Fit wie ein Turn­schuh

Berner Zeitung (Stadt) - - Mobil -

Mit der neu­en Ge­ne­ra­ti­on des Swift Sport stellt Suzuki ei­nen Hot Hatch­back auf die Rä­der, der sich ge­wa­schen hat. Punk­to Fahr­spass reiht sich der klei­ne Ja­pa­ner näm­lich ganz vor­ne ein.

200 PS? 250 oder gar 300? Pha. Suzuki pfeift auf die­sen Leis­tungs­wahn und setzt statt­des­sen lie­ber auf das, was wirk­lich zählt: auf un­ge­fil­ter­ten Fahr­spass. 140 PS rei­chen völ­lig aus, um ein Dau­er­g­rin­sen über bei­de Ba­cken zu ha­ben – ent­schei­dend ist das Fahr­zeug­ge­wicht. Und mit we­ni­ger als ei­ner Ton­ne po­si­tio­niert sich der neue Suzuki Swift Sport dies­be­züg­lich ganz vor­ne im Seg­ment. Wir gin­gen auf Tuch­füh­lung.

Wäh­rend an­de­re ih­re müh­sam an­ge­leg­ten Mus­kel­pa­ke­te prot­zig zur Schau stel­len, ist der klei­ne Ja­pa­ner be­wusst kein Bo­dy­buil­der, son­dern eher ein durch­trai­nier­ter Aus­dau­er­sport­ler. Da ist kein Gramm Fett am wohl­ge­form­ten Blech­kleid; des­halb kann sich der Swift sehr agil be­we­gen. Kei­ne Fra­ge, die neue Sport­ver­si­on ist fit wie ein Turn­schuh.

Sen­sa­tio­nell leicht

Ge­wicht ist das Schlüs­sel­wort, um ei­nen Klein­wa­gen sport­lich, spas­sig und ef­fi­zi­ent zu ma­chen. Und das ist Suzuki glän­zend ge­lun­gen. Der neue Swift Sport ist 80 Ki­lo­gramm leich­ter als der Vor­gän­ger und wiegt leer 970 Ki­lo­gramm – das ist sen­sa­tio­nell. Er­mög­licht wird das ei­ner­seits durch ei­ne neue Platt­form, auf der der Swift auf­baut. Dann wur­de frei­lich weg­ge­las­sen, was nicht nö­tig ist. Man spürt es, et­wa wenn man auf den Kof­fer­raum­de­ckel oder den Ar­ma­tu­ren­trä­ger klopft. Man hört es, weil die Fahr­ge­räu­sche im In­nern zu­wei­len laut wer­den kön­nen. Und man sieht es an den ver­bau­ten Ma­te­ria­li­en hier und dort. Bil­lig? Kann schon sein. Wir ver­zei­hen es dem Swift Sport, ja wir freu­en uns so­gar dar­über, schliess­lich be­deu­tet je­des ein­ge­spar­te Gramm mehr Fahr­spass. Dar­um geht es in die­sem Au­to pri­mär.

We­glas­sen be­deu­tet aber nicht, dass der Swift Sport schlecht aus­ge­stat­tet wä­re. Ein zeit­ge­mäs­ses In­fo­tain­ment­sys­tem, Sitz­hei­zung, gu­te Sport­sit­ze und klas­sen­üb­li­che As­sis­tenz­sys­te­me sind an Bord, se­ri­en­mäs­sig no­ta­be­ne, und das zum All-in­clu­si­ve-Preis von 23 990 Fran­ken. Als auf­preis­pflich­ti­ge Op­ti­on sind nur we­ni­ge De­tails und spe­zi­el­le Far­ben auf­ge­lis­tet; wir emp­feh­len das grel­le Cham­pi­on Yel­low, das dem Swift Sport aus­ge­zeich­net steht.

