal zur Fan­kur­ve ge­tra­gen wur­de», ver­rät er. Un­ge­fähr drei Wo­chen lang brauch­ten sie für die Sich­tung des 90-stün­di­gen Ma­te­ri­als und den Schnitt.

Brot und Spie­le

Sie wa­ren nicht die ers­ten Fil­me­ma­cher, die YB in der zwei­ten Hälf­te der Sai­son be­glei­te­ten. Im Jahr 2010, als YB in der Win­ter­pau­se mit 10 Punk­ten Vor­sprung die Ta­bel­le an­führ­te, wur­den Nor­bert Wied­mer und En­ri­que Ros mit ei­nem Do­ku­men­tar­film be­traut. Ei­gent­lich wa­ren sie an Dreh­ar­bei­ten über das Sta­de de Suis­se und zum The­ma, wie Clubs aus dem Mit­tel­mass ver­su­chen, Geld zu ver­die­nen. «Brot und Spie­le» hät­te er ge­heis­sen, die YB-Spie­ler hät­ten die Gla­dia­to­ren dar­ge­stellt. Aus fil­mi­scher Sicht sei es na­tür­lich toll ge­we­sen, dass YB da­mals schei­ter­te. «Aber ich bin sel­ber auch YBFan», sagt er. Da ha­be auch die Ka­me­ra als emo­tio­na­ler Sicht­schutz nicht ge­hol­fen. Da­zu kam, dass das Schei­tern von YB auch aus ver­kaufs­tech­ni­scher Sicht nicht zu­träg­lich war. Nur we­ni­ge Fans woll­ten sich in die­sen trau­ri­gen Mo­men­ten suh­len, der Fuss­ball­blog «Zum Run­den Le­der» tauf­te den Film «Meis­ter­träu­me» kur­zer­hand in «Meis­ter­t­rau­ma» um.

Hans und He­nä

Auch Wied­mer setz­te da­mals kei­ne Off-Stim­me und kei­ne In­ter­views ein. «Man muss das dem Zu­schau­er auch oh­ne Kom­men­ta­re rü­ber­brin­gen kön­nen», sagt er. Zu­gang hat­te er zu den Bü­ros und der Ka­bi­ne, wo der Zu­schau­er vie­le per­sön­li­che Ge­sprä­che mit­er­leb­te und die da­ma­li­gen Spie­ler von an­de­ren Sei­ten ken­nen lern­te. Oder im Au­to der Ma­te­ri­al­war­te Hans Im­bo­den und He­nä Min­der, als Letz­te­rer die Hoff­nung prak­tisch ver­lo­ren hat­te. «Sie wa­ren mei­ne liebs­ten Ne­ben­rol­len. Für sol­che Sze­nen ar­bei­te ich na­tür­lich, man han­gelt sich von Hö­he­punkt zu Hö­he­punkt», so Wied­mer. He­nä Min­der kommt auch im ak­tu­el­len Meis­ter­film vor, wo er vor der Fan­kur­ve steht und weint. Ein herz­zer­reis­sen­der Mo­ment.

Wied­mer stu­dier­te Film in Pa­ris und Mün­chen. «Meis­ter­träu­me» ist ei­ner von 20 Fil­men, die er rea­li­sier­te. Er lief wäh­rend sie­ben Wo­chen in den Ki­nos. Was er denn da­von hal­te, wenn nun ein neu­er Film kommt? «Ich ha­be ihn zwar nicht ge­se­hen, aber er dürf­te pri­mär von den Emo­tio­nen und der Nost­al­gie le­ben», sagt er. Mit ei­nem gros­sen Kas­sen­schla­ger rech­net er nicht.

«Der Po­kal zum ers­ten Mal vor der Fan­kur­ve war für mich das Emo­tio­nals­te.»

Äs­t­he­tik und Gold

Da­mit rech­net wohl auch YB nicht: Tat­säch­lich sei nicht ge­plant, dass der Meis­ter­film im re­gu­lä­ren Ki­no­pro­gramm ge­zeigt wer­de, be­stä­tigt Hald­i­mann. Even­tu­ell wer­de man ei­nen wei­te­ren Ki­no­tag ver­an­stal­ten, ge­plant ist eben­so, dass er auf dem Youtube-Ka­nal von YB ver­öf­fent­licht wird. Den Film als DVD zu ver­öf­fent­li­chen, fin­det Hald­i­mann un­nö­tig und alt­ba­cken.

Zur Mach­art meint er: «Wir sind An­fän­ger und mes­sen uns nicht mit den pro­fes­sio­nel­len Fil­me­ma­chern.» Den Film «Meis­ter­träu­me» sah er sich im Ki­no Rex an, als er kürz­lich wie­der ge­zeigt wur­de. «Wir ha­ben nicht die­sen äste­thi­schen An­spruch, bei uns sind die Bil­der nicht per­fekt», zieht er den Ver­gleich. Doch: «Wir mö­gen es so­wie­so lie­ber schnell und dre­ckig. Es gibt nur we­ni­ge The­men, die uns emo­tio­nal so lan­ge fes­seln kön­nen wie die­ses gol­de­ne Ding.»

Clau­dia Salz­mann

Fo­to: Fran­zis­ka Ro­then­bue­h­ler

90 St­un­den Film­ma­te­ri­al we­gen des Po­kals: Ga­b­ri­el Hald­i­mann steht für ei­ne 8köp­fi­ge Equi­pe, die den Meis­ter­film rea­li­sier­ten.

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