WIE DIE­SES HEFT FUNK­TIO­NIERT

Das Magazin - - Gebrauchsanweisung -

Es gab ei­ne Zeit, und sie ist noch nicht so lan­ge her, als der Tag durch sei­ne Mahl­zei­ten ge­glie­dert wur­de, mor­gens, mit­tags, abends, wenn näm­lich zu Hau­se, meist von der um­sich­tig wal­ten­den Haus­frau, et­was zu es­sen zu­be­rei­tet wur­de. Die Fa­mi­lie ver­sam­mel­te sich dann am ge­mein­sa­men Ess­tisch, und in der Re­gel war die­se Mahl­zeit aus Le­bens­mit­teln zu­be­rei­tet, die der Sai­son ent­spra­chen, nicht um die hal­be Welt ge­reist und von lo­ka­len Händ­lern sach­kun­dig emp­foh­len wor­den wa­ren.

Die Welt hat sich seit­her wei­ter­ge­dreht, zum Glück. In den Ne­ben­stras­sen ha­ben Ita­lie­ner, Thai­re­stau­rants und Li­ba­ne­sen auf­ge­sperrt, wo man sich zu je­der Ta­ges­zeit ei­nen Im­biss ho­len kann, und Män­ner, die sich et­was dar­auf ein­bil­den, nicht ein­mal ein Ei weich ko­chen zu kön­nen, gibt es nicht mehr. Im­mer mehr Mahl­zei­ten wer­den aus­ser Haus ein­ge­nom­men. Dass wir uns um den Ess­tisch ver­sam­meln, ist eher die Aus­nah­me als die Re­gel.

Die­ses Heft lie­fert ein paar An­re­gun­gen, wie wir Zeit­ge­nos­sen – vol­le Agen­da, Stress­sym­pto­me, hy­po­chon­dri­sche Über­for­de­rungs­fan­ta­si­en – ei­ner­seits die 24 St­un­den op­ti­mal nüt­zen, an­de­rer­seits aber gut, ab­wechs­lungs­reich und un­ter Wah­rung un­se­rer ge­sell­schaft­li­chen In­ter­es­sen es­sen kön­nen.

Ge­nau ge­nom­men geht es um Es­sen für ei­ne gan­ze Wo­che, je­doch nicht um ei­ne hy­po­the­ti­sche Wo­che, in der die Fa­mi­lie drei­mal pro Tag am ge­mein­sa­men Ess­tisch sitzt wie sei­ner­zeit, son­dern ei­ne Wo­che, wie sie für die meis­ten von uns Rea­li­tät ist: Der Be­ruf for­dert uns, Ab­ga­be­ter­mi­ne dro­hen, ei­ne Un­men­ge von Mee­tings ste­hen in der Agen­da.

In die­ser Wo­che wol­len wir uns nur die Frei­heit neh­men, auf all den Junk zu ver­zich­ten, der uns das Le­ben an­geb­lich leich­ter macht: Ich mei­ne die Zwi­schen­mahl­zeit beim Bur­ger-bra­ter, den New York Cheese­ca­ke zum Mor­gen­kaf­fee, die schnell in die Mi­kro­wel­le ge­scho­be­ne Tief­kühl­piz­za, zu der man un­be­dingt zwei, drei Bier öff­nen muss, weil man den Pap­pen­de­ckel sonst nicht hin­un­ter­be­kommt.

Al­so ha­ben wir die­ses Heft so ge­plant, dass Men­schen, die gern gut es­sen, ein paar in­ter­es­san­te An­re­gun­gen zum Ko­chen be­kom­men, oh­ne des­halb so zu tun, als leb­ten wir in den Sech­zi­ger­jah­ren und hät­ten je­den Tag je­de Men­ge Zeit zum Ko­chen.

Ha­ben wir nicht, und die­ser Rea­li­tät se­hen wir gern ins Au­ge, in­dem wir bei ein­fa­chen Re­zep­ten blei­ben, de­ren Um­set­zung uns nicht Stress macht, son­dern ge­nau das Ge­gen­teil.

