Berner Zeitung (Stadt) - - Re­gi­on -

«In Frank­reich sind noch Ge­fäng­nis­se aus dem vor­letz­ten Jahr­hun­dert in Be­trieb. Über­flu­te­te Zel­len sind dort kei­ne Sel­ten­heit.»

Da­ni­el Fink, Pro­fes­sor

Ur­lau­be oder auf ei­ne Frei­las­sung ha­ben.» Das sei kri­mi­nal- und ge­sell­schafts­po­li­tisch so ge­wollt. Bräg­ger glaubt, dass die­se Span­nungsphä­no­me­ne in Zu­kunft noch häu­fi­ger auf­tre­ten wer­den. «Es wird noch an­spruchs­vol­ler, ei­ne An­stalt zu füh­ren.»

«Das Es­sen ist ein Ever­green»

Die Kri­tik an der Qua­li­tät des Es­sens ist für Bräg­ger ty­pisch und Aus­druck ei­ner all­ge­mei­nen Un­zu­frie­den­heit. «Das Es­sen ist ein Ever­green und wird oft be­män- gelt.» Zu Un­recht, wie Bräg­ger fin­det. «In den Schwei­zer An­stal­ten es­sen Sie übe­r­all aus­ge­wo­gen und gut. Da­von ha­be ich mich sel­ber schon oft über­zeugt. Klar könn­te man teil­wei­se et­was lie­be­vol­ler ko­chen, das trifft aber auch auf die ei­ne oder an­de­re Schul­kan­ti­ne zu.»

Schwei­zer Qua­li­tät ist gut

So wie der Kan­ton Bern im na­tio­na­len Qua­li­täts­ver­gleich der Jus­tiz­voll­zugs­an­stal­ten gut ab­schnei­det, so gut steht der Schwei­zer Straf­voll­zug im in­ter­na­tio­na­len Qu­er­schnitt da.

Da­ni­el Fink, Lehr­be­auf­trag­ter für Kri­mi­nal­sta­tis­tik und Kri­mi­nal­po­li­tik an den Uni­ver­si­tä­ten Lau­sanne und Lu­zern, streicht et­wa den gu­ten Zu­stand der Ge­fäng­nis­bau­ten her­aus: «In der Schweiz wur­den 60 Pro­zent der Ge­fäng­nis­zel­len in den letz­ten dreis­sig Jah­ren er­baut. In Frank­reich bei­spiels­wei­se sind noch Ge­fäng­nis­se aus dem vor­letz­ten Jahr­hun­dert in Be­trieb. Über­flu­te­te Zel­len sind dort kei­ne Sel­ten- heit.» In Por­tu­gal sei in den letz­ten fünf­zehn Jah­ren kein ein­zi­ges neu­es Ge­fäng­nis ent­stan­den.

Fort­schritt­lich sei der Schwei­zer Straf­voll­zug auch, wenn es um die Ar­beits­plät­ze für die In­sas­sen ge­he. «Hier­zu­lan­de gibt es für die An­stal­ten ei­ne Ver­pflich­tung, für al­le Häft­lin­ge ei­ne Ar­beit an­zu­bie­ten, die ih­ren Fä­hig­kei­ten und Nei­gun­gen ent­spricht.» In an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern ge­be es ab­ge­se­hen von den in­ter­nen Rei­ni­gungs- und Kü­chen­ar­bei­ten teil­wei­se kaum Ar­beit für die In­sas­sen. Als drit­te Spar­te, in der die Schweiz vor­ne da­bei ist, streicht Fink den of­fe­nen Voll­zug her­aus. Je­nen Be­reich al­so, der Häft­lin­ge auf­nimmt, die min­der­schwe­re De­lik­te be­gan­gen ha­ben, ei­ne nie­de­re Rück­fall­ge­fahr auf­wei­sen und kurz vor der Frei­las­sung ste­hen. «Frank­reich et­wa ist ge­ra­de dar­an, un­ser Mo­dell mit den of­fe­nen An­stal­ten zu ko­pie­ren. Dort gibt es die­se Art von Ein­rich­tun­gen wie in Witz­wil, Bel­l­echas­se oder Sa­xer­riet kaum.» Phil­ip­pe Mül­ler

Fo­to: Ste­fan An­de­regg

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