Ge­büh­ren fürs Zah­len im Aus­land dürf­ten sin­ken

Be­zah­len im Aus­land und Geld­über­wei­sen in Fremd­wäh­run­gen ist teu­er. Neue An­bie­ter wie Re­vo­lut und Ne­on set­zen die Ban­ken un­ter Druck. Doch die­se re­agie­ren.

Berner Zeitung (Stadt) - - Erste Seite - (jb/ali)

Ban­ken Die UBS senkt die Kar­ten­ge­büh­ren und star­tet ein neu­es An­ge­bot. Bei den UBS­Kre­dit­kar­ten ha­ben Käu­fe in Fremd­wäh­run­gen künf­tig noch ei­nen Auf­schlag von 0,5 Pro­zent. Jüngst hat die Cre­dit Suis­se ih­re Ge­büh­ren bei Aus­lands­trans­ak­tio­nen ge­senkt. Sie streicht die Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren von 1.50 Fran­ken beim Zah­len im Aus­land. Da­mit re­agie­ren die Gross­ban­ken auf On­li­ne­ban­ken wie Re­vo­lut oder Ne­on, die mit güns­ti­gen Ta­ri­fen punk­ten.

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Noch ist die Un­si­cher­heit we­gen der Co­ro­na-Kri­se gross, den­noch mel­den Schwei­zer Rei­se­ver­an­stal­ter be­reits wie­der stei­gen­de Bu­chungs­zah­len für Rei­sen nach Kre­ta, Fu­er­teven­tura oder Kroa­ti­en. Wer die rich­ti­gen Kar­ten beim Be­zah­len ein­setzt, hat in den Fe­ri­en mehr Geld zur Ver­fü­gung. Doch auch bei an­de­ren Geld­ge­schäf­ten mit dem Aus­land lohnt es sich, die Trans­fer­ge­büh­ren zu ver­glei­chen.

Neue Fi­nanz­dienst­leis­ter wie Re­vo­lut aus Grossbrita­nnien, N26 aus Deutsch­land oder Ne­on aus der Schweiz sind mit dem Ver­spre­chen an­ge­tre­ten, den ho­hen Bank­ge­büh­ren den Gar­aus zu ma­chen und so die ar­ri­vier­ten Ban­ken un­ter Druck zu set­zen. Doch ganz so ein­fach ist das of­fen­bar nicht. Vor zwei Wo­chen hat Re­vo­lut in ei­nem Kun­den­mail an­ge­kün­digt, ein­zel­ne Ge­büh­ren deut­lich zu er­hö­hen. Ab dem 12. Au­gust kos­ten Über­wei­sun­gen ins Aus­land, ab­ge­se­hen von Eu­ro­zah­lun­gen in­ner­halb des Eu­ro­raums, je nach Wäh­rung zwi­schen ei­nem und 6 Fran­ken.

Bis zu ei­nem Frei­be­trag von 1250 Fran­ken pro Mo­nat fal­len kei­ne Ge­büh­ren an. Wer mit sei­ner Pre­paid­kar­te mehr Geld aus­gibt, zahlt bei Aus­ga­ben über 1250 Fran­ken ei­ne Ge­bühr von 0,5 Pro­zent. Laut Re­vo­lut er­reicht kaum ein Kun­de die­se Gren­ze, doch dürf­ten sich die Aus­ga­ben bei Rei­sen schnell ein­mal über den Frei­be­trag sum­mie­ren.

Ver­steck­te Kos­ten

Ge­mäss den Be­rech­nun­gen des On­li­ne­ver­gleichs­diens­tes Mo­ni­to sind da­mit die Ge­büh­ren von Re­vo­lut für ei­ne Ita­li­en-Rei­se ei­nes Paars mit ei­nem Fe­ri­en­bud­get von rund 3000 Fran­ken rund 4 Fran­ken hö­her als bei der Schwei­zer On­li­ne­bank Ne­on. (Die TX Group, zu der auch die­se Zei­tung ge­hört, ist an Ne­on be­tei­ligt.) Bei ei­ner Fa­mi­li­en­rei­se mit ei­nem Budget von 6000 Fran­ken kommt Mo­ni­to auf ei­nen Ge­büh­ren­un­ter­schied von 14 Fran­ken. Doch auch wenn bei Re­vo­lut die Ge­büh­ren stei­gen, sind sie noch im­mer deut­lich güns­ti­ger als bei vie­len Ban­ken.

