EIN SCHLÜSSELBEGRIFF

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Es gibt den – in Re­kru­ten­schu­len häu­fig ge­hör­ten – Satz, er stammt an­geb­lich von Le­nin: «Ver­trau­en ist gut, Kon­trol­le ist bes­ser.» In den meis­ten Si­tua­tio­nen des Le­bens han­delt man al­ler­dings nicht nach die­sem Mot­to. Es ist er­staun­lich, wie oft wir, oh­ne lan­ge dar­über nach­zu­den­ken, das Ri­si­ko ein­ge­hen, je­man­dem zu ver­trau­en. Wir ge­hen da­von aus, dass der Berg­füh­rer kein Hoch­stap­ler ist, der Psy­cho­the­ra­peut rich­tig aus­ge­bil­det wur­de, die Bank­be­ra­te­rin kei­ne be­trü­ge­ri­sche Ver­gan­gen­heit hat, der ge­lieb­te Mensch nicht schau­spie­lert, es der Lehr­per­son tat­säch­lich um das Wohl der ihr an­ver­trau­ten Kin­der geht. Wir ver­trau­en un­se­ren Mit­men­schen, auch weil wir wis­sen, dass Ver­trau­en fort­wäh­rend Ver­trau­en er­zeugt – Ver­trau­en ist an­ste­ckend. Oh­ne Ver­trau­en ist das, was wir un­ter Ge­sell­schaft ver­ste­hen, kaum mög­lich. Da­mit ist Ver­trau­en viel­leicht das wich­tigs­te im­ma­te­ri­el­le Gut. Nun lässt sich aber leicht fest­stel­len, dass es ein Pro­blem gibt mit dem Be­griff. Mein Ein­druck ist: Die ver­schie­de­nen ge­sell­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Mi­lieus schot­ten sich zu­se­hends ab. So­zia­le Me­di­en be­för­dern die­se Ten­denz. Das ist ei­ne schlech­te Ent­wick­lung für ei­ne of­fe­ne, frei­heit­li­che Ge­sell­schaft. In sei­nem Es­say (Sei­te 16) legt Pe­ter Haff­ner dar, wes­halb.

Lie­be Kro­ko­di­le, die­se Män­ner möch­ten so sein wie ihr! Sei­te 24

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