Wo Far­ben f lie­gen ler­nen

BZ Langenthaler Tagblatt - - Magazin -

Schmet­ter­lin­ge sind die Pas­si­on von Hans­Pe­ter Wy­mann aus Mün­ch­rin­gen. Die fei­nen Flie­ge­tie­re be­glei­ten ihn in Be­ruf und Frei­zeit. Doch auch die we­ni­ger zar­ten Sei­ten kom­men nicht zu kurz in Wy­manns Le­ben.

Ei­ne Wie­se in vol­ler Blü­te. Grä­ser so hoch, dass sie um­kni­cken wür­den, flös­se nicht der Früh­lings­saft durch ih­re Adern. Her­aus ragt: ein Netz. Fein­ma­schig, ro­sa­far­ben, be­fes­tigt an ei­nem lan­gen Holz­stock. An des­sen En­de ein brau­ner Lo­cken­schopf. Hans-Pe­ter Wy­mann, fünf­jäh­rig, Schmet­ter­lings­jä­ger.

55 Jah­re spä­ter guckt sich Wy­mann die­se Sze­ne auf dem Fo­to an und stellt fest: Bis auf die Haar­far­be hat sich nicht viel ver­än­dert. Die Schmet­ter­lin­ge und er

«Bei mei­nen Zeich­nun­gen kann ich ty­pi­sche Merk­ma­le ei­ner Art be­to­nen.»

Hans-Pe­ter Wy­mann schwir­ren im­mer noch in glei­chen Sphä­ren. Als wis­sen­schaft­li­cher Il­lus­tra­tor und As­sis­tent am Na­tur­his­to­ri­schen Mu­se­um der Bur­ger­ge­mein­de Bern zeich­net, be­stimmt und sor­tiert er sie vier Ta­ge pro Wo­che.

Ak­tu­ell ar­bei­tet Wy­mann an ei­nem Buch über al­le Schwei­zer Tag­fal­ter­ar­ten. Er lie­fert die Zeich­nun­gen, die zwan­zig an­de­ren am Buch be­tei­lig­ten Spe­zia­lis­ten die Tex­te und Fo­tos. «An­ders als auf Fo­tos, die im­mer In­di­vi­du­en zei­gen, kann ich bei mei­nen Zeich­nun­gen ty­pi­sche Merk­ma­le ei­ner Art be­to­nen. So füh­re ich die Au­gen der Be­trach­ten­den dort­hin, wo die Un­ter­schie­de lie­gen.»

Die Mil­li­on im Kel­ler

Seit ei­nem Jahr läuft das Pro­jekt, 2023 möch­te der Haupt-Ver­lag das Buch pu­bli­zie­ren. Dass er sein Schaf­fen über ei­ne solch lan­ge Zeit­span­ne ein­tei­len muss, ist für Wy­mann kein Pro­blem, son­dern Rou­ti­ne: Zehn Wer­ke hat er be­reits il­lus­triert. Um das Pen­sum zu be­wäl­ti­gen, zeich­net er pro Wo­che cir­ca sechs Schmet­ter­lin­ge – ab­hän­gig von de­ren Kom­ple­xi­tät: «Für man­che brau­che ich ei­nen Tag, an­de­re sind nach zwei St­un­den fer­tig.»

Sitzt Wy­mann nicht an sei­nem Zeich­nungs­pult am Fens­ter – «bei leicht be­wölk­tem Him­mel ist das Licht am bes­ten» –, ord­net er drei Stock­wer­ke tie­fer die Schmet­ter­lings­samm­lung des Mu­se­ums. In ei­nem Raum mit grau­en Wän­den und Re­ga­len la­gern bei 14 Grad Cel­si­us und 38 Pro­zent Luft­feuch­tig­keit mehr als ei­ne Mil­li­on Schmet­ter­lin­ge. Und es wer­den im­mer mehr: Pri­va­te ver­ma­chen dem Mu­se­um ih­re Samm­lun­gen, Wy­mann be­ar­bei­tet dann die­se Neu­zu­zü­ge.

Als «schön ru­hig, fast schon me­di­ta­tiv» be­schreibt Wy­mann die Sor­tier­auf­ga­be. Ein kras­ser Kon­trast zu sei­nem Frei­tags­pro­gramm: Dann un­ter­rich­tet der aus­ge­bil­de­te Leh­rer an ei­ner ach­ten Klas­se in Je­gen­storf. Am liebs­ten mag er die Sing­stun­den, be­grün­det durch sei­ne Ver­gan­gen­heit: In sei­nen Zwan­zi­ger­jah­ren tin­gel­te er mit ver­schie­de­nen Bands durch Clubs in Bern und Biel, mal am Kla­vier, mal am Bass oder an der Gi­tar­re. Heu­te spielt er die In­stru­men­te «just for fun», da­heim in Mün­ch­rin­gen.

Für mehr wür­de ihm auch die Zeit feh­len, flo­gen ihm die

«Für man­che Schmet­ter­lin­ge brau­che ich ei­nen Tag, an­de­re sind nach zwei St­un­den fer­tig.»

Schmet­ter­lin­ge doch in­zwi­schen an­de­re Tä­tig­kei­ten in sein Le­ben. Im Som­mer führt er Um­welt­ver­träg­lich­keits­prü­fun­gen durch, wenn bei Bau­vor­ha­ben Schmet­ter­lin­ge be­trof­fen sein könn­ten. In der Frei­zeit durch­fors­tet er sys­te­ma­tisch das Ber­ner Ober­land nach dort noch nicht be­kann­ten Schmet­ter­lings­ar­ten.

Haupt­sa­che, es fliegt

Und dann ist da auch noch ei­ne Fa­mi­lie, mit der er Zeit ver­brin­gen will: vor al­lem mit sei­nem 19jäh­ri­gen Sohn. Selbst da ha­ben die Schmet­ter­lin­ge ih­re Flü­gel drin: «Für sei­ne Ma­tur­ar­beit

Fo­tos: Chris­ti­an Pfan­der

Gu­tes Licht: Hans-Pe­ter Wy­mann hatsich sei­nen Ar­beits­platz amFens­ter ein­ge­rich­tet.

Prä­zi­si­ons­ar­beit: Feins­te Stri­che mit dem Pin­sel.

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