Kopf­weh und Übel­keit we­gen ei­ner Öl­hei­zung

Leh­rer ei­nes Kö­ni­zer Kin­der­gar­tens kla­gen über Kopf­weh und Übel­keit. Schuld ist die Öl­hei­zung. Die Ge­mein­de gibt sich selbst­kri­tisch – und re­agiert.

Berner Zeitung (Emmental) - - Erste Seite - Chris­toph Al­brecht Tho­mas Brön­ni­mann

Die Ge­mein­de steht we­gen ei­ner Öl­hei­zung im Kin­der­gar­ten Ness­le­ren in der Kri­tik. Weil das ve­r­al­te­te Pro­vi­so­ri­um we­der ei­nen Kel­ler noch ein Ra­dia­to­ren­sys­tem hat, ste­hen die Öfen im sel­ben Raum, in dem sich die Kin­der auf­hal­ten. Seit Mo­na­ten kla­gen Kin­der und Lehr­kräf­te über Kopf­weh und Übel­keit, wie die Quar­tier­zeit­schrift «Wa­bern­spie­gel» pu­blik mach­te. «Es stinkt furcht­bar, und es wird ge­wis­sen Kin­dern und auch El­tern wäh­rend der El­tern­ge­sprä­che des­we­gen übel», ist ei­nem Pro­to­koll des Wa­be­rer El­tern­rats zu ent­neh­men. Der Gestank setz­te sich in Klei­dern und Ruck­sä­cken fest. Die üb­len Ge­rü­che sind laut der Ge­mein­de nicht ge­sund­heits­ge­fähr­dend, re­agiert hat sie trotz­dem. Laut dem zu­stän­di­gen Ge­mein­de­rat Tho­mas Brön­ni­mann (GLP) wer­den die Öfen künf­tig mit schwe­fe­lär­me­rem Brenn­stoff ge­speist. Das sei et­was teu­rer, da­für öko­lo­gi­scher, so Brön­ni­mann. Und: Es soll we­ni­ger stin­ken.

Kö­niz ist ei­ne Ge­mein­de, die ger­ne be­tont, was sie gut macht. Ei­ne der Qua­li­tä­ten, die sie im­mer mal wie­der her­vor­hebt, ist ih­re Pio­nier­rol­le bei Um­welt­the­men. Als ei­ne der ers­ten Schwei­zer Ge­mein­den er­hielt sie vor bald zehn Jah­ren das La­bel Ener­gie­stadt Gold. Auf ih­rer Ge­mein­de­web­site schreibt sie denn auch selbst­be­wusst: «Kö­niz be­schrei­tet kon­se­quent den Weg in ei­ne nach­hal­ti­ge Ener­gie­zu­kunft.»

Nicht be­son­ders stolz dürf­te die Ge­mein­de dar­auf sein, was in der ak­tu­el­len Aus­ga­be der Quar­tier­zeit­schrift «Wa­bern-spie­gel» zu le­sen ist: Im Kin­der­gar­ten Ness­le­ren im Kö­ni­zer Orts­teil

Glp-ge­mein­de­rat

Wa­bern sol­len die Kin­der und Lehr­kräf­te seit Mo­na­ten über Kopf­weh und Übel­keit kla­gen – we­gen der dor­ti­gen Öl­hei­zung.

«Es muss un­be­dingt et­was pas­sie­ren.»

Die­se sor­ge schon seit ei­ni­ger Zeit für Luft- und Ge­ruchs­im­mis­sio­nen. Vor sechs Jah­ren wur­den die Öfen zwar er­setzt. Weil der ve­r­al­te­te Kin­der­gar­ten we­der ei­nen Kel­ler noch ein Ra­dia­to­ren­sys­tem hat, ste­hen die Öl ver­bren­nen­den Öfen je­doch nach wie vor im sel­ben Raum, in dem sich die Kin­der auf­hal­ten.

«Es stinkt furcht­bar, und es wird ge­wis­sen Kin­dern und auch El­tern wäh­rend der El­tern­ge­sprä­che des­we­gen übel», zi­tiert die Zei­tung das Pro­to­koll des Wa­be­rer El­tern­rats. Der Gestank set­ze sich zu­dem pe­ne­trant in Klei­dern und Ruck­sä­cken der Kin­der fest. Leh­rer und El­tern sei­en be­sorgt. «Es muss un­be­dingt et­was pas­sie­ren.»

Nicht ge­sund­heits­ge­fähr­dend

Die Ge­mein­de zeigt Ver­ständ­nis für das An­lie­gen – und gibt sich

selbst­kri­tisch. «Das ge­nügt den Stan­dards ei­ner Ener­gie­stadt nicht», sagt Ge­mein­de­rat Tho­mas Brön­ni­mann (GLP) auf An­fra­ge. Sei­ne Di­rek­ti­on ist zu­stän­dig für die Kö­ni­zer Lie­gen­schaf­ten. Brön­ni­mann er­klärt, dass es

sich beim Kin­der­gar­ten Ness­le­ren um ei­nen Spe­zi­al­fall han­delt. «Er ist ein Pro­vi­so­ri­um, das lei­der zu ei­nem Pro­vi­du­ri­um wur­de.» Vor 30 Jah­ren sei der Kin­der­gar­ten als Tem­po­r­är­lö­sung er­rich­tet wor­den – und es bis

heu­te ge­blie­ben. Ent­spre­chend ha­be es auch nie ei­ne um­fas­sen­de Er­neue­rung der In­fra­struk­tur ge­ge­ben.

Tho­mas Brön­ni­mann be­teu­ert, dass die Emis­sio­nen nicht ge­sund­heits­ge­fähr­dend sei­en.

Auch wür­den die Ge­rä­te, die rein tech­nisch im­mer noch ein­wand­frei funk­tio­nier­ten, re­gel­mäs­sig von Fach­leu­ten ge­war­tet. Nur eben: Da die Öfen im Kin­der­gar­ten sel­ber stün­den, rie­che es halt et­was. Auf Druck des El­tern­rats hat die Ge­mein­de jetzt aber re­agiert. «Ab die­sem Herbst set­zen wir schwe­fe­lär­me­res Öl ein», so Brön­ni­mann. Die­ses sei zwar et­was teu­rer, da­für aber öko­lo­gi­scher. Und vor al­lem: «Der Ge­ruch ist we­ni­ger stark.» In an­de­ren Kin­der­gär­ten – et­wa im Gur­ten­bühl – ha­be der Um­stieg auf das neue Öl je­den­falls Bes­se­rung ge­bracht.

Ge­plant ist ein mo­der­nes Ba­sis­stu­fen­schul­haus

Er­lö­sung soll bald ein gänz­lich öl­frei­es Heiz­sys­tem brin­gen. Wenn al­les nach Plan läuft, ent­steht am Stand­ort des Kin­der­gar­tens Ness­le­ren in rund fünf Jah­ren ein mo­der­nes Ba­sis­stu­fen­schul­haus. Als Ge­mein­de, die kon­se­quent den Weg in ei­ne nach­hal­ti­ge Ener­gie­zu­kunft be­schrei­tet, wird Kö­niz dann nicht um ei­ne kli­ma­neu­tra­le Lö­sung her­um­kom­men.

«Er ist ein Pro­vi­so­ri­um, das lei­der zu ei­nem Pro­vi­du­ri­um wur­de.»

Foto: Ra­pha­el Mo­ser

Der Kin­der­gar­ten Ness­le­ren in Wa­bern. Ei­gent­lich ist der Bau ei­ne Über­gangs­lö­sung – mitt­ler­wei­le steht er seit 30 Jah­ren.

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