Bahn­hof Süd: Der Stadt­rat sagt Nein zum Pro­jekt­kre­dit

Die BLS und der Lan­gen­tha­ler Ge­mein­de­rat woll­ten prü­fen, den Bahn­hof Süd um 150 Me­ter in Rich­tung Por­zi­are­al zu ver­le­gen. Im Stadt­rat brauch­te es den Stich­ent­scheid der Prä­si­den­tin.

BZ Langenthaler Tagblatt - - Vorderseit­e - Ju­li­an Per­re­noud

Lan­gen­thal Der Stadt­rat hat an sei­ner Sit­zung ei­nen Kre­dit von 85’000 Fran­ken für ein Kon­zept zur Neu­an­bin­dung des Bahn­hof Süd ab­ge­lehnt. Mit die­sem soll­te ein Be­triebs- und Gestal­tungs­kon­zept er­stellt wer­den, das als Grund­la­ge für die Ver­le­gung der Sta­ti­on Lan­gen­thal Süd die­nen soll­te. Ge­plant war, den Bahn­hof um et­wa 150 Me­ter in Rich­tung Por­zi­are­al zu ver­schie­ben. Die BLS muss die be­trof­fe­ne Hal­te­stel­le bis 2023 be­hin­der­ten­ge­recht um­bau­en. (jpw)

Der Stadt­rat ent­schei­det sich knapp ge­gen den Ver­pflich­tungs­kre­dit für ein Kon­zept zur Neu­an­bin­dung des Bahn­hofs Süd. Mit die­sem Kre­dit von 85’000 Fran­ken hät­te ein Be­triebs- und Gestal­tungs­kon­zept aus­ge­ar­bei­tet wer­den sol­len. Die BLS muss den Bahn­hof bis 2023 be­hin­der­ten­ge­recht um­bau­en. Gleich­zei­tig woll­te sie ihn um 150 Me­ter ver­set­zen.

War­um nicht gleich den gan­zen Bahn­hof Süd ver­schie­ben? Das ha­ben sich die BLS, die Stadt Lan­gen­thal und das Un­ter­neh­men Ducksch An­li­ker ge­fragt. Die BLS ist ver­pflich­tet, bis 2023 ih­re Hal­te­stel­le Lan­gen­thal Süd be­hin­der­ten­ge­recht aus­zu­bau­en. Da die Sta­ti­on an der heu­ti­gen La­ge in ei­ner leich­ten Kur­ve liegt, möch­te die BLS die­se um et­wa 150 Me­ter nach Sü­den hin zum Por­zi­are­al ver­set­zen.

Die­ser Stand­ort ent­spricht eben­falls den Er­geb­nis­sen ei­ner von der Stadt durch­ge­führ­ten Test­pla­nung. Die BLS hat bis im Som­mer 2021 ihr Bau­ge­such beim Bun­des­amt für Ver­kehr ein­zu­ge­ben. Da­bei muss sie ver­bind­lich wissen, ob und wie die Stadt die neue öf­fent­li­che Zu­gäng­lich­keit vor­sieht. Ge­mäss ei­nem Be­richt zur Neu­an­bin­dung der Sta­ti­on Lan­gen­thal Süd gibt es für die BLS und den Ge­mein­de­rat meh­re­re Vor­tei­le: Die neue La­ge der Hal­te­stel­le bin­det das In­dus­trie­ge­biet im Wes­ten und das Por­zi­are­al di­rekt an die S-Bahn-Li­nie an und funk­tio­niert da­mit als stra­te­gi­sche Schnitt­stel­le. Um Sy­ner­gi­en zu nut­zen, kann gleich­zei­tig mit der Bahn­hof­ver­schie­bung die von Bund und Kan­ton mit­fi­nan­zier­te neue Ve­lo- und Fuss­ver­bin­dung ent­lang der Glei­se ge­baut wer­den. Und, die neue Hal­te­stel­le soll über­sicht­li­cher und be­nut­zer­freund­li­cher wer­den und da­mit die Qua­li­tät für Bahn­rei­sen­de er­hö­hen.

