Bel­gi­er zu stark

Berner Zeitung (Stadt) - - Vorderseite - Tho­mas Schif­fer­le, Brüs­sel

Die Schweiz hat in der Na­ti­ons Le­ague beim Fa­vo­ri­ten Bel­gi­en ver­dient 1:2 ver­lo­ren. Der bul­li­ge Tor­jä­ger Rome­lu Lu­ka­ku er­ziel­te nach der Pau­se bei­de To­re für den WM-Halb­fi­na­lis­ten, bei dem auch Su­per­star Eden Ha­zard über­zeug­te. Der ein­ge­wech­sel­te Ma­rio Gav­ra­no­vic schoss Mit­te der zwei­ten Halb­zeit das Schwei­zer Tor zum 1:1. Be­reits am Mon­tag geht es für die Schweiz in der Na­ti­ons Le­ague in Is­land wei­ter. Das ers­te Du­ell ge­gen die Is­län­der hat­te die Schweiz zu Hau­se gleich 6:0 ge­won­nen. red

Die Schwei­zer ver­lie­ren ihr zwei­tes Spiel in der Na­ti­ons Le­ague – beim 1:2 in Brüs­sel ge­gen den WM-Drit­ten Bel­gi­en müs­sen sie er­ken­nen, was sie von ei­ner ab­so­lu­ten Top­mann­schaft trennt.

Und dann geht es schnell, so rich­tig schnell. Ha­zard legt den Ball mit der Ha­cke ab, Lu­ka­ku lei­tet ihn wei­ter, Mer­tens passt ihn zu­rück, und dann ist Rome­lu Lu­ka­ku auf ein­mal ganz frei vor Yann Som­mer. Er ver­zö­gert den Schuss ei­nen Mo­ment, um den Schwei­zer Go­a­lie zu nar­ren. Und er­zielt so das 2:1.

Das Tor in der 84. Mi­nu­te ist ein klei­nes Kunst­werk, es ist der Be­weis der spie­le­ri­schen Klasse die­ser bel­gi­schen Mann­schaft, die der Schwei­zer Coach Vla­di­mir Pet­ko­vic «gol­de­ne Ge­ne­ra­ti­on» nennt. Und ja, es ist der Sieg für den Fa­vo­ri­ten in die­ser Grup­pe der Na­ti­ons Le­ague – und ein wei­te­res Mal der Nach­weis, dass den Schwei­zern noch ein Stück fehlt, um sich mit ei­nem Geg­ner von die­sem Ka­li­ber er­folg­reich mes­sen zu kön­nen.

Den Match nutzt Vla­di­mir Pet­ko­vic, um wie­der ein­mal an sei­ner Mann­schaft zu bas­teln. Im März in Grie­chen­land wähl­te er noch ein 4-1-2-2-1; es gab ein 1:0 in der tris­ten At­mo­sphä­re von Athen. Vor ei­nem Mo­nat war es ein 3-5-1-1, das er für den Test in En­g­land aus­grub; die Schweiz ver­lor 0:1.Und jetzt in Bel­gi­en ist es ein 4-4-1-1, sehr fle­xi­bel in­ter­pre­tiert. Micha­el Lang und Ri­car­do Ro­d­ri­guez sind die Aus­sen­ver­tei­di­ger, die wenn im­mer mög­lich die Of­fen­si­ve un­ter­stüt­zen sol­len. Ni­co El­ve­di ver­tritt den an­ge­schla­ge­nen Ma­nu­el Akan­ji an der Sei­te von Fa­bi­an Schär in der In­nen­ver­tei­di­gung.

Nicht in Ehr­furcht er­starrt

Gra­nit Xha­ka, wie­der der Cap­tain, weil Ste­phan Licht­stei­ner fehlt, zeigt Prä­senz im Zen­trum, Ste­ven Zu­ber, Re­mo Freu­ler und De­nis Za­ka­ria ver­rich­ten die Lauf­ar­beit vor ihm. Xher­dan Shaqi­ri be­kommt die Rol­le des Frei­geis­tes in der Of­fen­si­ve. Und ganz vor­ne wird Ha­ris Se­fe­ro­vic das Ver­gnü­gen zu­teil, sich mit den bel­gi­schen Re­cken Al­der­wei­reld, Kom­pa­ny und Ver­mae­len her­um­zu­schla­gen.

