Wis­sen­schaft­lich kaum er­forscht

Der Landbote - - WINTERTHUR -

Hoch­sen­si­bi­li­tät ist bis­her kaum er­forscht, es gibt welt­weit ge­ra­de mal drei Dut­zend wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en, die das Phä­no­men bei Er­wach­se­nen be­tref­fen. Für die Ur­sa­che gibt es kei­ne an­er­kann­te neu­ro­phy­sio­lo­gi­sche Theo­rie. Fach­leu­te dis­ku­tie­ren, dass erb­li­che und auch ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gi­sche Fak­to­ren die­se Emp­find­lich­keit be­grün­den kön­nen. Die Band­brei­te der Er­schei­nungs­for­men, die un­ter Hoch­sen­si­bi­li­tät ge­fasst wer­den, ist sehr gross.

Das im Ar­ti­kel ge­nann­te Buch «Hoch­sen­si­bel das Le­ben meis­tern» hat Ul­ri­ke Hen­sel ge­schrie­ben. Die deut­sche Au­to­rin ist sel­ber hoch­sen­si­bel und be­rät seit acht Jah­ren Mit­be­trof­fe­ne. Drei Vier­tel der Men­schen, die sie coacht, sei­en Frau­en, ob­wohl die Ei­gen­schaft zwi­schen den Ge­schlech­tern et­wa gleich ver­teilt sei. «Män­ner sind sehr zu­rück­hal­tend da­mit, sich als hoch­sen­si­bel zu be­zeich­nen», so Hen­sel.

Im Vor­der­grund ste­he für vie­le der Um­gang mit an­de­ren Men­schen. «Hoch­sen­si­ble stört vie­les, weil sie Din­ge in­ten­siv wahr­neh­men.» So hät­ten sie oft ein sehr ne­ga­ti­ves Bild von an­de­ren Men­schen, se­hen sie als rück­sichts­los und igno­rant, als «Dampf­wal­zen». «Ich la­de sie ein, die Si­tua­ti­on neu­tral zu se­hen, zu er­ken­nen, dass an­de­re Leu­te die Si­tua­ti­on an­ders emp­fin­den», sagt Hen­sel.

Hen­sel emp­fiehlt ih­ren Kli­en­ten, be­züg­lich ih­rer Ver­an­la­gung neu­tral nach aus­sen zu tre­ten. Da­für brau­che es ein gu­tes Selbst­wert­ge­fühl. Man sol­le die Hoch­sen­si­bi­li­tät nicht als Aus­re­de nut­zen für et­was, das man er­rei­chen will. «Tre­te ich ma­ni­pu­la­tiv auf, ist die Re­ak­ti­on ga­ran­tiert ab­leh­nend.» Gut sei, wenn man gleich zu Be­ginn er­wähnt, was man von den an­de­ren er­war­te, und nichts ein­for­de­re.

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