Die Rad­schweiz be­wegt sich

Berner Zeitung (Stadt) - - Sport -

Je­den Ju­ni ze­le­briert die Tour de Suis­se wäh­rend ei­ner Wo­che das Zwei­rad. Nun stos­sen neue Initia­ti­ven hin­zu, dar­un­ter meh­re­re Welt­meis­ter­schaf­ten. Und selbst die Bun­des­po­li­ti­ker fah­ren neu­er­dings ge­mein­sam aus.

Der na­tio­na­le Rad­hö­he­punkt wird heu­er der Tour de Suis­se strei­tig ge­macht. Er folgt im Sep­tem­ber, mit der Moun­tain­bi­keWM auf der Len­zer­hei­de, wo die Schwei­zer mit Jo­lan­da Neff und Ni­no Schur­ter bei Frau­en wie Män­nern auch gleich die Ti­tel­ver­tei­di­ger stel­len.

Über­haupt in­ter­es­siert sich das Land für Rad­welt­meis­ter­schaf­ten wie schon län­ger nicht mehr. Die Rad­quer-WM An­fang 2020 wur­de be­reits nach Düben­dorf ver­ge­ben, es wird die ers­te seit 1995 in Eschen­bach SG. Swiss Cy­cling macht sich über­dies der­zeit dar­an, ei­ne Kan­di­da­tur für ei­ne Stras­sen­rad-WM vor­zu­be­rei­ten, vor­aus­sicht­lich für 2023 oder 2024. Auch hier ste­hen die Chan­cen gut, letzt­mals fand die­se 2009 hier statt, in Men­d­ri­sio.

Im Vor­der­grund ste­hen der­zeit zwei pro­mi­nen­te Na­men: Bern und Zürich. In bei­den Städ­ten ha­ben sich die Ober­häup­ter be­reits für ei­ne WM aus­ge­spro­chen. En­de Jahr will Swiss Cy­cling ent­schei­den, mit wel­cher Des­ti­na­ti­on sie sich beim in­ter­na­tio­na­len Rad­ver­band be­wer­ben will.

Ei­nen drit­ten WM-In­ter­es­sen­ten gibt es mit Mar­ti­gny. Al­ler­dings wür­den die Wal­li­ser gern schon 2022 Re­gen­bo­gen­tri­kots ver­tei­len, wes­halb sie der­zeit eher ei­ne Aus­sen­sei­ter­rol­le ha­ben.

Die Ve­lo-of­fen­si­ven Wal­li­ser

Das Wal­lis ist ge­ne­rell sehr Ve­looffen­siv. Mit ei­nem Rad­pro­fi an vor­ders­ter Front: Ste­ve Mo­rab­i­to hat Man­da­te vom Kan­ton und von ei­ner Tou­ris­mus­de­s­ti­na­ti­on, die er in ih­rem rad­sport­li­chen Be­stre­ben be­rät. Der Kan­ton ist nicht nur an den Hob­by­fah­rern in­ter­es­siert: Die Tour de Suis­se gas­tiert prak­tisch jähr­lich im Kan­ton, nächs­tes Jahr wird sie im Goms en­den. Die Tour de Fran­ce führ­te zu­letzt 2016 durchs Wal­lis, als Nächs­tes soll der Gi­ro d’Ita­lia von ei­nem Ab­ste­cher über­zeugt wer­den. Zu­gleich ist der FDJFah­rer Mo­rab­i­to Prä­si­dent des Wal­li­ser Rad­sport­ver­bands, als sol­cher ver­ei­nig­te er jüngst ei­ne Rei­he von acht Volks­ren­nen im Kan­ton.

Da­zu ge­hö­ren zwei neue, gross an­ge­leg­te Prü­fun­gen, wel­che Kund­schaft weit über den Kan­ton hin­aus an­zie­hen soll: die Tour des Sta­ti­ons, wel­che un­ter an­de­rem über ei­nen un­ge­teer­ten Pass auf 2714 Me­ter hin­auf­führt, und La Dé­s­al­pe Rei­chen­bach, bei der Mo­rab­i­tos Team­kol­le­ge Sé­bas­ti­en Rei­chen­bach Pa­tron ist.

Die Wal­li­ser Tou­ris­ti­ker gin­gen vor­aus, auf die­ses Jahr hin zog Schweiz Tou­ris­mus nach. Man hat 2018 die Renn­rad­fah­rer als in­ter­es­san­tes Kun­den­seg­ment er­kannt und meh­re­re An­ge­bo­te ent­wi­ckelt: Für die ein­hei­mi­schen Rad­fah­rer hört sich vor al­lem der Zu­sam­men­schluss «Ri­de the Alps» in­ter­es­sant an. Un­ter die­sem La­bel, un­ter­stützt von ei­nem der zwei Schwei­zer Gross­ver­tei­ler, kann ei­ne gan­ze Rei­he von Al­pen­päs­sen im Land an be­stimm­ten Ta­gen au­to­frei be­fah­ren wer­den. Das An­ge­bot ist noch über­sicht­lich, die Sper­ren für den mo­to­ri­sier­ten Ver­kehr teil­wei­se zeit­lich knapp be­mes­sen. Aber soll­te es Schweiz Tou­ris­mus mit dem En­ga­ge­ment ernst sein, könn­te dies zum Ge­winn der Rad­sport­ler sein. Hier­zu­lan­de träu­men die­se von Zu­stän­den wie in Frank­reich, wo 2018 52 Päs­se für ei­nen Tag au­to­frei sind.

Das Fahr­rad ist par­tei­los

Zu all den neu­en Ra­d­in­itia­ti­ven passt, dass sich die­se Wo­che in Bun­des­bern ei­ne klei­ne Grup­pe von Par­la­men­ta­ri­ern erst­mals ge­mein­sam für ei­ne Renn­rad­tour zu­sam­men­fin­det. Be­glei­tet wird sie von ei­nem pro­mi­nen­ten Tou­ren­lei­ter: Fa­bi­an Can­cel­la­ra. Die Rad­grup­pe wur­de auf Initia­ti­ve des Tes­si­ner FDP-Na­tio­nal­rats Roc­co Cat­ta­neo ge­grün­det, ei­nem ehe­mals ak­ti­ven und auch heu­te noch be­geis­ter­ten Renn­ve­lo­fah­rer.

Dass die Rad­par­la­men­ta­ri­er zu­sam­men­fin­den, ist drin­gend nö­tig: Im Sep­tem­ber wird über den «Bun­des­be­schluss Ve­lo» ab­ge­stimmt, wo­nach der Aus­bau des Ve­lo­net­zes künf­tig in der Ver­fas­sung fest­ge­schrie­ben wer­den soll. Cat­ta­neo hat ein kla­res Ziel: Leu­te aus al­len Par­tei­en da­von zu über­zeu­gen. Er sagt: «Das Fahr­rad hat kei­ne Par­tei.» Es be­wegt die gan­ze Schweiz.

Emil Bi­schof­ber­ger,

Gom­mis­wald

Foto: Keysto­ne

«Ri­de the Alps»: Auf Pass­stras­sen sind nur Rad­fah­rer zu­ge­las­sen.

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