Schat­ten, Lärm und Ver­kehr

BZ Langenthaler Tagblatt - - Region -

Ei­ne Ein­spra­che hat die Über­bau­ungs­ord­nung Drei­lin­den ver­zö­gert. Da­von be­trof­fen ist auch der Aus­bau des Park­ho­tels. Geht es nach dem Ge­mein­de­rat, soll der Kan­ton den Geg­ner ab­wei­sen.

Ei­gent­lich hät­te Un­ter­neh­mer Adri­an Gas­ser sein Park­ho­tel im Ge­biet Drei­lin­den schon vor fünf Jah­ren aus­bau­en wol­len. Das Pro­jekt sah drei zu­sätz­li­che Eta­gen, neu 80 statt bis­her 40 Bet­ten und zu­sätz­li­che Park­plät­ze vor. Doch die da­für nö­ti­ge Über­bau­ungs­ord­nung Park­ho­tel Lan­gen­thal wur­de vom Herbst 2015 bis zum Som­mer 2017 durch Vor­prü­fun­gen, Mit­wir­kungs­ver­fah­ren und Ber­ei­ni­gun­gen ge­schleppt.

Im Ju­li letz­ten Jah­res sah es dann end­lich gut aus: Zo­nen­plan­än­de­rung, Über­bau­ungs­plan, Vor­schrif­ten und Be­richt la­gen öf­fent­lich auf. Gas­ser sag­te da­mals ge­gen­über die­ser Zei­tung: «Wir sind be­reit, das Bau­ge­such ein­zu­ge­ben. Es kann uns nicht schnell ge­nug ge­hen.» Schnell ging es dann je­doch nicht – im Ge­gen­teil. Am 7. Au­gust und da­mit am letz­ten Tag der Auf­la­ge ging bei der Stadt­ver­wal­tung ei­ne Ein­spra­che ein. Und mit eben­die­ser schla­gen sich In­ves­tor und Stadt nach wie vor her­um.

Er­folg­lo­se Ver­hand­lung

Ein­spre­cher ist die Cons­ti­vi­taIm­mo­bi­li­en-An­la­gestif­tung mit Sitz in Düben­dorf. Sie mach­te in ih­rem Schrei­ben drei Punk­te gel­tend: Be­ein­träch­ti­gung durch Schat­ten­wurf so­wie Lärm- und Ver­kehrs­be­las­tung durch Ver­an­stal­tun­gen. Nun, Schat­ten und Lärm ei­nes er­wei­ter­ten Park­ho­tels rei­chen bei­lei­be nicht bis in den Kan­ton Zü­rich, je­doch ge­hört dem Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men die neue Sied­lung 3 Lin­den gleich ne­ben­an an der West­stras­se. Die­se er­lang­te letz­tes Jahr als «Geis­ter­sied­lung» we­gen der vie­len Leer­woh­nun­gen un­frei­wil­lig na­tio­na­le Be­kannt­heit. Die Ver­ant­wort­li­chen der Sied­lung ha­ben viel un­ter­nom­men, um Mie­ter an­zu­lo­cken. Der­zeit sind je­doch nach wie vor 15 der 38 Woh­nun­gen un- be­wohnt. Am 21. März 2018 fand zwi­schen Park­ho­tel und Cons­ti­vi­ta ei­ne Ei­ni­gungs­ver­hand­lung statt – die er­hoff­te Ei­ni­gung blieb aber aus. Die Ein­spra­che wur­de voll­um­fäng­lich auf­recht­er­hal­ten.

