Der Bund ver­klagt Vic­to­rin­ox

BZ Langenthaler Tagblatt - - Wirtschaft - Bern­hard Kis­lig

Ar­ma­su­is­se wer­tet die­ses Ur­teil als Lei­tent­scheid mit Si­gnal­wir­kung.

Die Eid­ge­nos­sen­schaft geht recht­lich ge­gen Vic­to­rin­ox vor. Die Mes­ser­schmie­de aus der Schweiz soll in den USA auf ei­nem Markenrecht be­har­ren, das ei­gent­lich dem Bund zu­steht. Nun kommt der Fall vor Ge­richt.

Seit Jahr­zehn­ten ar­bei­ten die Schwei­zer Ar­mee und Vic­to­rin­ox zu­sam­men – das Schwei­zer Ar­mee­mes­ser, in­ter­na­tio­nal be­kannt als Swiss Ar­my Kni­fe, ist Teil die­ser Er­folgs­ge­schich­te. Jetzt trübt al­ler­dings ein Streit um Mar­ken­rech­te die bis­her für bei­de Sei­ten lu­kra­ti­ve Part­ner­schaft. Die Ar­mee­aus­rüs­te­rin Ar­ma­su­is­se hat stell­ver­tre­tend für die Eid­ge­nos­sen­schaft die Mes­ser­schmie­de Vic­to­rin­ox auf Scha­den­er­satz ver­klagt.

Ge­mäss Ar­ma­su­is­se wa­ren sich die Par­tei­en über die Aus­le­gung ei­ner Ver­trags­klau­sel zum wich­ti­gen US-Markt nicht ei­nig. Dann stell­te Ar­ma­su­is­se fest, dass Vic­to­rin­ox die Mar­ke «Swiss Mi­li­ta­ry» trotz lau­fen­den Ver­hand­lun­gen in den USA «ver­trags- und treu­wid­rig als Sperr­mar­ke an­ge­mel­det» hat­te. Das ver­hin­der­te laut Ar­ma­su­is­se, dass der Bund ei­nen welt­wei­ten Li­zenz­ver­trag mit ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men ein­ge­hen konn­te. Den ent­stan­de­nen Scha­den soll Vic­to­ri- nox zu­rück­er­stat­ten. Ar­ma­su­is­se nennt we­der die Hö­he der Sum­me noch den Na­men des in­vol­vier­ten Un­ter­neh­mens. Nur so viel: Es geht um ei­nen Schwei­zer Be­trieb, wel­cher mit der Mar­ke «Swiss Mi­li­ta­ry» auch in den USMarkt ein­stei­gen woll­te.

Vic­to­rin­ox schweigt

Auch nach Rück­spra­che mit Kon­zern­chef Carl El­se­ner ju­ni­or woll­te Vic­to­rin­ox ges­tern kei­ne Stel­lung be­zie­hen. Am Pro­zess, der am kom­men­den Don­ners­tag vor dem Ber­ner Han­dels­ge­richt be­ginnt und zwei Ta­ge dau­ern könn­te, wird das Un­ter­neh­men sei­ne Po­si­ti­on dar­le­gen müs­sen. Es wird Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen ge­ben. Schei­tern die­se, fällt das Ge­richt ein Ur­teil.

Zwei Grün­de tra­gen mass­geb­lich da­zu bei, dass die Eid­ge­nos­sen­schaft ge­gen das Schwei­zer Vor­zei­ge­un­ter­neh­men Vic­to­rin­ox vor­geht. Ers­tens ein Vor­stoss des Schaff­hau­ser Stän­de­rats Tho­mas Min­der, der als Par­tei­lo­ser in der SVP-Frak­ti­on po­li­ti­siert. Er for­der­te im Jahr 2012, dass der Bund Mar­ken wie «Swiss Ar­my», «Swiss Mi­li­ta­ry», «Swiss Air Force» und an­de­re Be­zeich­nun­gen in ver­schie­de­nen Spra­chen re­gis­triert und die Mar­ken­rech­te durch­setzt. Da­mit stiess er bei Bun­des­rat und Par­la­ment auf brei­te Zu­stim­mung.

