Mil­lio­nen­kla­ge ge­gen die ei­ge­ne Fa­mi­lie

BZ Langenthaler Tagblatt - - Wirtschaft -

Der Ma­gna-Grün­der und Mil­li­ar­där Frank Stro­nach wirft sei­ner Toch­ter Miss­ma­nage­ment vor.

Sei­ne Schwei­zer Fir­ma hat er in die­sen Ta­gen auf­ge­löst.

Als Frank Stro­nach im Ju­ni ein Buch zur «Fra­ge al­ler Fra­gen» ver­öf­fent­lich­te, wid­me­te er das sei­nen Kin­dern Be­lin­da und And­rew so­wie den En­keln Frank, Nik­ki und Se­le­na. Sie soll­ten «mit ih­rem Ein­satz und ih­ren

Ta­len­ten mit­hel­fen, ei­ne bes­se­re Welt zu schaf­fen». Die­sen Wunsch hat der 86-jäh­ri­ge Mil­li­ar­där mit ös­ter­rei­chi­schen Wur­zeln und Wohn­sitz in Ka­na­da mitt­ler­wei­le of­fen­bar auf­ge­ge­ben. Heu­te fin­det der Grün­der des Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rers Ma­gna, dass Toch­ter Be­lin­da und ih­re Kin­der sei­ne Vi­sio­nen der Welt «auf un­fai­re und un­be­dach­te Wei­se ab­leh­nen».

Wohn­sitz in Cham

Des­halb kla­gen Frank und sei­ne Frau El­frie­de die Toch­ter und zwei En­kel ein. Der Streit­wert be­trägt 520 Mil­lio­nen ka­na­di­sche Dol­lar, das sind fast 400 Mil­lio­nen Fran­ken. Ma­gna In­ter­na­tio­nal ge­hört zu den gröss­ten Zu­lie­fe­rern der Automobilindustrie, mit über 150000 Mit­ar­bei­tern welt­weit und 38 Mil­li­ar­den Fran­ken Um­satz.

Stro­nach wirft sei­nen Nach­kom­men vor, sie wür­den sei­ne Vi­sio­nen nicht um­set­zen und statt­des­sen das Geld für den ei­ge­nen Lu­xus ver­pras­sen. In der Kla­ge­schrift ge­gen Be­lin­da und den Chef des Kon­zerns The Stro­nach Group (TSG) ist von ei­nem mas­si­ven Scha­den durch Miss­ma­nage­ment, von ei­nem «Ver­trau­ens­bruch» und von «Ver­schwö­rung» die Re­de. Die Kla­ge wur­de An­fang Ok­to­ber ein­ge­bracht, als ers­tes Me­di­um be­rich­te­te dar­über die ka­na­di­sche Pfer­de­renn­zei­tung «Tho­rough­b­red Dai­ly News». Stro­nach ist be­geis­ter­ter Pfer­de­züch­ter, sei­ne Fir­ma be­sitzt Pfer­de­renn­bah­nen in ganz Nord­ame­ri­ka.

Mit ge­schätz­ten 1,4 Mil­li­ar­den Fran­ken Ver­mö­gen ge­hört Stro­nach zum Club der 50 reichs­ten Ka­na­di­er. Von der Lis­te des Ma­ga­zins «Bi­lanz» der 300 reichs­ten Schwei­zer ist sein Na­me hin­ge­gen ver­schwun­den. Frank Stro­nach hat zwar of­fi­zi­ell noch ei­nen Wohn­sitz in ei­nem In­dus­trie­quar­tier zwi­schen Zug und Cham, sei­ne Zu­ger Fir­ma Stro­nach & Co. wur­de je­doch im Sep­tem­ber 2018 auf­ge­löst und die­se Wo­che aus dem Han­dels­re­gis­ter ge­löscht.

Stro­nach kommt aus bit­ter­ar­men Ver­hält­nis­sen in der Stei­er­mark, emi­grier­te in den 50erJah­ren erst in die Schweiz und spiel­te ein Jahr lang Fussball in Bern. Da­nach ging der ge­lern­te Werk­zeug­ma­cher nach Ka­na­da, grün­de­te in ei­ner Ga­ra­ge sei­ne ers­te Fir­ma und mach­te aus Mag- na ei­nen der gröss­ten Au­to­zu­lie­fe­rer­kon­zer­ne der Welt. In der Schweiz ent­stand 1994 sei­ne Con­sul­ting­fir­ma Stro­nach & Co. in Zug, über die er von sei­ner ei­ge­nen Fir­ma Ma­gna Be­ra­tungs­ho­no­ra­re in Mil­lio­nen­hö­he kas­sier­te. An­de­re Ma­gna-Ak­tio­nä­re pro­tes­tier­ten ge­gen die Gel­d­ent­nah­me, aber oh­ne Er­folg.

