Haus­ei­gen­tü­mer müs­sen zah­len

Berner Zeitung (Stadt) - - Region -

«Ein Pla­nungs­mehr­wert ist wie ein Lot­to­ge­winn. Da ist es doch selbst­ver­ständ­lich, dass man ei­nen Teil ab­lie­fert.»

Kat­ha­ri­na Gal­liz­zi, GB/JA

Das Stadt­par­la­ment hat ges­tern neu ge­re­gelt, wie viel des Mehr­werts Haus­ei­gen­tü­mer bei Ein-, Um- und Auf­zo­nun­gen ab­lie­fern sol­len. Weil die Mehr­heit auf ei­ne ho­he Frei­gren­ze ver­zich­ten woll­te, kam es zum in­ner­grü­nen Streit.

Seit letz­tem Jahr gilt ein neu­es kan­to­na­les Bau­ge­setz, und die­ses gibt den Ge­mein­den vor, wie sie bei Ein-, Um- und Auf­zo­nun­gen von Bau­land mit des­sen Ei­gen­tü­mern ver­fah­ren müs­sen. Ei­ne Ge­mein­de nach der an­de­ren hat des­halb in letz­ter Zeit ihr Re­gle­ment über die Pla­nungs­mehr­wert­ab­ga­be über­ar­bei­tet (sie­he auch Kas­ten). Für die Stadt Bern er­le­dig­te dies ges­tern der Stadt­rat, und er lie­fer­te sich da­bei ei­ne en­ga­gier­te De­bat­te.

Bür­ger­li­che se­hen bei al­lem, was über die mi­ni­ma­len An­sät­ze hin­aus­geht, Haus­ei­gen­tü­mer vor sich, die vom Staat ge­mol­ken wer­den – und po­ten­zi­el­le In­ves­to­ren, die ab­ge­schreckt wer­den. Lin­ke da­ge­gen fin­den, ein Pla­nungs­mehr­wert fal­le Haus­ei­gen­tü­mern zu wie ein Lot­to­ge­winn, oh­ne dass da­für ein Fin­ger ge­krümmt wer­den müs­se. «Da ist es doch nichts als rich­tig, ei­nen Teil da­von ab­zu­lie­fern», sag­te et­wa Kat­ha­ri­na Gal­liz­zi (GB/JA).

Hö­he­rer Wert bei Ein­zo­nung

Der Ge­mein­de­rat – und mit ihm Rot-Grün-Mit­te so­wie die Freie Frak­ti­on am lin­ken Rand – konn­te dar­auf hin­wei­sen, dass das neue Re­gle­ment an der «bis­he­ri-

gen, be­währ­ten Pra­xis» fest­hal­te, wie es Stadt­prä­si­dent Alec von Graf­fen­ried (GFL) aus­führ­te.

Das heisst, dass in der Stadt Bern wei­ter­hin die Ma­xi­mal­an­sät­ze gel­ten: 50 Pro­zent bei Ein­zo­nun­gen, 40 Pro­zent bei Um- und Auf­zo­nun­gen. Dies be­deu­tet ge­gen­über dem al­ten Re­gle­ment ei­ne Er­hö­hung der Pla­nungs­mehr­wert­ab­ga­be bei Ein­zo­nun­gen von 40 auf 50 Pro­zent. Weil in der Stadt vor al­lem ver­dich­tet wer­den sol­le und kaum mehr neu­es Bau­land ein­ge­zont wer­de, kön­ne man den­noch bi­lan­zie­ren, dass sich nichts än­de­re, sag­te von Graf­fen­ried.

Die an­geb­lich von al­len an­ge­streb­te Ver­dich­tung war es, die am meis­ten zu re­den gab. So ver­lang­te et­wa ein Min­der­heits­an­trag der vor­be­ra­ten­den Kom­mis­si­on, dass bei Auf­zo­nun­gen ei­ne Frei­gren­ze von 150 000 Fran­ken gel­te – statt der vom Kan­ton vor­ge­ge­be­nen Gren­ze von 20 000 Fran­ken. Ein hö­he­rer Wert be­wah­re die Stadt nicht bloss vor zahl­rei­chen Ver­fah­ren von Haus­ei­gen­tü­mern, die sich ge­gen die Ab­ga­be weh­ren wür­den, sag­te FDP/JF-Spre­cher Bernhard Ei­cher. Ei­ne Frei­gren­ze er­hö­he auch den An­reiz, von der Auf­zo­nung zu pro­fi­tie­ren – und eben (ver­dich­tet) zu bau­en, ar­gu­men­tier­ten die Bür­ger­li­chen und mit ih­nen die GLP.

Re­fe­ren­dum an­ge­droht

Die GLP woll­te zu­dem Bau­trä­ger mit ei­ner tie­fe­ren Ab­ga­be be­loh­nen, wenn ih­re Über­bau­ung ei­ne hö­he­re Per­so­nen­dich­te er­rei­che, als es orts­üb­lich sei. Ve­he­ment for­der­te GLP-Stadt­rat Mat­thi­as Eg­li GFL und GB/JA auf, für die­sen Vor­schlag so­wie die Frei­gren­ze zu stim­men. «An­dern­falls ge­wich­tet ihr den Neid auf ei­nen Ei­gen­tü­mer stär­ker als das obers­te grü­ne Ziel der Ver­dich­tung», pro­vo­zier­te der Grün­li­be­ra­le.

Die Grü­nen links von der GLP stie­gen aber nicht dar­auf ein und tru­gen zu ei­ner sat­ten Mehr­heit ge­gen die An­trä­ge bei. In bei­den Fäl­len ar­gu­men­tier­ten von Graf­fen­ried, Rot-Grün-Mit­te und Freie Frak­ti­on auch le­ga­lis­tisch: Ei­ne hö­he­re Frei­gren­ze als 20 000 Fran­ken wi­der­spre­che der kan­to­na­len Vor­ga­be, so der Stadt­prä­si­dent. Und beim GLPAn­trag sei un­klar, wie die­ser um­ge­setzt wer­den könn­te.

Trotz­dem droht dem Re­gle­ment noch Un­ge­mach: Die un­ter­le­ge­nen FDP und SVP sag­ten, dass sie ein kon­struk­ti­ves Re­fe­ren­dum da­ge­gen prü­fen.

Christoph Häm­mann

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