Zwei­tens spürt Ar­ma­su­is­se auf­grund ei­nes Ur­teils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 22. Ja­nu­ar die­ses Jah­res Rü­cken­wind für ihr An­lie­gen: Die Bun­des­rich­ter ent­schie­den letzt­in­stanz­lich, dass die Mar­ke «Swiss Mi­li­ta­ry» auch in der Ka­te­go­rie «Uh­ren» nur von der Eid­ge­nos­sen­schaft be­nützt wer­den darf. Zum Ver­fah­ren kam es, weil sich die Fir­ma Mon­tres Charmex SA da­ge­gen ge­wehrt hat­te, dass der Bund die­se Mar­ke für sich be­an­sprucht. Charmex pro­du­ziert schon seit vie­len Jah­ren Uh­ren mit der Be­zeich­nung «Swiss Mi­li­ta­ry», die un­ter an­de­rem da­für be­kannt sind, dass sie auch in meh­re­ren Tau­send Me­ter Tie­fe noch was­ser­dicht sind. Ar­ma­su­is­se wer­tet die­ses Ur­teil als Lei­tent­scheid mit Si­gnal­wir­kung.

Scha­den­er­satz zweit­ran­gig

Im ak­tu­el­len Fall zwi­schen Eid­ge­nos­sen­schaft und Vic­to­rin­ox dürf­te es nicht die Scha­den­er­satz­sum­me sein, die für die bei­den Streit­par­tei­en ins Ge­wicht fällt. Zum Ver­gleich: Mit der Ver­ga­be von Li­zen­zen für Ar­mee­be­zeich­nun­gen hat der Bund 2017 ge­ra­de ein­mal 1,1 Mil­lio­nen Fran­ken ein­ge­nom­men. Wich­ti­ger ist die lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve, in der Vic­to­rin­ox mit Schwei­zer Qua­li­täts­mar­ken auch in den USA zu­sätz­li­che Markt­an­tei­le ge­win­nen möch­te. Und schliess­lich liegt auf der Hand, dass die ak­tu­el­le Scha­den­er­satz­kla­ge nur ein Zwi­schen­schritt ist. Ziel ist na­tür­lich, dass die Eid­ge­nos­sen­schaft am En­de die Mar­ke «Swiss Mi­li­ta­ry» in den USA re­gis­trie­ren und li­zen­zie­ren kann, oh­ne dass durch ei­ne ver­gleich­ba­re Zweit­mar­ke Rechts­un­si­cher­hei­ten ent­ste­hen.

Mar­ken­strei­tig­kei­ten um Ar­mee­be­zeich­nun­gen sind nichts Neu­es. Ein be­kann­te­res Bei­spiel ist die «Swiss Ar­my»-Scho­ko­la­de, wel­che die Fir­ma Star Tra­de ver­kauf­te. Auch ge­gen die­se Fir­ma ist Ar­ma­su­is­se in ei­nem Pro­zess vor dem Han­dels­ge­richt Bern vor­ge­gan­gen. Das Ge­richt gab der Eid­ge­nos­sen­schaft recht. Star Tra­de hät­te die Mög­lich­keit ge­habt, die Mar­ke wei­ter­hin zu ver­wen­den und da­für ei­ne Li­zenz­ge­bühr zu ent­rich­ten. Doch we­gen tie­fer Mar­gen wähl­te die Fir­ma ei­nen an­de­ren Weg: Heu­te trägt die Star-Tra­de-Scho­ko­la­de die Be­zeich­nung «Roy­al Ar­my».

Fo­to: Sa­mu­el Tru­em­py (Keysto­ne)

Letz­te Qua­li­täts­kon­trol­le von Ar­mee­mes­sern in der Vic­to­rin­ox-Fa­b­rik in Ibach (SZ).

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