Doch ge­nug der Theo­rie und hin­ein ins Ver­gnü­gen. Die Sport­sit­ze vor­ne sind be­quem und stüt­zen gut, man sitzt viel­leicht et­was hoch und das klei­ne, grif­fi­ge Lenk­rad dürf­te ei­nen grös­se­ren Ver­stell­be­reich ha­ben, aber ab­ge­se­hen da­von passt al­les. Zün­dung – und los gehts. Der Winz­ling schnellt aus dem Stand da­von wie ein jun­ger Hund, der kläf­fend ei­nem Ball hin­ter­her­jagt. Tur­bo­loch? Fehl­an­zei­ge. Der 1,4-Li­terTur­bo­ben­zi­ner mit 140 PS stemmt sein ma­xi­ma­les Dreh­mo­ment von 230 New­ton­me­tern zwi­schen 2500 und 3500 Um­dre­hun­gen auf die Kur­bel­wel­le, doch auch dar­un­ter ist ge­nü­gend Punch vor­han­den. Es müs­sen schliess­lich ja auch nur 970 Ki­lo­gramm Leer­ge­wicht be­wegt wer­den.

Rar ge­wor­de­nes Fahr­ge­fühl

Das Lenk­ge­fühl ist di­rekt und un­ge­trübt, das Fahr­werk mel­det schein­bar un­ge­fil­tert, was auf der Stras­se pas­siert, oh­ne da­bei hart oder un­kom­for­ta­bel zu sein. Die ma­nu­el­le Sechs­gang­schal­tung wünsch­ten wir uns ei­ne Spur kna­cki­ger, sie ist aber durch­aus prä­zi­se und macht Lau­ne. Gas­be­feh­le nimmt das Ag­gre­gat spon­tan ent- ge­gen, auf der Brem­se ist der Klei­ne ei­ne Wucht. Auch hier ist das ge­rin­ge Ge­wicht ent­schei­dend.

Und das ist es frei­lich auch punk­to Fahr­ver­hal­ten. Die­sen ul­tra­leich­ten Winz­ling über ei­ne kur­vi­ge Stras­se zu ja­gen, ist ein Höl­len­spass. Die schma­len Rei­fen in Kom­bi­na­ti­on mit dem nied­ri­gen Ge­wicht und dem fein ab­ge­stimm­ten Fahr­werk er­zeu­gen ein Fahr­ge­fühl, das äus­serst rar ge­wor­den ist in der heu­ti­gen Zeit, auch im Klein­wa­gen­seg­ment. Ein­len­ken, und der Swift zieht un- mit­tel­bar und ex­akt dort­hin, wo die Len­kung hin­zielt. Fuss vom Gas, und das Heck wird leicht, hilft beim Ein­dre­hen, drückt den klei­nen Ja­pa­ner um die Kur­ve. Da braucht es kein auf­wen­di­ges Tor­que Vec­to­ring, kei­nen High­techAll­rad­an­trieb oder elek­tro­ni­sche Fahr­hil­fen (die der Swift na­tür­lich trotz­dem hat). Die­ses Au­to spürt man, ver­steht man, es er­schliesst sich ei­nem nach we­ni­gen Me­tern. Das Hand­ling ist ein­fach und schlüs­sig, die Kon­trol­le ge­lingt spie­le­risch. Wenn Fahr­spass der ent­schei­den­de Fak­tor ist, dann hat Suzuki hier ei­ne ech­te Gra­na­te auf die Rä­der ge­stellt.

So ist un­ser Fa­zit nach den ers­ten Aus­fahr­ten durch­weg po­si­tiv. Aus­se­hen? Sehr gut. Aus­stat­tung? Tipp­topp. Preis-Leis­tungs­Ver­hält­nis? Ab­so­lut fair. Rau­m­an­ge­bot? Klas­sen­üb­lich. Fahr­ver­hal­ten? Hier schlägt der neue Swift Sport der­zeit wohl al­les in sei­nem Seg­ment. Wie schön, dass es noch sol­che aufs We­sent­li­che re­du­zier­te Fahr­spass­ma­schi­nen gibt. Da­ve Schnei­der

Fo­tos: PD

Sen­sa­tio­nel­le 970 Ki­lo­gramm wiegt der neue Suzuki Swift Sport – da­mit wu­selt er durch Kur­ven wie kein an­de­rer in sei­nem Seg­ment.

Von aussen ist der Swift Sport kein Blen­der, son­dern ein hüb­scher, durch­trai­nier­ter Klein­wa­gen.

Das Cock­pit ist auf sport­li­ches Fah­ren aus­ge­legt.

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