Sym­bo­li­scher Trop­fen auf den heis­sen St­ein

Die Ar­beits­grup­pe Sport der Region Obe­ra­ar­gau will am­bi­tio­nier­ten Ta­len­ten fi­nan­zi­el­len Schub ge­ben. Viel er­rei­chen wol­len et­wa die Buch­ser Hand­bal­le­rin­nen und ei­ne jun­ge Ski­fah­re­rin.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Ju­li­an Per­re­noud

Obe­ra­ar­gau Mit re­gio­na­len Sport­för­der­or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­stützt die Ar­beits­grup­pe Sport der Region Obe­ra­ar­gau je­ne Nach­wuchs­ta­len­te, die es im Spit­zen­sport weit brin­gen wol­len. Ei­ni­ge ha­ben Gros­ses vor.

Es ist nicht mehr als ein Trop­fen auf den heis­sen St­ein. Das sagt Fritz Ae­bi über die För­der­bei­trä­ge für den re­gio­na­len Nach­wuchs. Dem Prä­si­den­ten der Ar­beits­grup­pe Sport Region Obe­ra­ar­gau ist be­wusst, dass, wer im Spit­zen­sport er­folg­reich sein will, schon in jun­gen Jah­ren tief in die ei­ge­ne Ta­sche oder in je­ne der El­tern grei­fen muss.

Und trotz­dem sieht Ae­bi das La­bel «Nach­wuchs­sport Obe­ra­ar­gau» als wich­ti­gen Bei­trag für je­ne Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten, die den Wil­len ha­ben, et­was zu er­rei­chen. Nicht nur aus fi­nan­zi­el­ler Sicht, son­dern auch aus mo­ra­li­scher. Un­ter­stützt wird ge­zielt die na­tio­na­le Spit­ze im Eli­te­al­ter. «Wir wol­len kein Giess­kan­nen­prin­zip», sagt Ae­bi. Um den Brei­ten­sport zu för­dern, ge­be es an­de­re Ge­fäs­se.

Seit mehr als zwei Jah­ren eva­lu­iert die Ar­beits­grup­pe ein­ge­hen­de Ge­su­che. Die För­der­bei­trä­ge sind be­fris­tet auf ei­ne Lauf­zeit von drei Jah­ren und lie­gen zwi­schen 1000 und 5000 Fran­ken jähr­lich. Das hängt da­von ab, wie viel die bei­den Sport­för­der­or­ga­ni­sa­tio­nen Club 88 in Hutt­wil und Don­ners­tag-Club in Lan­gen­thal be­reit sind, bei­zu­tra­gen.

An ei­ner Me­di­en­kon­fe­renz ori­en­tiert die Ar­beits­grup­pe dar­über, wer be­reits un­ter­stützt wird. Es sol­len aber bis im Herbst noch mehr An­trä­ge von Sport­le­rin­nen und Sport­lern ge­neh­migt wer­den – falls denn wel­che ein­ge­hen. Der­zeit wird im Obe­ra­ar­gau der Nach­wuchs im Hand­ball, Ski Al­pin, Eis­ho­ckey und Leicht­ath­le­tik mit 12’000 Fran­ken pro Jahr un­ter­stützt. Zwei da­von wer­den hier nä­her vor­ge­stellt.

HVH Da­men U-14 bis U-18, 3000 Fran­ken

Der Pal­ma­res ist ein­drück­lich: zwei­mal Hand­ball-Schwei­zerMeis­ter

mit der U-15 und ein­mal Schwei­zer Meis­ter mit der U-18. Die Nach­wuchs­ar­beit des HV Her­zo­gen­buch­see kann sich se­hen las­sen. Der Ver­ein för­dert sei­ne Spie­le­rin­nen lang­fris­tig, vie­le Ei­gen­ge­wäch­se sind spä­ter in der 1. Mann­schaft en­ga­giert. Die­se schlägt sich in der höchs­ten Spiel­klas­se tap­fer, kommt aber nicht wirk­lich vom Fleck, wie Jürg Lü­thi, Trai­ner der U-18, sagt.