Rin­der­zucht und Golf­plät­ze

2010 stie­gen Stro­nach und sei­ne Fa­mi­lie bei Ma­gna aus und be­ka­men da­für laut der Zei­tung «The Glo­be and Mail» 650 Mil­lio­nen Fran­ken. Frank und Be­lin­da spe­zia­li­sier­ten sich auf Pfer­de­ren­nen, Golf­plät­ze und Rin­der­zucht, die al­le zur Stro­nach-Grup­pe TSG ge­hö­ren. Sei­ne Ade­na-Farm in Flo­ri­da mit über zehn­tau­send Tie­ren steht nun im Mit­tel­punkt des Rechts­streits.

Va­ter Frank wirft sei­ner Toch­ter Be­lin­da vor, sie ha­be den Be­trieb her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet. Die Toch­ter weist die Vor­wür­fe in ei­nem State­ment an ka­na­di­sche Me­di­en zu­rück. Und auch wenn Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­se manch­mal schwie­rig sein könn­ten, so «lie- ben mei­ne Kin­der und ich mei­nen Va­ter». Als Stro­nach 2013 in Ös­ter­reich ei­ne Par­tei grün­de­te, über­nahm sei­ne Toch­ter die Lei­tung des Un­ter­neh­mens. Das po­li­ti­sche Aben­teu­er ih­res Va­ters be­gann mit ei­nem ko­me­ten­haf­ten Auf­stieg in Um­fra­gen: Das «Team Stro­nach» wur­de vor al­lem für Bür­ger­li­che und Rechts­po­pu­lis­ten zur Kon­kur­renz.

Viel­leicht war es ein zeit­li­cher Zu­fall, viel­leicht hat­te aber auch die Po­li­tik ih­re Hän­de im Spiel: Ge­nau zu je­ner Zeit, als Stro­nach po­li­ti­sche Am­bi­tio­nen zeig­te, wur­den die ös­ter­rei­chi­schen Fi­nanz­be­hör­den auf die Schwei­zer Fir­ma des Mil­li­ar­därs auf­merk­sam. Und sie lei­te­ten ei­ne Steu­er­prü­fung ein. Of­fen­bar be­stand der Ver­dacht, dass Stro­nach sein «Welt­ein­kom­men» nicht an sei­nem Le­bens­mit­tel­punkt, son­dern in der Schweiz ver­steu­er­te.

Von Zug nach Jer­sey

Be­kannt wur­de die­ses Ver­fah­ren nur, weil die Ös­ter­rei­cher ein Rechts­hil­fe­ge­such an die Schwei­zer Fi­nanz­be­hör­den stell­ten und Stro­nachs An­wäl­te Ein­spruch ein­leg­ten und des­sen Ab­leh­nung durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt an­ony­mi­siert ver­öf­fent­licht wur­de. Wie das ös­ter­rei­chi­sche Steu­er­ver­fah­ren en­de­te, ist nicht be­kannt.

Schul­den hin­ter­lässt Stro­nach in der Schweiz nicht. Wo­hin sein Ver­mö­gen wan­der­te, kann nur ver­mu­tet wer­den. Der An­trag zur Fir­men­auf­lö­sung wur­de auf der Ka­nal­in­sel Jer­sey ge­stellt. Dort re­si­diert ei­ne Fir­ma na­mens En­zi­an In­vest­ments. Auch sie wird Frank Stro­nach zu­ge­ord­net. Das Le­ben, be­tont der Mil­li­ar­där in je­dem In­ter­view, «war im­mer sehr gut zu mir». Für die­se Zei­tung war Stro­nach nicht er­reich­bar.. Bern­hard Odehnal

Fo­to: Rick Ma­do­nik (Get­ty)

Der Fa­mi­li­en­se­gen hängt der­zeit schief: Frank Stro­nach und sei­ne in Ungna­de ge­fal­le­ne Toch­ter Be­lin­da.

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