Was die Schwei­zer ma­chen, sieht or­dent­lich aus. Sie tun al­les, um sich in der De­fen­si­ve kei­ne Fehl­trit­te zu leis­ten und dem Geg­ner mit sei­ner grund­sätz­lich spie­le­risch-phy­sisch über­ra­gen­den An­griffs­rei­he kei­ne Frei­räu­me zu er­lau­ben. In An­sät­zen ver­ra­ten die Bel­gi­er, was in ih­nen steckt. Das Pu­bli­kum raunt, wenn Eden Ha­zard am Ball ist und Tem­po auf­nimmt. Auf­merk­sam­keit ist auch ge­bo­ten, wenn Car­ras­co auf der lin­ken Sei­te Lang über­läuft.

Aber Pet­ko­vics Spie­ler ste­hen zu­min­dest bis zur Pau­se de­fen­siv gut, sie sind auf­merk­sam und er- star­ren nicht gleich in Ehr­furcht, wenn Ha­zard an­ge­rannt kommt oder Lu­ka­ku die Brust reckt. Der ei­ge­ne Straf­raum ist ihr Ho­heits­ge­biet. Ti­elem­ans kommt des­halb nur aus 20 Me­tern zum Ab­schluss oder Car­ras­co aus 18 Me­tern, auch Lu­ka­ku muss sein Glück aus der Dis­tanz su­chen. Mer­tens ist es kurz vor der Pau­se schliess­lich, der Som­mer vom Straf­raum­rand am nächs­ten kommt, der Go­a­lie hält den Ball auch in die­sem Fall si­cher.

Doch die Bel­gi­er ha­ben zu viel Klasse und Selbst­ver­trau­en, um gleich ins Zwei­feln zu ver­fal­len, wenn es ih­nen in der Of­fen­si­ve nicht per­fekt läuft. Sie ma­chen ein­fach im­mer wei­ter, und dar­um sind sie es, die nach der Pau­se nach­set­zen und das Ge­sche­hen be­stim­men. Ha­zard passt zu Meu­nier, der dreht sich von Ro­d­ri­guez weg und fin­det mit sei­nem kur­zen Zu­spiel Lu­ka­ku. Der Mann von Man­ches­ter Uni­ted ist von al­len Schwei­zern ver­ges­sen und nutzt die Frei­heit, um den Füh­rungs­tref­fer zu er­zie­len. Som­mer sieht nicht gut aus, sol­che Bäl­le hat er auch schon ge­hal­ten.

Gav­ra­no­vics Bi­lanz

Die Schweiz sucht an die­sem Abend je­de Mög­lich­keit, um selbst in die Of­fen­si­ve zu ge­hen. Ha­sen­füs­sig ist sie nicht, und zwei-, drei­mal ar­bei­tet sie sich ganz gut nach vor­ne. Das ers­te Mal ist das schon in der 8. Mi­nu­te der Fall, doch Se­fe­ro­vics Schuss fällt zu harm­los aus. Al­der­wei­reld fängt den wei­ten Pass von Schär ab, Shaqi­ri wä­re sonst al­lein auf Cour­tois ge­stürmt.

Das Be­mü­hen ist da, auch ge­gen die­se Bel­gi­er. Shaqi­ris Frei­stoss nach gut ei­ner hal­ben St­un­de fliegt in den Nacht­him­mel. Dass er es bes­ser kann, zeigt er ei­ne Vier­tel­stun­de nach dem Ge­gen­tor. Von der rech­ten Straf­rau­me­cke zieht er den Frei­stoss auf den hin­te­ren Pfos­ten zu El­ve­di, der auf­ge­rück­te Ver­tei­di­ger legt den Ball von der Grund­li­nie zu­rück, und Gav­ra­no­vic ist es, der die Vor­ar­beit de­zi­diert ab­schliesst. Es ist sein 6. Tor im 18. Län­der­spiel. Und sein Be­wer­bungs­schrei­ben, um den Platz im Sturm­zen­trum vom glück­lo­sen Se­fe­ro­vic zu über­neh­men. Am En­de aber ist sein Tref­fer nur die Eh­ren­mel­dung der Schweiz. Der Geg­ner hat eben Lu­ka­ku. Und die Schweiz noch das Pech, dass die In­ter­ven­ti­on von Cour­tois ge­gen Gav­ra­no­vic in der letz­ten Mi­nu­te kei­nen Elf­me­ter ein­bringt.

Fo­to: Keysto­ne

Nicht zu stop­pen: Stür­mer­star Rome­lu Lu­ka­ku stellt die Schweiz (hier Ri­car­do Ro­d­ri­guez) vor ei­ni­ge Pro­ble­me und trifft dop­pelt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.