Al­so hat der HVH un­ter­sucht, woran es ihm im Ver­gleich zu den Spit­zen­teams man­gelt. «Sie

ma­chen al­les noch ei­ne Spur pro­fes­sio­nel­ler als wir», stellt Lü­thi fest. Des­halb hat der Ver­ein ein Pro­jekt lan­ciert, um das La­bel «Swiss Hand­ball Roo­kies» auf­zu­bau­en. Lang­fris­tig will der Ver­ein die Qua­li­tät sei­nes Nach­wuch­ses si­chern, die Ju­nio­rin­nen ge­zielt an das Ni­veau der 1. Frau­en­mann­schaft her­an­füh­ren und als Vi­si­on ein re­gio­na­les Leis­tungs­zen­trum auf­bau­en. «So et­was gibt es für Frau­en im Mit­tel­land sonst nir­gend­wo», sagt Lü­thi. Um die­se Zie­le zu er­rei­chen, braucht der HVH na­tür­lich in ers­ter Li­nie Geld, wie je­nes vom Obe­ra­ar­gau­er För­der­pro­gramm. Al­ler­dings er­for­dert das Pro­jekt auch zu­sätz­li­che Trai­nings, hoch­qua­li­fi­zier­te Trai­ner, ein me­di­zi­ni­sches Kon­zept so­wie ei­ne ge­ziel­te Ath­le­ten­be­treu­ung – auch durch ei­ne Sport­soft­ware, mit der die Trai­nings­plä­ne der Spie­le­rin­nen in­di­vi­du­ell zu­sam­men­ge­stellt wer­den.

Da­ria Zur­lin­den, Ski Al­pin, 1000 Fran­ken

Ath­le­tin­nen und Ath­le­ten aus dem Un­ter­land sind im Ski­sport die Aus­nah­me. Ei­ne da­von ist Da­ria Zur­lin­den vom Ski­club Nie­der­bipp. An der Lenk ist sie als Kind mit dem al­pi­nen Sport in Be­rüh­rung ge­kom­men. Sie hat ein ers­tes Ski­ren­nen ab­sol­viert, ist Drit­te ge­wor­den und so in den Renn­sport rein­ge­rutscht. Seit zwei Jah­ren wird sie nun be­reits durch das La­bel Nach­wuchs­sport Obe­ra­ar­gau ge­för­dert.

Die 15-Jäh­ri­ge hat die­ses Jahr das Gym­na­si­um Obe­ra­ar­gau be­sucht und wird im Früh­herbst die Sport­mit­tel­schu­le in En­gel­berg be­gin­nen. Da­mit wird das Ski­trai­ning in den Schul­plan in­te­griert, und ihr An­fahrts­weg ver­kürzt sich mas­siv. Sie ist mitt­ler­wei­le Mit­glied des Zen­tral­schwei­zer Ski­ver­bands und möch­te bis nächs­tes Jahr in ein na­tio­na­les Leis­tungs­zen­trum auf­ge­nom­men wer­den.

Durch die Co­ro­na­vi­rus-Pan­de­mie fand die Ski­sai­son ein jä­hes En­de. Wie hält sich Da­ria Zur­lin­den bis zum nächs­ten Win­ter fit? «Ich ma­che Leicht­ath­le­tik. Mehr­kampf», sagt die Nie­der­bip­pe­rin. Bis­her fuhr sie Sla­lom, Rie­sen­sla­lom und Su­per-G. Neu sol­len auch in­ter­na­tio­na­le FIS-Ren­nen mit Ab­fahr­ten da­zu­kom­men. Die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung kann Da­ria Zur­lin­den gut ge­brau­chen, sie sagt: «Ei­ne FIS-Sai­son kos­tet et­wa 40’000 Fran­ken.»

Fo­to: Mar­cel Bie­ri

Die Buch­se­rin­nen ju­beln. Nicht nur die Ju­nio­rin­nen, son­dern auch das A-Team soll dies künf­tig häu­fi­ger tun kön­nen.

Fo­to: Da­ni­el Fuchs.

Jürg Lü­thi ist Pro­jekt­ver­ant­wort­li­cher und Trai­ner der U-18-Eli­te Da­men in Her­zo­gen­buch­see.

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