Ball liegt beim Stadt­rat

Das fe­der­füh­ren­de Stadt­bau­amt er­ach­tet die Ein­wän­de zur Über­bau­ungs­ord­nung al­ler­dings als un­be­grün­det, die Ein­spra­che sei ab­zu­wei­sen. Nach dem Bau­ge­setz des Kan­tons Bern ist da­für das Amt für Ge­mein­den und Raum­ord­nung zu­stän­dig. Die­ses sol­le die Ein­spra­che ab­wei­sen und die Über­bau­ungs­ord­nung ge­neh­mi­gen. Die Bau- und Pla­nungs­kom­mis­si­on in Lan­gen­thal stimm­te die­sem An­trag zu, und auch der Ge­mein­de­rat ver­ab­schie­de­te im letz­ten Mo­nat die Vor­la­ge un­ver­än­dert. Jetzt liegt der Ball beim Stadt­rat, der sich am 29. Ok­to­ber trifft. An be­sag­tem Mon­tag­abend be­han­deln die Rä­te auch er­neut das Trak­tan­dum Mehr­wert­ab­ga­be bei Ein-, Um- und Auf­zo­nun­gen. Ein Re­gle­ment da­zu wies der Stadt­rat an sei­ner Sit­zung En­de März über­ra­schend zu­rück. Dies auf An­ra­ten der Ge­schäfts­prü­fungs­kom­mis­si­on (GPK) un­ter Fe­der­füh­rung von FDP-Stadt­rat und GPK-Mit­glied Die­go Cla­va­det­scher (wir be­rich­te­ten). Ge­mäss die­sem Re­gle­ment soll auf Ge­bie­ten ei­ne Mehr­wert­ab­ga­be von 30 Pro­zent er­ho­ben wer­den, falls die­se durch ein Bau­pro­jekt an Wert ge­win­nen.

Zwi­schen Tür und An­gel

Die be­ste­hen­de Ge­set­zes­lü­cke wirkt sich der­zeit zu­un­guns­ten der Stadt aus, wenn sie bei Grund­ei­gen­tü­mern ei­ne Mehr­wert­ab­ga­be ein­for­dern will. Im Fall des Park­ho­tels ver­liert die Stadt we­gen des zu­rück­ge­wie­se­nen Re­gle­ments zwar kein Geld, denn da­für hät­te sie bis spä­tes­tens im April 2017 ver­trag­li­che Mehr­wer­te mit gleich­zei­ti­ger Auf­la­ge fest­le­gen müs­sen. Da sich aber das Pro­jekt ver­zö­ger­te, fällt die Über­bau­ungs­ord­nung nun zwi­schen Tür und An­gel. «Wir ha­ben noch ver­sucht, ei­nen Ver­trag ab­zu­schlies­sen», sagt Stadt­prä­si­dent Re­to Mül­ler (SP). Doch schliess­lich wis­se auch die Ge­gen­sei­te mit der kan­to­na­len Ge­setz­ge­bung um­zu­ge­hen. Der Mehr­wert dürf­te sich beim Park­ho­tel auf un­ge­fähr 100 000 Fran­ken be­lau­fen. «Der Är­ger ist bei uns gross, aber wir ver­su­chen nun, In­ves­tor Adri­an Gas­ser doch noch zu ei­ner frei­wil­li­gen Ab­ga­be für die Öf­fent­lich­keit zu be­we­gen», so Mül­ler. An­geb­lich kön­ne sich die­ser vor­stel­len, mit dem Be­trag ein neu­es Kun­st­ra­sen­feld für den FC Lan­gen­thal zu spon­sern. Gas­ser selbst konn­te für ei­ne Stel­lung­nah­me bis­her nicht er­reicht wer­den. Ju­li­an Per­re­noud

«Der Är­ger ist bei uns gross, aber wir ver­su­chen nun, In­ves­tor Adri­an Gas­ser doch noch zu ei­ner frei­wil­li­gen Ab­ga­be für die Öf­fent­lich­keit zu be­we­gen.»

Stadt­prä­si­dent Re­to Mül­ler

Fo­to: Olaf Nör­ren­berg

Die Ver­grös­se­rungs­plä­ne für das Park­ho­tel lie­gen auf Eis: Ei­ne Ei­ni­gung mit dem Ein­spre­cher konn­te bis­her nicht er­zielt wer­den.

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