Un­se­re Vor­schlä­ge zie­len zum Bei­spiel dar­auf, ge­wis­se Ge­rich­te auf Vor­rat zu ko­chen, ei­nen Un­ter­schied zwi­schen ei­nem x-be­lie­bi­gen Werk­tag und dem Wo­che­n­en­de zu ma­chen und da­bei ei­ne Art ku­li­na­ri­schen Rhyth­mus zu ent­wi­ckeln. Wir stel­len Ge­rich­te her, von de­nen wir die gan­ze Wo­che (oder we­nigs­tens meh­re­re Ta­ge) zeh­ren kön­nen, mit in­ter­es­san­ten Va­ri­an­ten. Wir pro­du­zie­ren mit we­ni­gen Hand­grif­fen schnel­le, aber gleich­wohl raf­fi­nier­te Ge­rich­te, die im Ta­ges­ab­lauf dann ge­nos­sen wer­den, wenn man sonst zu ei­nem Mars-rie­gel greift oder ver­dros­sen die Te­le­fon­num­mer des Piz­za­ser­vice wählt. Schliess­lich trei­ben wir, wenn Zeit ist, ein biss­chen mehr Auf­wand, um et­was Be­son­de­res zu ko­chen, das wir mit an­de­ren Men­schen tei­len wol­len, mit der Gross­fa­mi­lie oder mit Freun­den – frei­lich oh­ne vor­her ei­ne Koch­leh­re ab­sol­vie­ren zu müs­sen.

Die­ses Heft gibt An­re­gun­gen da­für, wie man das schnel­le Früh­stück un­ter der Wo­che ge­sund und un­ter­halt­sam ge­stal­ten kann. Es hat ein paar Tipps für das spä­te Früh­stück am Wo­che­n­en­de und ein gran­dio­ses Re­zept für den Mor­gen, an dem man be­reut, ges­tern so spät schla­fen ge­gan­gen zu sein.

Na­tür­lich ma­chen wir ei­nen Un­ter­schied zwi­schen dem ein­fa­chen Lunch un­ter der Wo­che und dem gros­sen Mit­tag­es­sen am Wo­che­n­en­de, und schliess­lich lie­fern wir für je­den Tag der Wo­che An­re­gun­gen für ein Abend­es­sen. Wo­chen­tags sind das ein­fa­che Mahl­zei­ten, oft, aber nicht im­mer ve­ge­ta­risch, zu­wei­len mit ei­nem Stück Fleisch oder Fisch.

Die Zu­ta­ten sind so ge­wählt, dass sie jetzt, An­fang Sep­tem­ber, auf dem Markt oder beim aus­ge­such­ten Su­per­markt leicht zu be­kom­men sind. Für we­ni­ge Re­zep­te brau­chen Sie Ge­wür­ze oder Würz­sau­cen, die Sie im Spe­zi­al­han­del oder on­li­ne be­sor­gen müs­sen, Su­mach zum Bei­spiel oder viet­na­me­si­sche Fisch­sau­ce. Die­sen Auf­wand hal­ten wir an­ge­sichts der Er­geb­nis­se für ge­recht­fer­tigt. An­de­re Re­zep­te sind so ein­fach, dass sie auch von Kin­dern ge­kocht wer­den kön­nen – si­cher je­doch ist, dass Kin­der sie gern es­sen. Be­weis­fo­tos wei­ter hin­ten.

Am Wo­che­n­en­de steht ein gan­zes Me­nü auf dem Pro­gramm, das sich be­son­ders für Ein­la­dun­gen eig­net, und weil ja ziem­lich vie­le von uns am Wo­che­n­en­de viel Zeit in der Kü­che ver­brin­gen (und das gern!), ha­ben wir da­für ein ein­fa­che­res und ein et­was an­spruchs­vol­le­res Me­nü aus­ge­wählt.

Ins­ge­samt prä­sen­tie­ren wir in die­sem Heft 35 Re­zep­te, or­dent­lich durch­num­me­riert von 1 Gra­no­la bis 35 Pfir­si­che mit La­ven­del. Das be­deu­tet nicht, dass Sie 35-mal pro Wo­che ko­chen sol­len, son­dern dass wir ein Herz für Al­ter­na­ti­ven ha­ben.

Selbst­ver­ständ­lich freu­en wir uns, wenn Sie un­se­re Emp­feh­lun­gen wahr­neh­men, aber auch wenn Sie Ein­wän­de, Er­gän­zun­gen oder Ge­gen­vor­schlä­ge ha­ben. Wenn Sie Re­zep­te nach­ge­kocht ha­ben und zu­frie­den (oder be­son­ders un­zu­frie­den) sind, schi­cken Sie uns Bil­der. Wenn Sie Ide­en ha­ben, die un­se­re Ide­en er­gän­zen, nichts wie her da­mit!

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