Um ein Be­triebs- und Gestal­tungs­kon­zept aus­zu­ar­bei­ten,

hät­ten 85’000 Fran­ken in­ves­tiert wer­den sol­len. Die­ser Kre­dit sei im Sin­ne ei­ner Vor­leis­tung der Stadt Lan­gen­thal als Grund­la­ge für die wei­te­ren Vor­ha­ben zu ver­ste­hen, heisst es im Kre­dit­an­trag an den Stadt­rat.

An sei­ner Sit­zung wies das Par­la­ment nach län­ge­rer Dis­kus­si­on die­sen An­trag knapp zu­rück. Bei 18 zu 18 Stim­men brauch­te es den Stich­ent­scheid von Stadt­rats­prä­si­den­tin Mar­ti­na Mo­ser (SP). Das Züng­lein an der Wa­ge hät­te sonst die SVP-Frak­ti­on ge­spielt – sie sprach sich für die si­che­ren Ve­lo- und Fuss­we­ge aus, die gleich­zei­tig mit der Neu­an­bin­dung des Bahn­hofs Süd hät­ten er­stellt wer­den kön­nen.

Di­ver­se Stadt­rä­tin­nen und Stadt­rä­te äus­ser­ten sich kri­tisch über das ge­plan­te Pro­jekt. Wäh­rend sich die Frak­tio­nen EVP/GLP und

SP/Grü­ne nicht auf ei­ne Pa­ro­le fest­le­gen woll­ten, sprach sich die FDP/JLL klar ge­gen die Ver­le­gung der Sta­ti­on aus und stell­te ei­nen Rück­wei­sungs­an­trag. Die­ser wur­de aber klar ab­ge­lehnt.

Stadt­rat Pas­cal Dietrich (FDP) sag­te: «Die ak­tu­el­le Sta­ti­on ist für mich ab­so­lut am rich­ti­gen Ort.» Und Par­tei­kol­le­ge Ro­bert Kum­mer füg­te an, es gel­te erst zu klä­ren, ob die Zu­gän­ge zu ei­ner ver­leg­ten Hal­te­stel­le über­haupt mög­lich sei­en. Der Par­tei­lo­se Beat Has­ler gab zu be­den­ken, dass der ge­plan­te Stand­ort zu ver­steckt sei.

Stadt­prä­si­dent Re­to Mül­ler (SP) blieb letzt­lich un­er­hört. Er sag­te ein­gangs: «Ei­ni­ge be­fürch­ten,

dass sich mit der Ver­le­gung der Druck auf ei­nen Ab­bruch im Por­zi­are­al ver­stärkt.» Das sei mög­lich, doch der Ge­mein­de­rat wol­le früh­zei­tig wissen, wie der Stadt­rat zum Pro­jekt ste­he. Ihm ist be­wusst, dass Fra­gen rund um die Zu­gäng­lich­keit ei­nes ver­leg­ten Bahn­hofs of­fen sei­en. «Aber nur mit ei­nem Kon­zept kön­nen wir sa­gen, was über­haupt ge­baut wer­den kann.» Der Ge­mein­de­rat schätz­te die Kos­ten für den Bahn­ho­f­um­bau «auf ei­ner sehr gro­ben An­nah­me» auf et­wa 1,75 Mil­lio­nen Fran­ken. Ein Lan­der­werb ist dar­in nicht ein­ge­rech­net. Mit dem Nein des Par­la­ments ist ei­ne Ver­schie­bung nun aber in wei­te Fer­ne ge­rückt.

«Die Sta­ti­on Lan­gen­thal Süd ist für mich am ab­so­lut rich­ti­gen Ort.» Pas­cal Dietrich FDP-Stadt­rat von Lan­gen­thal.

Fo­to: Chris­ti­an Pfan­der

Die Sta­ti­on Lan­gen­thal Süd ist alt und liegt in ei­ner leich­ten Kur­ve. Ei­ne Ver­schie­bung soll­te gleich meh­re­re Vor­tei­le brin­gen.

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