Wäh­rend Her­aus­for­de­rer Re­vo­lut teu­rer wird, sen­ken die Platz­hir­sche UBS und Cre­dit Suis­se ih­re Ge­büh­ren bei Aus­lands­trans­ak­tio­nen. Ver­gan­ge­ne Wo­che kün­dig­te die Cre­dit Suis­se an, ab dem 7. Ju­li die neue De­bit Mas­ter­card ein­zu­füh­ren. Beim Be­zah­len im Aus­land so­wie bei aus­län­di­schen On­li­ne­shops fal­len künf­tig kei­ne Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren von je 1.50 Fran­ken mehr an. Zu wel­chem Wech­sel­kurs die Ein­käu­fe ab­ge­rech­net wer­den, da­zu macht die Gross­bank aber kei­ne An­ga­ben. Das ist ein Ein­falls­tor für ver­steck­te Kos­ten. Neob­an­ken wie Re­vo­lut ver­rech­nen den güns­ti­gen In­ter­ban­ken­kurs.

Die UBS setzt im Wett­be­werb auf neue Pre­paid- und Kre­dit­kar­ten, die im Au­gust kom­men. «Bei die­sen Kar­ten fällt bei Käu­fen in Fremd­wäh­run­gen nur noch ei­ne

Ge­bühr von 0,5 Pro­zent an – das ist un­se­re Ant­wort auf die Neob­an­ken», sagt Ka­rin Oert­li, ope­ra­ti­ve Lei­te­rin des Schweiz­Ge­schäfts der UBS. Die Trans­ak­tio­nen wür­den mit dem Mas­ter­card-Um­rech­nungs­kurs ab­ge­rech­net. In­wie­weit die­ser sich vom In­ter­ban­ken­kurs un­ter­schei­det, ist un­klar. Bar­geld­ab­he­ben im Aus­land bleibt bei bei­den Gross­ban­ken teu­er, bei der CS kos­ten die Ge­büh­ren 4.75 Fran­ken plus 0,25 Pro­zent.

Auch die UBS bie­tet ab Ok­to­ber die neue Mas­ter-De­bit­kar­te an so­wie das Kon­kur­renz­pro­dukt von Vi­sa. Die Prei­se hier­für sei­en noch nicht ent­schie­den, der­zeit wird bei Aus­lands­trans­ak­tio­nen bei De­bit­kar­ten der UBS­De­vi­sen­kurs plus ei­ne Ge­bühr von ei­nem Pro­zent fäl­lig, die Min­dest­ge­bühr liegt bei 1.50 Fran­ken.

Teu­re Aus­lands­trans­fers

Auch bei Aus­lands­über­wei­sun­gen lässt der Wett­be­werb die Prei­se sin­ken. Doch die Un­ter­schie­de blei­ben gross: Spe­zia­li­sier­te On­li­ne­an­bie­ter wie Trans­fer­wi­se ver­lan­gen ei­ne Ge­bühr von 0,35 bis 0,5 Pro­zent, bei klas­si­schen Ban­ken wer­den 1,5 bis 3,5 Pro­zent des über­wie­se­nen Be­trags fäl­lig. Am teu­ers­ten ist der In­ter­net­an­bie­ter Pay­pal, hat der Ver­gleichs­dienst

Mo­ni­to er­mit­telt. Nun steigt die On­li­ne­bank Ne­on in das Ge­schäft ein. «Aus­lands­über­wei­sun­gen sind für ein All­tags­kon­to wich­tig», so Ju­li­us Kir­sche­neder, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied bei Ne­on. Die On­li­ne­bank ar­bei­tet da­bei mit dem Spe­zia­lis­ten Trans­fer­wi­se zu­sam­men. «Wir sind mas­siv güns­ti­ger als klas­si­sche Ban­ken», so Kir­sche­neder. Wer et­wa 4000 Fran­ken in Eu­ro wech­seln will, muss da­für bei Ne­on mit Ge­büh­ren von rund 28 Fran­ken rech­nen. Bei der Cre­dit Suis­se ist es laut Mo­ni­to ein Mehr­fa­ches.

Trans­fer­wi­se lässt sich auch oh­ne ein Ne­on-Kon­to be­nut­zen, dann ist das An­ge­bot 0,4 Pro­zent güns­ti­ger. Nach­teil: Der Kun­de kann das Geld nicht di­rekt auf das Ziel­kon­to von sei­ner Haus­bank über­wei­sen, son­dern muss das Geld zu­nächst an Trans­fer­wi­se schi­cken, von wo aus es an den fi­na­len Emp­fän­ger geht. Bei Ne­on kann der Kun­de das Geld di­rekt an den Adres­sa­ten über­wei­sen «und spart sich die Ex­tra­über­wei­sung», so Kir­sche­neder.

Da­mit lohnt sich das neue An­ge­bot beim Be­zah­len von nor­ma­len Rech­nungs­be­trä­gen, aber nicht un­be­dingt beim Kauf ei­ner Fe­ri­en­woh­nung im Aus­land. «Das An­ge­bot rich­tet sich an All­tags­nut­zer, we­ni­ger an Hea­vy User», so Kir­sche­neder.

Fo­to: Ima­go

Fran­zö­si­sche At­lan­tik­küs­te: Bei Wech­sel­kur­sen und Ge­büh­ren ist es nicht im­mer ein­fach, den Durch­blick zu be­hal­ten.

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